Wasser ist wichtiger als Nahrung!
Die Festlegung von Prioritäten deiner Grundbedürfnisse (Nahrung, Wasser, Feuer und Unterkunft) ist einer der ersten Schritte für dein Überleben. Deren Wichtigkeit hängt davon ab, wo und in welcher Situation du bist, aber Wasser hat die höchste Priorität!
Wenn du berücksichtigst, daß dein Körper bereits im Liegen in 24 Stunden 2,5 Liter Wasser ausscheidet, kannst du dir vorstellen, wie stark die Trinkwasserzufuhr bei starken körperlichen Leistungen und / oder bei hohen Temperaturen ansteigen muss. Betrachte es nicht als Erbsenzählerei, wenn ich dem Thema „Wasser" einen so großen Rahmen biete.
Die nachfolgende Tabelle zeigt dir in kurzer Form die Notwendigkeit einer ausreichenden Trinkwasserversorgung.
Fehlende Wassermenge |
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In Litern |
In % des Körpergewichtes |
Symptome und Auswirkungen |
Zeitraum ohne Wasse rin gemäßigten Zonen |
0.75-1 |
1-1,5 |
Durst |
Erster Tag |
1,5-3 |
2-4 |
- starker Durst - erhöhter Puls - Körpertemperatur steigt an - Apathie - Abnahme der Leistungs- und Reaktionsfähigkeit |
Zweiter Tag |
4-5 |
5-7 |
- starke Apathie - Delirium - Phantasieren - Keine Speichelbildung mehr - trockner Mund - Schluckbeschwerden |
Dritter Tag |
8-11 |
11-15 |
- Bewegungsunfähigkeit - Schlucken nicht mehr möglich |
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12-15 |
16-25 |
- Tod durch Kreislaufkollaps Harnvergiftung Kopfüberhitzung |
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Der Trinkwasserbedarf ist abhängig vom Flüssigkeitsverlust durch das Ausscheiden von Urin und das Ausscheiden von Schweiß. Der Wasserverlust durch Urin bleibt der Menge nach stets im gleichen Verhältnis wie die Flüssigkeitszufuhr. Dagegen ist der Wasserverlust durch Schweiß in Abhängigkeit von Wärmeerzeugung durch Arbeit, Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Bekleidung und körperlichen Allgemeinzustand unterschiedlich groß.
So wurden z.B. bei extremer Hitze durchschnittliche Schweißabsonderungen von 10-12 Litern innerhalb von 24 Stunden festgestellt. Das bedeutet, daß in Gegenden mit großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit der Wasserbedarf eines Menschen bis zu sechs mal größer ist als unter normalen Bedingungen. Durch die reichliche Schweißabsonderung und den eintretenden Durst wird sehr oft die Aufnahmefähigkeit des Magen-Darmtraktes überfordert. Das kann zur Magenüberfüllung, zu Magenkrämpfen und zu Erbrechen führen, wenn Schweißabsonderung und Flüssigkeitsaufnahme bei 3 Litern pro Stunde liegen.
Eine goldene Regel: Niemals Kotzen; denn das, was du im Magen hast, hast du sicher!
Bei starken Schweißabsonderungen verlierst du wichtige Spurenelement und Salze, deren Verlust du durch etwa 40 Gramm Salz pro Tag ausgleichen kannst.
Der Durst ist ein ungenauer Maßstab für den Wasserverlust, er hört auf, wenn ungefähr 50% des fehlenden Wassers ersetzt wird. Das bedeutet, dass du, falls du genügend Wasser zu deiner Verfügung hast, über den Durst hinaus trinken musst.
Man hat festgestellt, dass ein Mensch, der sich bei einer Tagestemperatur von 15-20 Grad nur nachts bewegt, ohne Wasser bis zu 8 Tage überleben kann, wogegen er bei einer Tagestemperatur zwischen 36 und 46 Grad unter sonst gleichen Bedingungen nur zwei Tage überlebt.
Darum warte niemals, bis dein Wasservorrat zu Ende geht, sondern nutze jede Gelegenheit, deinen Vorrat aufzufüllen! Rationiere dein Wasser, aber bedenke, daß nahezu jedes noch so verschmutzte Wasser destilliert und sterilisiert werden muss.
Wie aber den Wasserverlust reduzieren?
Wasser finden.
Wasserstellen ohne Vegetation oder mit Resten von Tieren und Knochen sind in der Regel verseucht und daher strikt zu vermeiden!
