Um es gleich zu Beginn klar zu stellen und den nicht auszurottenden Romantikern einen Dämpfer zu verpassen:
Jagen bedeutet Töten.
Ich selbst hatte (die Gnade der frühen Geburt) während meiner Kinder- und Jugendzeit regelmäßig Gelegenheit, das Töten von Haustieren mit zu erleben und auch zu praktizieren. Neben dem Mitleid mit dem Schwein, dass man selbst gepflegt hatte, stand ganz klar der Zweck des Tötens: Nahrung! In der Zeit der letzten Monate des Weltkrieges und der Jahre danach stand allein das Überleben im Mittelpunkt. Ich habe Stadtmenschen erlebt, die wie selbstverständlich geschlachtet haben, während sie vorher allein beim Gedanken an das Töten von Tieren schon Ekel empfunden hatten.
Für dich bedeutet das in einer Survivalsituation, dass du deine eifersüchtig gepflegten Hemmungen über Bord werfen musst, um am Leben zu bleiben. Und du wirst es lernen, verlasst dich darauf!
Deine beste Jagdwaffe ist Geduld! Geduld musst du lernen, auch und gerade als sog. moderner Mensch. Es fällt jedem zivilisationsgeschädigten Menschen schwer, sich auch nur 15 Minuten völlig bewegungslos zu halten und nur die Augen zum Beobachten zu bewegen. Probiere es einmal aus: Dir werden Minuten wie Stunden vorkommen! Aber ohne Geduld und die Fähigkeit zum bewegungslosen Verharren wirst du nie deinen Braten auf den Grill bekommen!
Sorgfältiges Beobachten des Verhaltens der Beute in ihrer natürlichen Umgebung sind der Schlüssel zum erfolgreichen Jagen. Denke immer daran, dass Tiere besser ausgeprägte Sinne als der Mensch haben! Sie können einfach besser sehen, riechen und hören. Finde dich damit ab und ziehe durch entsprechendes Verhalten Nutzen daraus. Alles Ungewöhnliche, d.h., jedes in ihrer natürlichen Umgebung nicht vorkommende Ereignis löst bei den Tieren Alarm aus, gefolgt von in der Regel sofortiger Flucht. Sprechen, auch sehr leise, Flüstern, schnelle Bewegungen, auffällig gefärbte Kleidung, das Geräusch deiner Schritte oder das Knacken trockner Zweige, alles löst dieses instinktive Verhalten aus.
Bewege dich langsam und ruhig vorwärts. Halte regelmäßig an und beobachte deine Beute. Um Stolpern und Geräusche zu vermeiden, lege bei jedem Schritt das Gewicht auf das Standbein und taste mit den Zehen des anderen Beines nach Steinen und trocknen Ästen, bevor du das Gewicht verlagerst. Wenn du mehr zum Thema „Bewegungen“ wissen willst, schau in unser Handbuch „Tracking“.
Jage immer gegen den Wind.
Wenn die Beute in deine Richtung schaut, verharre bewegungslos. Sie ist meistens nur etwas irritiert aber nicht erschrocken. Bleibe solange stehen, bis die Beute in eine andere Richtung schaut oder weiter äst.
Beginne deine Jagd im frühen Morgengrauen, bewege dich in hügeligen Gelände bergauf, und komm am Nachmittag zurück. Spuren sind bei der Bewegung bergauf einfacher zu lesen.
Die an heißen Tagen entstehende Thermik trägt Gerüche bergauf, daher wird die Beute deinen Geruch eher in die Nase bekommen, als du den ihren. Jage also an heißen Tagen bergab.
Wenn du am Abend jagen willst, musst du mindestens eine Stunde vor Beginn der Dunkelheit im Jagdgebiet sein, um die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. Du kannst aber sicher sein, dass deine Beute auf jeden Fall besser sehen kann als du!
Nähere dich der Beute so nah wie möglich und ziele auf einen Punkt direkt hinter dem vorderen Schulterblatt. Ein Treffer mit einer starken Waffe wirft die meisten Tiere. Wenn das Tier fällt, warte 5 Minuten bewegungslos und beobachte die Beute. Bei einem tödlichen Treffer wird sie durch den Blutverlust geschwächt und kann nicht entkommen. Wenn du deineBeute getroffen, aber nicht tödlich verwundet hast, laufe nicht sofort hinterher; sie wird in ihrer Todesangst unnötig weit laufen. Fühlt sie sich nicht verfolgt, legt sie sich bald nieder.
Lass dich nur mit großen Tieren ein, wenn du absolut sicher bist, daß der erste Schuß tödlich ist, sonst kann es passieren, dass du der Gejagte und nicht der Jäger bist!
