Als Soldat bist du zunächst einmal fein raus: Y-Tours (Slogan: Wir buchen - Sie fluchen) sorgt schon dafür, dass du eine gute Ausrüstung bekommst und auch mit stolzgeschwellter Brust, Blasen an den Füssen und krummen Rücken durch die Lande tragen darfst.
Als Zivilist musst du auf den Rückhalt deiner Einheit verzichten und alles in die eigenen Hände nehmen.
Mach es wie die Pfadfinder: Allzeit bereit! Bereite dich auf deine Reise, deinen Marsch vor!
Denke vor allem nicht, dass du hier in Europa nicht in eine Survivalsituation kommen kannst!
Dazu ein Beispiel mit tödlichem Ausgang: Während meines Herbsturlaubs in Nord-Norwegen war auf der finnischen Seite der Grenze ein schwedisches Ehepaar mit ihrer Tochter und der Großmutter im Pkw unterwegs. Sie stellten ihr Fahrzeug abseits der Straße an einer unübersichtlichen Stelle ab, um einen kleinen See zum Picknick aufzusuchen. Innerhalb weniger Minuten auftretender Nebel zwang sie, vor Ort zu verbleiben. Typisch Stadtmensch, hatten sie nicht realisiert, dass sie sich urplötzlich ohne Erfahrung einer lebensbedrohlichen Situation gegenüber sahen. Am zweiten Tag versuchte der Vater, die rettende Straße zu erreichen, was er auch nach etwa 15 Stunden schaffte. Die Retter erreichten den Rest der Familie in der Nacht des vierten Tages: die Großmutter war tot. Und das alles nur zwei Kilometer von der Straße entfernt!
Bevor du einen Marsch antrittst, beantworte dir folgende Fragen und hake diese Checkliste ab:
Sorge dafür, dass du einen aktuellen und gründlichen Gesundheitscheck auch für deine Beißerchen durchlaufen hast und dass du alle für das zu erwartende Gelände und Klima notwendigen Impfungen erhalten hast. Stelle danach die Sanitätsausrüstung für dich und die Mitglieder deiner Gruppe zusammen.
Stelle sicher, dass alle in der Gruppe ausführlich über alles informiert werden und den zu erwartenden Anstrengungen gerecht werden: schließe nicht geeignete Leute rigoros aus! Setze regelmäßige Besprechungen an, um Pläne und Verantwortlichkeiten festzulegen. Bestimme den Sanitäter, den Koch, den Mechaniker, den Fahrer usw. Jeder in der Gruppe muss sich mit der vorhandenen Ausrüstung und den Ersatzteilen auskennen!
Je detaillierter deine Kenntnisse sind, um so größer sind deine Chancen. Betreibe ein gründliches Kartenstudium, sammle soviel Informationen über das Gelände wie möglich: Klima, Wetterbedingungen, Fließrichtung der Gewässer und deren Geschwindigkeiten, Höhe der Berge und Hügel, Art der Vegetation, Tierwelt usw.
„Planung ist, wenn der Arsch über den Geist triumphiert!" Der Spruch mag ja manchmal stimmen. Aber in deinem Fall angewendet, wirkt er tödlich. Plane dein Unternehmen sorgfältig in Einzelphasen und stelle einen Zeitplan auf. Berücksichtige dabei die Notfälle wie Ausfall eines oder mehrere Fahrzeuge, Krankheiten und Evakuierung von Verwundeten, Zusammenführung von Versprengten usw.
Lass dir bei allem Zeit: Zeitdruck führt unweigerlich zur Erschöpfung und zu Entscheidungsfehlern.
Der Zwang, regelmäßig deine Wasservorräte aufzufüllen, ist ein wichtiger Faktor bei der Routenplanung.
Jeder in der Gruppe muss wissen, wohin es weitergeht und wann du deinen Marsch starten und beenden willst. Bei einem fehlenden Kontakt müssen bei allen die Alarmglocken klingeln. Informiere bei Bergwanderungen die Polizei, die Bergwacht oder die Berghütten über deine Absichten.