Wasser aus stehenden Gewässern immer abkochen!
In der Wüste werden Seen ohne Abfluss immer versalzen, ihr Wasser kann aber destilliert werden.
Wasser sammelt sich immer an den tiefsten Stellen im Boden. Ist kein Fluss, Bach oder Teich in der Nähe, halte Ausschau nach Stellen mit intensiverem Grün als die Umgebung (aber ohne Sonnenbrille) und grabe dort. Oder an den tiefsten Stellen von Schluchten und ausgetrockneten Flussbetten. Grabe an der Küste mindesten 100 m von der Hochwasserlinie entfernt hinter den Dünen oder suche nach üppigen Pflanzenwuchs in Felsspalten: oft findest du dort eine Quelle. Weitere Anzeichen sind Ansammlungen wassersuchender Pflanzen wie Schilfarten, Wiesenschaumkraut und Sumpfdotterblumen, feuchte Flecke an der Oberfläche lehmiger Hänge und aus Steilhänger hervortretende Felsplatten.
Tiere beobachten hilft oft, aber nicht immer:
Säugetiere brauchen regelmäßig Wasser. Grasende Tiere halten sich normalerweise nicht weit von ihren Wasserstellen auf, da sie bei Sonnenaufgang und am Abend trinken. Folge den Wildwechseln talwärts. Fleischfresser geben keine guten Hinweise, oft decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf aus ihrer Beute. Wildschweine halten sich nie weit entfernt vom Wasser auf, suche ihre Suhlen; deren Flüssigkeit muss immer destilliert werden, da sie voll Urin und Kot ist.
Körnerfressende Vögel wie Tauben und Finken halten sich nie weit vom Wasser auf, da sie bei Sonnenaufgang und am Abend trinken.
Wenn sie schnell und tief fliegen, sind sie auf dem Weg zum Wasser. Fliegen sie langsam und von Baum zu Baum und rasten ab und zu, sind sie auf dem Rückweg.
Wasservögel und Raubvögel trinken nicht regelmäßig.
Bei den Insekten geben die Bienen gute Hinweise auf Wasser; sie fliegen bis zu 6 Km zum Wasser.
Ameisen , die in Marschordnung einen Baum hinauflaufen, gehen zu einer (allerdings kleinen) Wasseransammlung.
Die meisten Fliegen halten sich in einem Umkreis von bis zu 100 m vom Wasser auf.
Reptilien beziehen ihr Wasser nur durch den Tau oder von ihrer Beute.
Wassergewinnung und -aufbereitung
Tau wird vor der Morgendämmerung durch Schwenken eines Tuches oder eines T-Shirts auf den betauten Gräsern gesammelt, oder man bindet sich saugfähiges Material (Handtuch) um die Unterschenkel und sammelt auf dem Marsch. Die Tücher werden dann ausgesaugt oder ausgewrungen.
Außerdem kann man jedes glatte Metallteil, z.B. Flugzeugteile, Konserverdosendeckel, ein glattes Spatenblatt oder Glasscheiben benutzen, indem man diese Teile schräg mit einer Ecke in einen Behälter zeigend aufstellt. Über Nacht sammelt sich der Tau und tropft in den Sammelbehälter. Aber: Tau enthält keine Mineralien! Dem hilft man ab, indem man Sand, Lehm oder Holzspäne ins Wasser wirft und umrührt. Denke daran, mineralfreies Wasser entzieht dem Körper Mineralien und scheidet sie über den Urin aus.
Regen kann leicht aufgefangen werden, alle Gefäße sind dazu geeignet, um bei wenig Regen noch Erfolg zu haben. Vergrößere die Sammelfläche mit Tüchern und dicken Ästen, aber so, daß der Regen nur in das Gefäß rinnt. In lehmigen Boden wird ein 50 cm tiefes Loch mit mehreren Zulaufrinnen ausgehoben. Nach dem Regen lässt man die Brühe sich setzen oder filtert sie. Das so gesammelte Regenwasser enthält Spuren von Mineralien, während reines Regenwasser keine enthält. Auch ein zusammengerolltes Stoffstück, um einen nicht zu dicken Baum gewickelt, filtert die Schmutzteile aus dem Regen heraus.
Filtern von Wasser bedeutet nur, dass unerwünschte Schwebestoffe aus dem Wasser entfernt werden, Chemische Verunreinigungen und Salze werden nicht entfernt.
