Survival ist nicht mehr und nicht weniger als die Kunst, unter allen nur denkbaren schlechten Bedingungen am Leben zu bleiben. Dabei ist die mentale Einstellung genau so wichtig wie Fitness und ein gerüttelt Maß an Fertigkeiten und Kenntnissen.
Du musst in der Lage sein, alles nur Dienliche aus der Natur und der Umbebung zu entnehmen und zu deinem Nutzen zu verwenden, wie du die Aufmerksamkeit von Rettungskräften auf dich lenken kannst, wie du den Weg aus unbekannten Gelände zurückfindest zur Zivilisation oder zur eigenen Truppe, wenn es keine Hoffnung auf Rettung von außen gibt; wie du dich ohne Karte und Kompass orientieren kannst.
Du musst wissen, wie du deine Gesundheit und die deiner Kameraden (sei froh, wenn wenigsten ein paar das Gefecht überlebt haben) erhalten und wiederherstellen und wie du deine Moral aufrecht erhalten kannst.
Betrachte jedes Ausrüstungsstück als Bonus. Das Fehlen von Ausrüstung bedeutet ja noch lange nicht, dass du ohne sie bist, dein Wissen, deine Kenntnisse und Erfahrungen helfen dir weiter, was aber nicht bedeutet, diese Fertigkeiten einrosten zu lassen, sondern sie ständig zu erweitern.
Verlasse dich als Soldat niemals darauf, dass du deine umfangreiche BW-Ausrüstung immer und in jeder Lage zur Verfügung hast. Rechne stets damit, in letzter Konsequenz alles weg zu werfen und um dein Leben rennen zu müssen; danach zeigt es sich, was du außer deinem militärischen Handwerk noch alles gelernt hast.
Survival ist nicht, wie in vielen Filmen dargestellt, ein Abenteuer, aus dem du als Hauptdarsteller (natürlich) ohne Kratzer und Schrammen herauskommst, selbstverständlich mit einem Orchester im Hintergrund, welches den Triumpfmarsch aus Aida spielt!!! Vergiss es so schnell wie möglich!! Und vergiss den Schrott, der dir in Filmen vorgesetzt wird. Aus eigener militärischer Erfahrung (Survivaltraining seit 1982) kann ich dir sagen, dass eine knochenharte der Realität nahe Ausbildung immer noch die beste Lebensversicherung für dich ist, vor allem dann, wenn es um Techniken geht, die in keiner ZDV zu finden sind, und das sind die meisten! Dabei darf ich an dieser Stelle den Kameraden aus der Truppe, ganz besonders denen der Britischen Armee, danken, die mir, oft unter großzügiger Auslegung der Vorschriften, erlaubten, von ihnen zu lernen.
Noch ein ganz privates Wort zu den Vorschriften: Betrachte sie im Survivalfall niemals als bindend! Zum einen schleppst du die Papierberge ja nicht mit dir herum, und zum anderen kannst du Gift darauf nehmen, dass gerade deine ganz persönliche Situation nicht in der Vorschrift behandelt wurde. Wetten?? Auch sind m. E. deine Chancen für ein Überleben als Versprengter wesentlich größer, als die mörderische flächendeckende Feuerkraft eines gegnerischen Artillerieangriffs zu überstehen.