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Survivalhandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

9. Feuer

Feuer ist für den Menschen ebenso wichtig wie Wasser und Nahrung, vor allem bei Kälte ist es unentbehrlich. Feuermachen ist ein absolutes Muss der Ausbildung (und der Anwendung). Je mehr Techniken du beherrscht, um so besser.

 

Kocher.

Ein Trockenbrennstoffkocher (z.B. ESBIT) eignet sich bestenfalls, um eine Tasse Tee oder eine Fertiggericht a la EPA / MRE / COMPO RATION zu erwärmen. Wesentlich besser ist der Brennstoff aus den britischen Rationen; deren Gase sind allerdings giftig, direkten Kontakt der Nahrungsmittel mit den Flammen ist zu vermeiden. Trockenbrennstoffe gehören als Feuerstarter in jedes Survivalkit.

Spirituskocher sind preisgünstig, wartungs- und verschleissarm. Leider hat Spiritus keinen hohen Brennwert und muss bei Kälte angewärmt werden. Dafür bekommt man ihn überall, notfalls nimmt man hochprozentigen Schnaps. Vorsicht: Bevor man den Brenner nachfüllt, muss er abgekühlt sein, sonst gibt es Stichflammen.

Gaskocher sind preisgünstig, sauber und geruchlos mit einem mittleren Brennwert. Man sollte sich für einen Kocher mit Ventilsystem entscheiden. Beim Stechsystem, wo man einen Dorn vom Kocher in die Kartusche treibt, ist es schon zu bösen Unfällen gekommen: Die Einstichstelle wurde undicht, Gas strömte aus und die Leute erstickten im Schlaf. Deshalb: Gaskocher immer vor der Unterkunft aufbewahren und benutzen!

Benzinkocher sind die sparsamsten und ergiebigsten Kocher, brauchen dafür aber mehr Pflege und Wartung.

Allesbrenner funktionieren wie Benzinbrenner, nur daß man über unterschiedliche Düsen auch Petroleum und Diesel verbrennen kann.

Neben den technischen und chemischen Methoden des Feuermachens sind Kenntnisse über die Vorbereitungen mit natürlichen Hilfsmitteln unerlässlich: Zunder, Anbrennstoffe und Brennstoffe.

 

Zunder

Als Zunder ist jedes Material geeignet, das bei einem Minimum an Hitze Feuer fängt.

Zunder muß immer trocken sein , daher in wasserdichter Blechdose mitführen oder auf der Haut trocknen.

Halte ständig nach Zunder Ausschau!

Guter Zunder zündet schon mit einem Funken, z. B.:

 

Anbrennstoff

Anbrennstoff wird benötigt, um die Glut des Zunders aufzunehmen, so daß gröberes Material brennen kann. Der beste Anbrennstoff sind kleine, trockene und entrindete Zweige. Weiche und harzhaltige Hölzer eignen sich am besten, brennen aber sehr schnell ab. Nachteil der Weichhölzer: verbrennen schnell, rußen sehr stark und geben Funken. Niemals Anbrennstoffe vom Boden verwenden, immer vom Stamm abnehmen und bis zum Hirnholz entrinden.

 

Brennstoffe – Holz

Zunächst nur Holz von stehenden Bäumen verwenden, später grünes oder feuchtes Holz trocknen.

Faustregel: Je härter das Holz, desto größer die Hitze!

Mischen von trockenem und feuchtem Holz erhält das Feuer länger am Brennen. Besonders gut für die Nacht geeignet.

Harte Hölzer brennen gut, geben große Hitze und erzeugen gute Holzkohle.

Weiche Hölzer brennen schnell ab und erzeugen Funken.

Feuchtes Holz ist gut, um Insekten zu vertreiben, um Feuer über einen längeren Zeitraum zu unterhalten und zum Räuchern.