Das einfachste Filter ist die Sickergrube, die im Abstand von ca. 2 m neben einem Fluss oder Teich gegraben wird. Sobald du unterhalb der Wasserlinie bist, wird das Wasser in die Grube eindringen. Schöpfe solange vorsichtig das Wasser aus bis es klarer wird und entscheide dann, ob du es sofort trinken oder noch weiterbehandeln willst.
Ein Stoff-Filter ist ebenso einfach wie effektiv. Gieße das verschmutzte Wasser langsam und in kleinen Portionen durch eine aufgespanntes dichtgewebtes Stoffstück und koche das Wasser anschließend ab.
Bleibst du voraussichtlich länger am gleichen Ort, baue einen Komfort-Filter. Dazu brauchst du ein schmales, hohes Gefäß, ein Rohr, ein Hosenbein, eine Plastiktüte oder einen Strumpf. Den Filter füllst du von unten nach oben mit verschiedenen Filtermaterialien, die durch ein Stück Papier oder Stoff von einander getrennt sind. Sand, Watte und Stoff filtern die Schwebeteilchen aus dem Wasser. Pulverisierte Holzkohle vom Lagerfeuer tötet Bakterien ab. In den Boden des Filtergefäßes wird ein winziges Loch gebohrt: das zu filternde Wasser soll mindesten 20 Minuten im Filter bleiben und tropft in ein Auffanggefäß.
Ein durchsichtiger großer Plastiksack, morgens über laubreiche, nach Süden wachsende Äste gezogen, erzeugt mittels Kondensation Wasser. Wichtig dabei ist, dass die Blätter unten und an den Seiten die Folie nicht berühren und das Kondensat wieder aufnehmen. Eine Ecke des Plastiksackes hängt nach unten und sammelt das Kondensat.
Die Plastiksack – Kondensation funktioniert auch ohne Baum: Der Sack wird flach auf den Boden gelegt. Auf eine Lage aus Steinen oder Ästen, unter der eine etwa tassengroße Mulde als Sammler gegraben ist, wird irgendein Feuchtigkeit enthaltendes Material gelegt und nach oben mit einem Stock abgestützt. Danach wird der Sack prall aufgeblasen, zugebunden und in die Sonne gelegt.
Dieses System funktioniert übrigens mit allen Feuchtigkeiten, also auch mit Meerwasser, Schmutzwasser und Urin, wenn die Feuchtigkeit mit Textilien gebunden wird. Man legt die feuchten Textilien über einen Rost aus frischen Ästen oder Steinen.
Die Hohe Schule der Kondensation ist die Solarkondensation an heißen Tagen gefolgt von kalten Nächten. Man gräbt ein tiefes Loch und deckt es mit einer Plastikfolie ab, die am Rand des Loches luftdicht mit dem Aushub verschlossen wird. In die Mitte der Folie legt man einen Stein, der durch sein Gewicht der Folie eine Kegelform gibt. Genau unter diesen tiefsten Punkt wird ein Auffanggefäß für das Kondensat gestellt. Durch einen dünnen Schlauch, der während der Kondensation zugebunden sein muss, kann man das Kondensat absaugen. Ein Tipp: Feuchtes Material in der Grube erhöht den Wirkungsgrad! In 24 Stunden werden so bis zu 1½ Liter Kondensat erzeugt, du hast jetzt Zeit für andere Sachen.
Wenn du einen Topf und etwas Alu-Folie hast, kannst du anstelle der Sonne auch das Feuer für dich arbeiten lassen; das Konstruktionsprinzip ist das gleiche, nur dass die Alu-Folie an die Stelle der Plastik tritt. Oder, wie beim Kochen ohne Topf beschrieben, nimm statt der Alu-Folie ein nasses Handtuch.
Destillation ist eine bequeme Art, aus jeder Art von Schmutzwasser Bauchwasser zu erzeugen. In den Deckel einer mit Schmutzwasser gefüllten Metallflasche wird ein etwa 5 m langer Schlauch eingepasst, der in die Erde oder durch den Schatten zu einem Auffanggefäß geführt wird. Das Schmutzwasser wird auf kleiner Flamme erhitzt. Der Wasserdampf kühlt im Schlauch ab und verflüssigt sich. Auf diese Weise lässt sich auch Urin in Brauchwasser verwandeln. Leider schmeckt Urin immer noch nach Urin, da das Ammoniak ebenfalls verdampft wird, aber das Kondensat ist von gesundheitsschädigenden Salzen befreit.
Chemische Reinigung .