Übertünche deinen Eigengeruch (Keine Bange: nach einer Woche bei Mutter Grün stinkst du sowieso), indem du dich mit der Losung oder der Galle der Tiere oder stark riechenden Pflanzensaft, aber nicht den Saft frisch geschnittener Zweige und Äste einreibst. Stark riechender Rauch des Lagerfeuers wirkt ebenfalls, nachdem du mehrere Male mit geöffneter Oberbekleidung durch den Rauch gegangen bist oder die Bekleidung in den Rauch hängst. Der Geruch von kalten Rauch ist deiner Beute vertraut, während heißer Rauch zu sofortiger Flucht führt.
Aber egal, was du auch machst: Für einen Suchhund riechst du immer noch wie ein stinkender Mensch!
Wie findet man Wild
Tarnung ist wichtig, darf dich aber nicht im Gebrauch der Jagdwaffen behindern. Das Fell eines erlegten Tieres, am besten über den ganzen Körper getragen, lenkt die Beute als etwas Vertrautes ab.
Achte auf andere Tiere , aus deren Verhalten die Beute auf Gefahren schließen könnte. Wenn z.B. ein Eichelhäher seinen Warnruf ausstößt, ist alle deine Mühe umsonst. Wenn Tauben abrupt ihren Kurs ändern, kannst du sicher sein, dass an ihrem Wendepunkt etwas Auffälliges am Boden umherstreunt. Schafe laufen immer von dir weg während Kühe auf dich zukommen (daher der Name RINDVIEH)
Lerne das Verhalten von Tieren bei Gefahren kennen.
Äsungsgewohnheiten. Mache dich mit ihnen vertraut! Äsen die Tiere bei Tag, Nacht oder Dämmerung? Gehen sie einzeln oder in Gruppen zum Äsen? Wie lange dauert es, bis das Tier das Äsen unterbricht und nach Gefahren ausschaut? Stellen Gruppen von Tieren Wachposten aus, und wenn ja, welche Warnsignale geben diese?
Spuren und Zeichen. Die meisten Tiere benutzen regelmäßige Wechsel zur Wasser- und Futterstelle. Am frühen Morgen aus Bodenhöhe gegen die Sonne betrachtete betaute Spinnennetze oder betaute Flächen zeigen die Wechsel an. Ein weiteres Zeichen sind Fußspuren in weichen oder schlammigen Boden. Du musst die Fußspuren der wichtigsten Jagdtiere kennen! Die Höhe welker Blätter oder angebrochener Zweige über einem Wechsel gibt Anhaltspunkte für die Größe des Tieres. Abgeschabte Rinde oder Borke, Nussschalen, Haare und Federn sind ebenfalls gute Anhaltspunkte. Schmale aufgewühlte Streifen deuten auf Eichhörnchenvorrat hin. Wildschweine lieben es, sich zu suhlen, lauere ihnen an den Suhlen auf. Furchen mit aufgewühlter Erde oder Blättern zeigen dir an, das ein Tier nach Insekten gesucht hat.
Losung. Größe und Form der Losung identifizieren die Art des Tieres. Alte Losung ist hart und geruchlos (aber als Brennmaterial verwendbar), frische Losung ist feucht , riecht mehr oder weniger streng, was besonders von Fliegen geschätzt wird! (Friß Schiet! Milliarden Fliegen können sich nicht irren!) Ansammlungen von Kot unter Bäumen weisen auf Jungvögel hin. Der Kot von körnerfressenden Vögeln ist klein und feucht und gibt daher ein Hinweis auf Wasser in der Nähe. Reste der Nahrung im Kot fleischfressender Tiere geben einen Hinweise für Köder.
Geräusche und Geruch. Präge dir die typischen Geräusche und Laute deiner Beutetiere ein, besonders die Warnlaute. Besonders Füchse verströmen einen strengen Geruch; wenn du ihn riechst, bist du nahe beim Bau. Im Winter kondensiert Atemluft über dem Schnee, so kannst du größere Tiere relativ leicht aufspüren.
Höhlen und Gruben. Höhlen haben meist mehrere Ausgänge. Gruben liegen in der Regel in Windrichtung. Versteckte Höhlen werden oft durch Ansammlungen von Kot markiert.
Wesentlich vielversprechender als das Durchstreifen des Geländes auf der Suche nach Wild ist das Ansitzenan ihren Wechseln und an den Wasserstellen, oder auf einem Baum, da über dem Wind, als zu ebener Erde.
Anlocken der Beute mit den Lauten während der Brunftzeit ist eine hohe Kunst; denn wer spricht schon fließend „Rehisch“, „Schweinisch“ oder „Entisch“? Man kann in Jagdgeschäften entsprechende Geräte kaufen, Nachahmen ist sehr schwer, es bedarf langer Übung.
Ein Tipp: Lerne den Schrei einer Eule nachzuahmen, je genauer, je besser. Stößt du ihn aus, werden kleine Vögel sich aufgefordert fühlen, die „Eule“ aus ihrem Revier zu verjagen. Mit Wurfstein, Wurfkreuz oder Bola holst du dir dann dein Mittagessen.