Holzkohle ist leicht, brennt fast ohne Flamme, hat einen sehr guten Heizwert und ist nebenbei noch ein Medikament. Im Survivalfall ist Holzkohle in etwa 24 Stunden herzustellen, natürlich nicht in der Qualität wie industriell hergestellte. Dazu türmt man aus etwa spatenstieldickem trocknem Holz dicht an dicht verlegt einen etwa 100 cm hohen Kegel auf. In der Mitte wird ein Zündfeuer aus feinem Holz angelegt. Der Kegel wird von außen mit Grasplaggen luftdicht verschlossen. Je ein Lüftungsschlitz an den gegenüberliegenden Seiten sorgt für die nötige Sauerstoffzufuhr zum Zündfeuer. Wenn es dann gleichmäßig qualmt, verläuft alles normal, ansonsten muß man über die Lüftungsschlitze nachregeln.

 

Brennstoffe – andere

Dung von Pflanzenfressern: Hervorragender Brennstoff! Sorgfältig trocknen und mit trockenem Moos, Gras und Blättern mischen. Gibt heiße Glut mit wenig Rauch.

Torf kommt in Mooren vor. Kann leicht geschnitten werden, benötigt aber sehr lange Zeit zum Trocknen. Gute heiße Glut, je nach Trocknungsgrad. Schwache bis kleine Rauchentwicklung.

Öle und Fette aus Fahrzeugen : Treibstoff in mit Sand gefüllter und über dem Sand durchlöcherter Dose abbrennen. Alten britischen Afrikakämpfern als Bengasi-Burner bekannt. Öle und Frostschutzmittel mischen und über Docht abbrennen.

Tierische Fette und Knochen. Über heißer Glut ein Gerüst aus frischen Knochen errichten. Zunächst nur wenig Fett auflegen, bis das Fett Blasen wirft. Nach und nach die Fettmenge erhöhen.

Kiefern- und Föhrenharz aus der Mitte alter fast verrotteter Bäume hat eine goldgelbe Farbe. Das damit getränkte feste Holz wird in kleine Späne geschnitten, zündet mit wenigen Funken und brennt lange genug, um anderen Anbrennstoff oder Brennstoff der gleichen Art zu entzünden.

 

Erzeugen von Glut.

Mit Autobatterie . Beide Pole mit je einem Draht verbinden: Am Berührungspunkt entstehen Funken, die auf Zunder zu übertragen sind.

Mit Taschenlampenbatterie . Entweder mit feinstem Metalldraht oder der feinsten Sorte Stahlwolle die Pole verbinden. Stahl sprüht Funken. Mindestens 3 Volt werden benötigt.

Mit Benzin. Ein Funke genügt, um Benzin zu entzünden. Es genügen wenige Tropfen. Funken aus sicherer Entfernung in das gasende Benzin bringen, Explosionsgefahr !

Mit Brennglas. Zwei gegeneinander verklebte und mit Wasser gefüllte Brillengläser sind besser als ein einzelnes.

Mit Parabolpiegel aus Taschenlampe oder Autoscheinwerfer. Zunder an der Stelle positionieren, wo sonst der Glühfaden der Birne sitzt.

Mit Eis. Eine Technik kanadischer Ranger und Eskimos. Aus klaren Eis wird eine Linse für ein Brennglas geformt. Eine Bestätigung war mir nicht möglich, also einmal ausprobieren.

Mit Flintstein und Eisen. Nichtrostendes Metall funktioniert nicht! Am besten ist eine ausgeglühte und in Wasser oder Öl abgeschreckte Dreikantfeile. Eisen mit großer Wucht an einem scharfkantigen Flintstein entlang schlagen. Funken in Zunder fallen lassen.

Mit Markasit oder Pyrit. Markasit und Pyrit sind Eisenschwefelverbindungen, die über den Mineralienhandel bezogen werden können. Die Technik entspricht der mit Flintstein und Eisen.

Mit Kaliumpermanganat und Zucker oder Glycerin.

Mit Zucker im Mischungsverhältnis 1:1. Mischung auf einem glatten Stein oder Brett ausbringen. Mit der Messerklinge oder dem Löffel unter starken Druck und leicht kreisender Bewegung Zuckerkristalle zerquetschen. Sobald ein Funke aufspringt, aufhören. Das Feuer greift dann um sich und explodiert mit leuchtender, zischender Flamme.

Mit Glycerin im Mischungsverhältnis 1:1. Ein Blatt Papier wird zerknüllt und eine kleine Mulde hinein gedrückt, in der je 1 Teelöffel Kaliumpermanganat und Glycerin zusammengebracht werden. Nach ein paar Sekunden entzündet sich die Mischung und gleichzeitig das Papier mit heller Flamme.