CERTISIL ist ein Wasserreinigungsmittel zum Entkeimen von Trinkwasser in flüssiger Form. Es tötet durch seinen Chlorgehalt auch Amöben ab. Für etwa zwei Stunden behält das Wasser einen starken Chlorgeschmack.
MICROPUR entkeimt Wasser innerhalb von zwei Stunden. Es tötet viele Bakterien ab , aber keine Amöben, Es verwandelt auch kein Seewasser in Trinkwasser oder entfernt chemische Verunreinigungen. Es ist leicht zu dosieren und hält Wasser ein halbes Jahr lang trinkbar.
Vorsicht: Genau dosieren! In hoher Konzentration ist MICOPUR Gift!
Chlor. Die im Handel angebotenen Mittel sind von der Konzentration her ungefährlich. Der Vorteil ist die schon nach 30 Minuten eintretende Wirkung, der Nachteil der Geschmack und die kurze Wirkungsdauer.
Jod ist gesundheitsschädlich, aber im Notfall besser als verseuchtes Wasser, wirkt wie Chlor schon nach 30 Minuten. Drei Tropfen auf 1 Liter Wasser.
Die Umwandlungvon Eis und Schnee in Trinkwasser bedarf ein paar Tricks. Eis liefert 2 x soviel Wasser wie Schnee bei halben Energiebedarf. Um Schnee zu erhitzen, schmelze immer nur kleine Portionen vollständig auf, bevor du neuen Schnee nachlegst. Wenn du den ganzen Topf mit Schnee füllst, wird sich über dem Topfboden eine Dampfblase bilden, in schlimmsten Fall wird dein (Alu-)Topf schmelzen! Schnee an der Oberfläche enthält weniger Wasser als am Boden! Zur Energieeinsparung lässt sich mit Hilfe der Sonne auf einer dunklen Zeltplane, einem Signaltuch oder einer Plastikplane Schnee schmelzen.
Meerwasser-Eis ist salzig - zum Trinken ungeeignet - aber es altert und verliert Salz. Altes Eis hat eine bläuliche Färbung und runde verwitterte Kannten. Je blauer das Eis ist, um so älter ist es und um so besser zum Trinken.
Sauge Regenwasser aus flachen Pfützen aus, spüle damit deinen Mund und spucke die Mischung in deine Feldflasche. Nach 24 Stunden ist die Mischung ohne Probleme trinkbar.
Gefiltertes Wasser muss immer abgekocht werden. Es reichen 10 Minuten sprudelndes Kochen aus. Dabei werden nahezu alle Viren und Bakterien abgetötet.
Lutsche niemals und unter keinen Umständen Eis oder Schnee! Um Eis oder Schnee zu schmelzen, benötigst du die gleiche Menge Energie, wie um es zu Kochen zu bringen! Das Trinken von Meerwasser führt rasch zum Tode, dem Delirium und Koma vorausgehen. Auch nur in geringen Mengen getrunken, führt Meerwasser Durchfall herbei, der die Entwässerung des Körpers nur noch beschleunigt.
Trinkbare pflanzliche Flüssigkeiten
Im Frühjahr liefern die Schnittstellen abgeschnittener Birken- oder Weidenzweige tagelang Flüssigkeit. Haben Birken noch nicht ausgeschlagen, während andere Bäume schon Blätter zeigen, bohrt man mit dem Messer ein tiefes Loch in den Stamm und erhält nach kurzer Zeit leicht süßen Saft. Das funktioniert übrigens nur in dieser Zeit!
Besonders in den frühen Morgenstunden pumpen die Bäume über ihre Wurzeln Wasser aus dem Boden.
Da manche Wurzeln sehr tief, teilweise bis zu 10 m oder mehr in den Boden führen, ist das Graben nach Wasser nicht sehr erfolgreich. Schneide meterlange Stücke dicht am Baum ab und stelle sie senkrecht in ein Gefäß, bis sie kein Wasser mehr abgeben. Bäume im Tal liefern mehr Wasser als die an den Hängen.
Kletterpflanzen , besonders Efeu,sind ebenfalls ein guter Wasserspender. Sie werden so hoch wie du reichen kannst und nahe am Boden durchgeschnitten. Wenn keine Flüssigkeit mehr austritt, schneide ein weiteres Stück ab usw, bis die Kletterpflanze trocken ist.
Vorsicht bei Lianen in den Tropen! Eine gründliche Einweisung durch Fachleute aus der lokalen Umgebung ist erforderlich.