Jeder, auch und gerade du, kann durch äußere Einflüsse, durch eigenes oder fremdes Verschulden, durch Zufall, oder, und das ist der häufigste Fall, durch eigene Dummheit und Arroganz, in eine Situation geraten, wo es um Leben oder Tod geht!
Dabei denke ich nicht in erster Linie an den V-Fall, der ja für uns in der Bundesrepublik sehr unwahrscheinlich aber nicht unmöglich ist. Das Überschreiten einer Landesgrenze allein bringt dich schon von einer Sekunde auf die andere in ein anderes Rechtssystem, dessen negativen Auswirkungen du, auch wenn du nach unseren Begriffen unschuldig bist, dich nur durch rasche Flucht entziehen kannst.
Denke einmal über diktatorische Systeme nach; es lohnt sich!
Der echte Survival-Fall ist nicht, wie in Filmen vorgestellt, ein Abenteuer, das von heroischer Musik untermalt an den Beteiligten ohne Spuren zu hinterlassen vorübergeht und dessen, natürlich glorreiches, Ende abzusehen ist! Es bedeutet, im Extremfall für Wochen, permanenten Stress und Belastungen an oder über der Grenze dessen, was Menschen ertragen und erdulden können! Aber ganz egal, wie viel Glück du auch hast oder wie gut du vorbereitet bist, wenn du dich von einer Sekunde auf die andere oder einem Angriff deines Gegners allein in einer gottverlassenen Gegend wiederfindest, wird das ein Schock sein – körperlich und geistig. Dann wird es sich zeigen, ob du den Willen zum Überleben, zum Durchhaltenhast.
Wir kennen das alle aus unserer Grundausbildung: Irgendwann wurden wir bei den für uns als „Krummfinger" ungewohnten Belastungen der Märsche langsamer, kamen aus dem Schrittrhytmus und wurden apathisch, viele zum ersten Mal in ihrem Leben. Schmerzen, Krämpfe und Müdigkeit nahmen uns den Willen zum Durchhalten. Dabei ist das nur die allererste Stufe!
Das gleiche Phänomen erleben wir in Überlebenssituationen, nur ist hier der Einsatz höher: dein Leben. Es gibt Berichte über Leute, die gerettet und auf alle Krankheiten hin erfolgreich behandelt wurden; trotzdem starben sie, weil sie den Willen zum Leben verloren hatten. Die Erfahrungen hunderter Soldaten, die in den Kriegen abgeschnitten und versprengt wurden, beweisen, daß das Überleben zum größten Teil eine Sache der Einstellung ist.
Der Wille zum Überleben ist dabei der wichtigste Faktor!
Ob man sich in der Gruppe oder allein befindet, emotionale Probleme werden auf jeden Fall auftauchen – sein es durch Schock, Furcht, Verzweiflung, Langeweile oder Einsamkeit. Zusätzlich zu diesen geistigen Gefahren werden Verwundungen und Schmerzen, Müdigkeit, Hunger und Durst den Willen zum Leben beeinflussen.
Interviews mit Tausenden von Überlebenden aus Kriegsgefangenenlagern, Konzentrationslagern und den Höllen moderner Kriege zeigen die erstaunliche Belastungsfähigkeit des menschlichen Körpers, wenn er von einem starken Willen gelenkt wird.
Der Umkehrschluss ist, dass eine Ausbildung wie bei den Kommandos (SAS, Kampfschwimmer, KSK etc), die über die Grenzen des zu Erwartenden hinausgeht und den Teilnehmern eine hohe Leidensfähigkeit abverlangt, immer noch die beste Lebensversicherung ist. So nebenbei: Rambo-Typen sind bei diesen Einheiten absolut fehl am Platze!
Nahezu jeder, der sich jemals verirrt hatte, isoliert und von der Zivilisation oder den Kameraden abgeschnitten war, hat die Furcht kennen gelernt – Furcht vor dem Unbekannten, Furcht vor Schmerzen und Unbequemlichkeit, Furcht vor den eigenen Schwächen. Unter solchen Umständen ist Furcht nicht nur normal, sie ist gesund! Furcht schärft die Sinne und stimmt auf mögliche Gefahren und Risiken ein. Furcht ist das natürliche Ansteigen des Adrenalin-Spiegels, das bei allen Säugetieren vorkommt und als Verteidigungsmechanismus gegen Feindseligkeiten und Unbekanntes fungiert. Aber die Furcht muss eingedämmt und in die richtigen Kanäle gelenkt werden, sonst wird sie zu Panik!
Panik ist die schlimmste Reaktion in einer Überlebenssituation .
Es wird Energie vergeudet, das rationale Denken wird beeinträchtigt oder ganz ausgeschaltet. Panik führt zur Hoffnungslosigkeit, die der erste Schritt zum Verlust des Überlebenswillen ist.
Die Bezeichnung für einen Soldaten, der in Panik gerät, ist „Weiches Ziel".
Dein Verhalten bei Panik kannst du nicht trainieren; aber du kannst dir an Hand des Wortes „ÜBERLEBE" eine gedankliche Checkliste schaffen:
Ü berleben kannst du nur, wenn du den Willen dazu hast!
B ehalte die Ruhe, teile deine Kräfte sinnvoll ein!
E rregung kostet Nervenkraft und führt zu übereilten Entschlüssen
R ettung ist nur möglich, wenn du Panik vermeidest und Furcht überwindest!
L asse nie Mut und Selbstvertrauen sinken!
E rhoffe stets das Beste, sei aber auf das Schlechteste vorbereitet!
B eherrsche die Situation!
E rdenke immer neue Aushilfen!