Mit Magnesium. Magnesium kann als Block im Globetrotterhandel erworben werden. Feine Späne mit dem Messer abhobeln und mit einem Funken entzünden.

Mit Plastikschnitzeln. Eine ganze Reihe von Plastiktüten oder -behältern brennen gut, selbst bei nassem Wetter (ausprobieren). Dickere Kunststoffe in feine Späne schaben.

Mit Streichholz ohne Papier. Trockne Äste bis auf das Kernholz abschneiden. Aus dem Kernholz werden kleine Späne geschabt, etwa eine Handvoll. Dazu braucht man noch die gleiche Menge etwas gröberer Späne und feinste trockene Zweige oder Holzsplitter.

Mit Watte aus zwei Tampons. Tampons aufbröseln und ein Polster von 5 x 10 x 1,5 cm bilden. Auf der 5-cm Kante einen schmalen Streifen Asche oder geschabte Holzkohle streuen und von dieser Seite aus stramm zusammenrollen. Nur in Aufrollrichtung darf Druck ausgeübt werden. also merke dir die Richtung.Watterolle unter Druck mit der Hand so lange über ein 40 x 10 cm großes leicht angerauhtes Brett in einer Richtung rollen, bis die Watterolle so fest wie der Tampon selbst ist.Watterolle mit einem 30 x 8 cm Brett mindestens 200 mal unter großen Druck in Rollrichtung hin und her bewegen, beim zurückrollen Druck verringern. Rund-Polster an der heißesten Stelle aufschneiden, leicht auseinanderbrechen und sanft in die Öffnung blasen, bis der erste Funke aufspringt.

 

Feuerbohren.

Zunder aus feinstem, trockenen Material vorbereiten: verfeinern durch Reiben und Aussortieren groben Materials, mischen mit Fallschirmsamen von Disteln, Rohrkolben oder Watte. Etwa die Menge eines Tischtennisballes.

Glutnest vorbereiten aus groben Heu, gemischt mit Papierstreifen, Stroh und Holzwolle etwa in der Größe eines Fußballes. Ein Loch in die Mitte bohren zur Aufnahme der Glut.

Bohrbrett und Bohrer aus am Baum abgestorbenen Ast von Pappel, Linde, Föhre, Weide oder Lärche schnitzen. (Siehe auch Holzarten zu Erzeugen von Glut).

Bohrbrett 2 cm dick und so, daß es plan auf dem Boden ohne zu wackeln aufliegt. 2 cm vom Rand eine kleine Vertiefung anbringen.

Bohrer 2 cm Durchmesser, kreisrund und an beiden Enden angespitzt. Ein Ende als „oben" markieren und einfetten, notfalls mit deinen eigenen „Ohrenschmalz". Das obere Ende niemals nach unten in das Bohrbrett setzen!

Druckstück aus der Hälfte eines 10 cm langen halbierten Aststückes von ca. 4 cm Durchmesser anfertigen. Vertiefung für den Bohrer einschneiden und mit Seife, Harz oder Ohrenschmalz einfetten.

Bogen aus steifen, unbiegsamen Holz, das schon bogenförmig gewachsen ist, oder einer Astgabel bauen.

Feuer erbohren. Als Sehne ein 3 mm starkes rundes Perlonseil oder eine 1 cm breiten Lederstreifen an einer Seite fixieren und an der gegenüberliegenden Seite mit der Hand nachspannen. Die Öse in der Schnur sollte nach außen zeigen.

Bohrloch vorbereiten. Bohrbrett mit einem Knie fest auf den Boden pressen. Die Vertiefung im Bohrbrett solange anbohren, bis sie etwa den Durchmesser des Bohrers hat. Immer die ganze Bogenlänge ausnutzen. Wenn möglich, mit 2 Männern bohren.

Glutkerbe. Vom Rand des Bohrbrettes bis ca. 2 mm vor das Bohrloch eine Kerbe schnitzen. Größe etwa ein Achtel-Kreis.