Deine Bekleidung soll bequem sitzen, aber nicht einengen, Schutz gegen Regen und Kälte bieten und gut durchlüftet sein. Stoffe wie GORETEX ö. Ä. sind am besten geeignet, denke auch an Wäsche zum Wechseln. Gegen die Kälte schützen mehrere Lagen besser als eine einzelne dicke Bekleidung. Lass die Finger (Füße) von neuen Schuhen oder laufe sie ein. Wenn du mindestens zwei Wochen vorher deine Füße regelmäßig mit medizinischen Alkohol einreibst, werden sie es dir danken; Hirschtalg erfüllt den gleichen Zweck.
Daunengefüllte Schlafsäcke sind leicht und isolieren am besten, haben allerdings den großen Nachteil, bei Nässe total zu versagen und sind schwer zu trocknen. Wenn du kein Zelt hast, ist ein Minizelt aus atmenden Material ideal.
Der Rucksack soll stark und wasserdicht sein, mit breiten, am Rahmen befestigten verstellbaren Tragegurten und einem breiten Hüftgurt sein. Außenrahmen sind zwar schwer und man verhakt sich mit ihnen schnell an Zweigen, aber sie haben den Vorteil, dass man auf ihnen schwerste Lasten bis hin zu einem Verwundeten tragen kann. Zwischen Rahmen und Rücken muss genug Raum sein, um eine gute Luftzirkulation zu erreichen. Die Außentaschen sollten mit Klettverschlüssen gesichert sein.
Verpacke die einzelnen Ausrüstungsgegenstände in Plastiktüten. Die Teile deiner Ausrüstung, die du regelmäßig benötigst, werden oben im Rucksack verstaut. Natürlich musst du dir merken, welche Teile du wo untergebracht hast, das spart dir viel Zeit. Zelt, Funkgerät und andere schwere Teile werden oben auf dem Rucksack verzurrt, aber türme die Last nicht so hoch auf, dass du bei starkem Wind das Gleichgewicht verlierst.
Aber egal, wie sorgfältig du auch deine Ausrüstung verpackst: das, was du suchst, liegt grundsätzlich unten im Rucksack!
Funkgeräte sind ein Muss für lang dauernde Unternehmen. Lege einen Plan fest, nach dem du mindestens zwei mal am Tage mit deiner Basis Kontakt aufnimmst, um Standort und weitere Maßnahmen abzustimmen. Die Basis wird dich mit Informationen über das Wetter, die allgemeine Lage und die manchmal notwendigen Änderungen der Funkfrequenzen versorgen. Stelle aber sicher, dass die Arbeitsfrequenzen auch in dem von dir begangenen Gelände arbeiten. Mindestens zwei Mann müssen in der Lage sein, das Funkgerät sicher zu bedienen.
Ein Notfallplan wird immer dann ausgelöst werden, wenn zwei vereinbarte Funkkontakte nicht zustande gekommen sind! Auch wenn alles in Ordnung ist - wenn kein Kontakt zustande gekommen ist, es ist für die Basis ein Notfall! Dann bleibt dir nur die Möglichkeit, zurück zum letzten gemeldeten Standort zu marschieren und auf Kontakt zu warten.
„Klingt ja alles wunderbar! Machen wir doch mit links!" höre ich jetzt schon einige Leute sagen. Aber warte mal ab. Wenn das berühmte Gesetz „Planung ist, wenn der Arsch über den Geist triumphiert" erst einmal zugeschlagen hat, dein hochbezahlter Safariführer von einem Krokodil aufgefressen wurde, dein Fahrzeug den Geist aufgegeben hat, Nahrung und Wasser irgendwo vergessen wurden und du selbst ganz allein auf weiter Flur bist, dann „Gute Nacht"!
Verlass dich niemals darauf, dass deine sorgfältige Planung auch klappt, sei Pessimist; denn nur wenn du auf den GAU vorbereitet bist, kannst du hoffen, ihn zu überleben.