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Survivalhandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

4. Stressfaktoren

Angst, Furcht und Panik sind nach der Meinung von Erbsenzählern dreierlei. Dem Betroffenen ist das schnurzpipegal: er macht auf jeden Fall seine Hose voll.

Angst ist überlebenswichtig: Lerne damit umzugehen, bevor Angst in Panik umschlägt.

An zwei Beispielen sei demonstriert, was Panik auslösen kann:

Während eines militärischen Survivaltrainings in Kanada hat sich ein Teilnehmer das Leben genommen. Obwohl er ohne es zu wissen, regelmäßig unter der Beobachtung durch die Ausbilder stand, fand er sein Umfeld extrem bedrohlich, geriet in Panik und beging Selbstmord!

Während der Kämpfe in Karelien im 2. Weltkrieg löste der Ruf „Russische Panzer" bei Einheiten 70 km hinter der Front eine solche Panik aus, dass nahezu eine ganze Division kopflos unter Hinterlassung fast allen Gerätes nach hinten türmte. Auslöser war die Alarmübung einer Panzerjägertruppe, die mit diesem Ruf die Übung einleitete.

Dunkelheit  kann sensiblen Naturen ganz schön zu schaffen machen. Der ach so moderne Mensch ist der Dunkelheit in der Regel hilflos ausgeliefert und möchte sich am liebsten in der Erde verkriechen, wenn er ohne die gewohnte helle Beleuchtung zurecht kommen muss.

Da kommen die Urängste aus der Zeit unserer Vorfahren im Neandertal wieder hoch. Lach nicht! Aus eigener Erfahrung in zivilem als auch im militärischem Bereich kenne ich eine Reihe von Leuten, die bei Dunkelheit regelrecht (zu ihrem eigenen Verdruss) wie gelähmt waren; unfähig, sich von dieser Urangst zu lösen.

Betrachte die Dunkelheit einfach als Wetterbedingung, denn mit den Unbilden des Wetters kannst du ja umgehen. Dunkelheit ist dein Freund auf der Flucht.

Durst tötet dich, wenn du nicht rechtzeitig vorbeugst! Man kann wochenlang ohne Nahrung auskommen, aber nur ein paar Tage ohne Wasser. Nutze daher jede Gelegenheit, deinen Wasservorrat zu ergänzen, jede!

Einsamkeit und Langeweile   sind  nicht jedermanns Sache. In der Gruppe ist sie zu ertragen, aber falls du als typischer Herdenmensch ganz allein in eine Survivalsituation  geschliddert bist, bekommst du Probleme.      

       Ein Beispiel aus eigenem Erleben:

Am Ende einer mehrwöchigen Wanderung in der nordfinnischen Tundra traf ich eine Gruppe englischer Teenager im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, die unter Leitung eines finnischen Rangers zwei  Wochen in der Tundra waren. Eines der Mädchen bekam trotz der Gruppe einen regelrechten Einsamkeitskoller und musste ausgeflogen werden. (Die nächste Disco war leider 120 km entfernt!)

Abhilfe:   Nimm den Kopf deiner letzten Beute mit und unterhalte dich mit ihm!!!! Oder führe Selbstgespräche über dein Tun und Lassen. Lenke dich ab, egal womit! Letztendlich spielt sich Einsamkeit nur in deinem Kopf ab. Dein größter Feind ist Resignation!

 Erschöpfung behindert dich nur, wenn du nichts dagegen unternimmst. Wer nie gelernt und erfahren hat, hart unter oder sogar über die Grenze seiner persönlichen Leistungsfähigkeit hinaus seinen Auftrag erfolgreich auszuführen, wird sich kaum vorstellen können, zu welchen physischen und psychischen Leistungen ein Mensch fähig sein kann. Im Extremfall tötet Erschöpfung jede Regung gnadenlos ab, sogar den Willen

Hitze und Kälte sind bei geeigneter Bekleidung und Ernährung zu ertragen, kein Problem also. Bist du ihnen aber wie Tarzan nur mit dem Lendenschurz bekleidet ausgesetzt, dann rettet dich nur noch dein Können und Wollen!

Auch hierzu ein Beispiel: Im Afrikafeldzug wurde nach einem mißglückten Angriff der britischen Long Range Desert Patrol der Lance Corporal Silito von seinem Team abgeschnitten. Ohne Wasser und Verpflegung erreichte er die britischen Linien nach einem Marsch über 200 Km!

Hunger  quält dich bis zum Wahnsinn. Ohne Nahrung und ohne körperliche Anstrengungen kann ein Mensch in unserem Klima bis zu 50 Tage überleben. Über die Auswirkungen kannst du dich in den Dokumentationen informieren!

Krankheit ist oft die Auswirkung mangelnder Hygiene. Pflege deinen Körper, du hast nur einen! Je mehr du auf Körperpflege achtest, desto stärker bleiben seine Widerstandskräfte gegen Krankheit, Schwäche und Mutlosigkeit. Wer sich darin gehen lässt, ist auch für alles andere anfällig.

Schlaflosigkeit über längere Zeit verlängert alle deine Reaktionen. Nutze jede Gelegenheit zum Schlafen, und wenn dazu keine Zeit ist, zum Ruhen. Und so ganz nebenbei: Erzwungene Schlaflosigkeit ist ein probates Foltermittel.

Verfolger, die Kameraden von der anderen Feldpostnummer, sind ein verdammt lästiges Übel; sie können dir den ganzen Tag verderben. Aber sei ihnen nicht böse: sie dürfen das! Auch das gehört zum Survival. Lass dich mal eine Woche lang von einer Verfolgergruppe betreuen: Das nervt, kann ich dir sagen! Auch bei der Ausbildung!

Klima- und Geländebedingungen werden dich an den Rand der Erschöpfung und der Verzweiflung bringen, besonders dann, wenn es dich in unbekanntes Gelände verschlagen hat.


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