Feuer erbohren. Einen flachen breiten Holzspan, ein Blatt oder ein Stück Papier unter die Glutkerbe legen. Glutkerbe von außen mit etwas Watte oder Zunder verschließen: Die Kerbe selbst muss frei bleiben! Solange mit höchster Kraft bohren, bis ein etwa Haselnuss grosses Häufchen glühender und qualmender Abrieb erzeugt wurde. Bohrbrett vorsichtig und ohne Erschütterungen aufheben. Vom Rand her ganz leicht nach außen über das Bohrloch blasen bis ein Glutfunken entsteht, der schnell um sich greift. Glut mit der Unterlage behutsam in das Loch des Glutnestes bringen, das Loch schließen und schräg von unten nach oben blasen. Dabei Sorge tragen, dass immer genug Heu in Reichweite der Glut ist.

Geteiltes Leid ist halbes Leid! Das gilt auch und gerade bei der schweißtreibenden Arbeit des Feuerbohrens. Wenn zwei Kameraden sich die Arbeit teilen, macht es wesentlich mehr Spaß!

Feuersägen. Ein dickes Bambus- oder Hartholzstück wird in der Mitte längs gespalten. Auf der eine Seite sägt man eine Kerbe bis zur Mitte. Die dabei entstehenden Späne legt man unter die Kerbe auf ein trocknes Blatt. Mit der scharfen Seite des anderen Bambusstückes sägt man dann in der Kerbe unter leichten Druck, bis Glut entsteht.

Eine Variante ist die Verwendung einer starken feuchten Schnur oder eines Lederriemens anstelle der Säge. Das zu entzündende Weichholz wird mit einer ringförmigen halb umlaufenden Kerbe versehen und auf ein Gegenstück so aufgelegt, dass darunter ein Hohlraum entsteht, in dem der Zunder direkt unter der Kerbe plaziert wird. Das Holzstück wird mit einem Fuß festgehalten. Die Schnur muss so lang sein, dass sie im Stehen beidseitig bis etwa zu Brusthöhe reicht. Durch gleichmäßiges Hin- und Herziehen der Schnur mit nach oben gerichtetem Druck wird die Glut erzeugt.

Der Feuerpflug ist ein Weichholzbrett, in welches man eine etwa 1 cm tiefe Rinne schneidet. In dieser Rinne reibt man unter gleichmäßigen starken Druck mit einem Stock aus Hartholz solange hin und her, bis Glut entsteht.

Feuer schießen. Geschoss aus der Patrone entfernen und die Pulvermenge auf die Hälfte reduzieren. Patronenhülse stramm mit Baumwollgewebe oder Nylonstoff füllen. In die Luft oder auf den Boden schießen: die Füllung wird brennen. Besser ist es allerdings, das Pulver über Zunder zu streuen und mit einem Funken zu entzünden: Es gibt keinen Lärm und man kommt mit weniger Pulver aus. Nie die letzte Patrone verwenden!!!

Feuer transportieren. Der Vorteil ist, dass man sich am Abend das zeitaufwendige Erzeugen von Glut erspart; der Nachteil auf der Flucht ist, dass der Geruch des Brennmaterials hunderte von Metern weit trägt.

Eine runde Blechdose, möglichst mit Deckel, wird rundherum durchlöchert und an einem langen Griff aus Draht getragen.

Korb aus frischen grünen Ästen flechten und dick mit grünen Blättern aber nicht mit Gras polstern.

Ein armdicker glühender Ast.

Dickes Seil aus Naturfasern.

Getrocknete ist am besten geeignet.

 

Holzarten zum Erzeugen von Glut beim Feuerbohren.

 

Brennholz

 

Aufbau von Feuerstellen

 

„ Je größer das Feuer, um so größer der Idiot, der es entzündet hat! "

Mehrere kleine Feuer in einer Reihe ergeben eine bessere Wärmeausnutzung als ein großes !

Auf der Flucht sind unter allen Umständen stark rauchende und helle, weit sichtbare Feuer zu vermeiden!

Rauch ist an klaren Tagen weit sichtbar, hell leuchtende Feuer bei Nacht bis zum Horizont!

 

Kenntnisse über den Aufbau von Feuerstellen sind genau so wichtig, wie Feuer zu entzünden. Die Feuerstelle muss immer den Erfordernissen angepasst werden und es muss Sorge dafür getragen werden, dass es sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Die Zahl der Waldbrände, die weltweit jährlich durch Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit, Vorsatz oder Dummheit entstehen, geht in die Hunderte.

Eine Feuerstelle sollte mindestens 2 m von Bäumen und Buschwerk entfernt angelegt werden, frei von trockenem Gras, Blättern, Moosen oder anderem Material sein, in denen das Feuer sich ausbreiten kann. Stiebende Funken dürfen nichts in der Umgebung entzünden. Verzichte auf das Feuer, wenn du keine Sicherheit gewährleisten kannst. Das gilt natürlich nicht in einer Notlage, wo dein Leben von Feuer abhängig ist.

Die Feuerstelle wird nach Möglichkeit mit einem Erdwall oder mit Steinen eingegrenzt oder in einer Mulde mit einem Graben für die Luftzufuhr eingerichtet.

Vorsicht: Unter keinen Umständen dürfen in der Feuerstelle nasse Steine aus Bächen oder Flüssen verwendet werden. Sie explodieren mit der Wirkung einer Handgranate; das reicht sogar für die „schwarze Essensmarke" .

Beim Anzünden des Feuers ist wichtig, die in der Regel kleine Flamme vor dem Zugwind zu schützen. Mit einer Reihe von einfachen Feuerstartern kann man sich die Arbeit wesentlich erleichtern:

Der Brennstoff wird von unten nach oben so geordnet, dass man mit feinem Material beginnt und immer gröberes verwendet. Es muss genug Luft an das Feuer gelangen. Angezündet wird immer auf der Luv-Seite, aber erst dann, wenn genügend Brennstoff vorhanden ist. Das wird von vielen glatt vergessen und dann laufen sie brennstoffsuchend und frierend herum und lassen in der Zwischenzeit das Feuer ausgehen. Gut 2/3 deiner Zeit gehen für das Sammeln von Brennstoff verloren!!

 

Da Y-Tours sich Sorge um dein Wohlbefinden in jeder Lage macht, hat sie auch zu unserem Thema in einem Comic, genannt ZdV 3/11, einige Feuerstellen beschrieben.

Das Grundfeuer ist ein kegelförmig gestaltetes Wärmefeuer, bei dem durch die unten entstehenden Flammen das oben aufliegende Holz ständig mit Hitze versorgt wird und neu aufgelegtes Holz sich schnell entzündet. Neues Brennmaterial wird einfach in der Kegelform aufgelegt. Das Grundfeuer ist das klassische Feuer auf der ganzen Welt.

Das Sternfeuer wird über einer kreuzförmigen Bodenvertiefung so angelegt, daß das Brennmaterial sternförmig um die Glut in der Vertiefung gelegt wird.

Das Balkenfeuer mutet vom Aufbau her etwas seltsam an, ist aber ein gutes Wärmefeuer. Zunächst werden 4 Pfähle als Stützen in die Erde getrieben. Zwischen die Stützen legst du eingekerbte dicke Äste in etwa 2 cm Abstand. Unter den Stapel wird das Starterfeuer mit viel feinen Brennstoff entfacht.. Das Feuer kommt langsam in Fahrt, aber wenn es einmal brennt, gibt es sehr viel Hitze ab. Neues Brennmaterial wird einfach von oben nachgelegt. Als Kochfeuer denkbar ungeeignet. Aber prima als Bratfeuer für Kleintiere.

Beim Jägerfeuer werden drei oder mehr armdicke entrindete Rundhölzer kreuzförmig auf zwei Scheite gelegt, zwischen denen das Feuer brennt. Da das Brennmaterial höher über der Glut liegt, brennt es langsamer ab, liefert aber gute Wärme. Es dient als kombiniertes Wärme- und Kochfeuer.

Beim Gitterfeuer werden auf zwei starken Rundhölzern dünnere Hölzer oder Scheite gitterförmig aufgeschichtet.

Das Grubenfeuer wird in einer kegelförmigen Grube von 40 – 50 cm Tiefe entzündet, wobei das Brennmaterial an den Seiten aufgeschichtet wird und beim Abbrennen in die Grube rutscht. Ein Luftkanal, je nach Windstärke in Luv oder Lee, sorgt für eine gleichmäßige Zufuhr von Luft. Das Feuer brennt langsam und sparsam ab, ist also ein gutes Kochfeuer, da die Hitze fast vollständig nach oben abgegeben wird. Neues Brennmaterial wird von der Seite her nachgelegt. Das Feuer liefert, nachts locker abgedeckt, am Morgen noch Glut für deinen Frühstückskaffe.

Das verdeckte Grubenfeuer wird mit einer Abdeckung aus feuchtem Holz oder Moosen oder einer Metallplatte (Wo, zum Teufel, findest du die im Dschungel??) nach oben hin abgedeckt, um Funkenflug und Lichtschein weitmöglichst zu verhindern.

Niedlich, aber eigentlich nur in der sicheren Etappe zu benutzen, ist das in einen Hang eingegrabeneKochfeuer.

Außer den in der ZdV 3/11 genannten Arten von Feuerstellen wird es dir von Nutzen sein, noch ein paar exotische Feuerstellen zu kennen.

Reflektorfeuer reflektieren die Hitze und lenken den Rauch nach oben. Der Reflektor sollte mindestens 80 cm hoch sein. Aus welchem Material er besteht, spielt keine nennenswerte Rolle: Erde, Grasplaggen, Baumstämme, dicht geflochtenes grünes Gras oder Buschwerk, alles ist verwendbar. Alu-Folie ist ein besonders effektiv arbeitender Reflektor, aber Vorsicht; sie zerreißt sehr leicht. Reflektoren auf drei Seiten des Feuers erlauben einen geringeren Brennstoffverbrauch.

Für den unbeaufsichtigten Betrieb während der Nacht bietet sich die automatische Rutsche an, bei welcher der Brennstoff auf einer aus zwei Baumstämmen gebildeten schiefen Ebene dann nachrutscht, wenn der unten liegende verbrannt ist. Reflektierte Hitze wird auch benutzt, um Fisch, Fleisch oder improvisiertes Brot auf flachen Holzbrettern oder Steinen zu garen.

Das Höhlenfeuer ist ein etwa 45 cm tief in die Luv-Seite einer steilen Böschung ca. 50 cm unter der Oberfläche gegrabenes Loch. Mit einem starken Stock wird von oben her ein Loch in die Decke gestoßen und durch leichtes Drehen ein kleiner Schornstein geformt. Nachdem die Höhlung leergeräumt ist, wird in ihr das Feuer entzündet. Durch den Schornsteineffekt wird genügend Luft zugeführt, um das Feuer richtig brennen zu lassen. Über dem Ausgang des Schornsteines kann man ein Räucherzelt aufstellen.

Besonders in lehmigen Gelände ist der Yukon-Ofen zu empfehlen. Man baut über der Ofengrube aus Steinen und Lehm einen etwa 1 m hohen Turm in der Form der Kühltürme und lässt an der Luv-Seite im Boden eine Belüftungsöffnung. Die obere Öffnung sollte kleiner als dein Kochgeschirr sein, sonst geht dir dein Essen baden. Der Boden des Ofens wird mit einer Lage von faustgroßen Steinen oder einem Rost aus frischen Holz ausgelegt. Schon bei geringer Luftzufuhr entwickelt dieser Ofen eine enorme Hitze. Auch in flachem Boden kann diese Konstruktion gebaut werden, allerdings ohne Schornstein. Man bezeichnet es dann als Dakota-Feuer.

Das Grabenfeuer ist ein 30 x 90 cm große und 30 cm tiefer Graben, dessen Boden mit einer dicken Lage Steine bedeckt ist. Das Feuer wird auf den Steinen angefacht und nach und nach verbreitert, bis es die ganze Länge der Grube ausfüllt. Töpfe oder Kochgeschirre werden an schwenkbaren Haltern über dem Feuer plaziert, ein Bratspieß in Längsrichtung neben dem Feuer. Sogar wenn das Feuer herunter gebrannt ist, geben die Steine noch reichlich Wärme zu Trocknen oder Rösten ab.

Findest du eine 20-Liter-Dose (oder größer), baue dir einen Landstreicherofen. Etwa 2 cm vom Rand des Bodens (oder vom Deckel, wenn vorhanden) entfernt werden 3 - 4 kleine Löcher als Rauchabzug eingeschlagen. Mit der Öffnung nach unten wird die Dose auf einen Steinring gestellt, der das Feuer umschließt. Wenn du zu der Dose noch den Deckel hast, um so besser. Schneide dann eine Klappe 5 cm vom Boden entfernt in die Dose und entfache das Feuer in der Dose. Gut zum Backen oder Braten von dünn geschnittenen Fleischstücken.

Beim Braten mit dem Bratspieß musst du dafür Sorge tragen, daß dein Braten nie im Bereich der oberen Flammen befestigt ist. Dort herrscht zwar die größte Hitze, aber sie ist so groß, daß dein Bratgut ganz einfach verbrennt. Richte den Bratspieß so neben dem Feuer auf, daß er im Bereich des glühenden Brennstoffes liegt. Stelle nach Möglichkeit eine Auffangschale für das Bratfett unter das Bratgut.

Eine wenig bekannte aber sehr effektive Methode ist der Hangi, der Erdofen der Polynesier. In einem etwa 60 cm tiefen Erdgraben wird ein starkes Feuer entzündet und das Loch mit 6 oder mehr Schichten von dicken Brennstoff und Steinen abgedeckt. Wenn das Holz verbrannt ist, wird es zusammen mit den erhitzten Steinen in das Feuerloch fallen. Über die Glut werden noch ein paar Steine und nasses Gras gelegt, um einen Abstand zu erreichen. Jetzt kannst du dein in nasse, frische Blätter gleich welcher Art verpacktes Bratgut in die Grube legen und diese bis zu Rand mit Erde füllen. In spätestens 2 Stunden kannst du auf diese Weise sogar das von dir „gefundene" Spanferkel garen!

Im Sumpf, im Schnee oder wenn du keine Spuren deiner Anwesenheit hinterlassen willst, baust du dir ein Tempelfeuer. Auf 4 dicken Pfosten wird eine Plattform aus dicken frischen Ästen gebaut und mit Erde abgedeckt. Auf dem Belag wird das Feuer entfacht. Durch die Spalten in der Plattform kommt genügend Luft an das Feuer.

Aus einer Munitionskiste oder einer entsprechenden anderen Blechkiste baust du dir einen Backofen. Grabe dazu in eine steile Böschung eine Höhle, in der du die Kiste mit der Öffnung nach vorne auf einen U-förmigen Steinwall setzt, in welchem das Feuer entzündet wird. Die Zwischenräume rund um die Kiste musst du gut mit Erde oder Lehm abdichten. Der Zwischenraum hinter der Kiste bleibt offen und wird nach oben zu einem Schornstein verlängert.

Aber Vorsicht! Wenn du eine Kiste mit Klappe hast, schließe sie unter keinen Umständen luftdicht ab! Der sich aufbauende Druck läßt dir den Backofen um die Ohren fliegen. Nach vorne abgeklappt, hast du eine prima Platte zum warmhalten von Speisen.

Auch ohne Metallgefäß kannst du Wasser kochen: Grabe eine etwa kopfgroße Grube in die Erde und lege sie mit einer Plastiktüte oder halbwegs wasserdichten Stoff aus. (Eine dicke Papiertüte tut es auch). Die Einlage muss möglichst dicht an den Grubenwänden anliegen. Auf den flachen Grubenboden legst du eine Schicht Steine oder eine Rost aus frischen entrindeten Ästen, die mit Steinen beschwert werden. Fülle die Grube mit Wasser und erhitze mehrere Steine. Lege die erhitzten Steine einzeln nach und nach in die Kochgrube; denn wenn du alle Steine auf einmal in die Grube legst, hast du eine wunderschöne Dampfexplosion und kannst den heißersehnten Kaffeegenuss abschreiben.

Feuer mit Wasser und Öl. Brennendes Öl mit Wasser gelöscht führt zur Explosion! Eine auf Steinen gelagerte Blechplatte wird mit einem kleinen Feuer darunter stark erhitzt. Aus 2 höher angebrachten Dosen lässt man über ein Rohr Wasser und Öl im Verhältnis 3:1 auf die Blechplatte tropfen. Das Mischungsverhältnis wird durch entsprechend große Löcher im Boden der Dosen gesteuert. Tipp: Löcher im Dosenboden mit Korken verschließen. Korken mit Einkerbungen entsprechender Größe versehen. (Ausprobieren)


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