Welchen Typ von Behelfsunterkunft du baust, hängt ausser von den bereits genannten Bedingungen von deiner Erfahrung ab. Da es weltweit buchstäblich Hunderte von Typen gibt, werde ich nur einige kurz beschreiben.
Da du ja irgendwann einmal die Grundi gemacht hast, ist es dir von Nutzen, sich an den Zeltbau bis hin zum 6-Mannzelt und die kleinen Tricks zu erinnern, die das Leben im Zelt etwas angenehmer und sicherer machen, zu erinnern. Wenn dich dein Gehirn im Stich lässt, sieh noch mal in die ZdV 3/11, Kapitel 9 „Leben im Felde“.
Als transportable Behelfsunterkunft hast du ja den Poncho dabei. Wirf ihn nicht weg, er taugt auch zum Boots-Bau. Mit dem Poncho oder mit anderen vergleichbaren Materialien (Fallschirme findest du hinter jedem Baum!!) kannst du eine ganze Reihe verschiedener Typen von Behelfsunterkünften bauen.
Auf die Schnelle, oder wenn kein Material verfügbar ist, was dich besonders im offenen Gelände ärgern wird, setze dich mit dem Rücken zu Wind und deponiere das Gepäck in Windrichtung. Verstärken kannst du die Wirkung mit allem, was in der Nähe findest: Gras, Grassoden, Steine, alles hilft .
Unter abgeknickten dicht belaubten Bäumen, am besten unter Nadelbäumen, schneidest du einen Freiraum aus und verwendest das Schnittgut als Unterlage.
Die Bodenplatte entwurzelter Bäume ist ideal. Sie kann ohne grossen Aufwand zu einem komfortablen Behelfsunterkunft ausgebaut werden.
Natürliche Höhlen sind ebenfalls nicht zu verachten, aber stelle sicher, dass du weder innen noch aussen von fallenden Steinen getroffen oder lebendig eingemauert wirst.
Hinter umgefallenen Bäumen kannst du einen tiefen Graben ausheben und nach oben mit einem Dach abdichten.
Das Gleiche kannst du mit einem Ring aus Steinen machen. Allerdings musst du die Zwischenräume der Steine mit Erde, Moos oder Gras abdichten.
Es ist immer wichtig, für genügend Ventilation und Drainage zu sorgen. Ausreichende Ventilation verhindert in dicht verschlossenen Räumen den Erstickungstod durch Kohlenmonoxyd. Jeder Soldat, der einmal mehrere Tage bis zum Hintern im Wasser gesessen hat, wird eine trockne Behelfsunterkunft zu schätzen wissen.
Ein Behelfsunterkunft in der Art des Tipis der nordamerikanischen Indianer kann am schnellsten gebaut werden Je grösser der Winkel der Tragestangen, um so mehr Platz ist im Inneren, aber um so schlechter ist der Schutz gegen Durchregnen. Ideal zum Abdichten des Tipis ist ein Fallschirm, aber wer schleppt denn schon so ein nützliches Gerät tagelang mit sich auf dem Marsch herum?
Dicht geflochtene Rahmen aus starken Ästen und biegsamen Materialien sind zwar etwas zeitaufwendig zu erstellen, schützen aber vor Wind und Regen. Wenn möglich, baue zwei Lagen im Abstand von mindesten 20 cm übereinander, es verbessert die Isolation. Auch hier gibt es viele Varianten für den Bau von Behelfsunterkünften.
Da wir hier in Mitteleuropa sind, können wir uns den Bau von Unterkünften für tropische Länder ersparen. Einen Typ kann man auch hier in sumpfigen oder feuchten Gelände bauen, die Basha. Das ist eine so hoch wie möglich über dem Boden errichtete Plattform oder Hängematte mit einem Dach. Die Höhe schützt dich vor Bodenfeuchtigkeit, Hochwasser und lästigen Tieren, die es auf deine Nahrung abgesehen haben.
Allerdings möchte ich zu Vorsicht raten, wenn du z.B. während einer Reise der Verlockung nicht widerstehen kannst, Bambus zu schneiden. Viel Bambusstämme stehen unter natürlicher Spannung und zerlegen beim Schneiden oder Schlagen in kleine messerscharfe Splitter, die zu schweren Verwundungen führen können! Die Hülsen am Fuss des Bambus enthalten winzig kleine stechend Häkchen, die zu schweren Hautirritationen führen.
Wichtiger als der Bau von Behelfsunterkünften in den Tropen ist der Bau von Behelfsunterkünften im Schnee. Nicht umsonst werden unsere Gebirgsjäger darin ausgebildet.
Die einfachste Art, einen Behelfsunterkunft zu bauen, ist das Eingraben unter den Ästen verschneiter Nadelbäume.
Aber auch in hohen Schneewehen kannst du eine Höhle mit drei Ebenen bauen. Auf der höchsten Ebene zündest du das Feuer an, auf der mittleren schläfst du und auf der tiefsten Ebene sammelt sich die Kaltluft.
Zum Bau eines Iglus schneidest du mit einer Säge, dem Messer, dem Klappspaten oder dem Buschmesser 40 x 50 x 20 cm grosse Blöcke aus Packschnee oder verdichteten Schnee aus. Das ist ausreichend für eine gute Isolation und lässt tagsüber genug Sonnenstrahlen durch, um Deine Villa etwas aufzuheizen.
Für eine kurzzeitig benutze Höhle kannst du eine Fläche von Schlafsackgrösse festtreten, den festgetretenen Schnee in Platten ausstechen und über der Grube in Dachform aneinander lehnen.
Vermeide jegliches Schwitzen, lass dir Zeit für den Bau und raste regelmässig.
Je kleiner das Volumen der Behelfsunterkunft ist, desto wärmer ist sie; aber die Innentemperatur wird niemals über den Gefrierpunkt steigen.
Sorge immer für ausreichend Brennstoffund Belüftung.
Klopfe Schneereste von der Kleidung ab, bevor du in den Behelfsunterkunft kriechst.
Markiere den Eingang so deutlich, dass er von aussen gefunden werden kann.
Habe im Inneren immer eine Schaufel o. dergl. zur Verfügung, damit du Dich im Notfall ausgraben kannst.
Bedecke Tropfstellen sofort mit Schnee und streiche sie glatt.
Egal wie niedrig die Aussentemperatur auch ist, in einer Schnee-Behelfsunterkunft aus lockeren luftangereicherten Schnee wird die Temperatur nie unter 0° Celsius absinken und immer höher als die Aussentemperatur sein. Bei einem persönlichen Test unter dicht eingeschneiten Nadelbäumen konnte ich bei einer Aussentemperatur von -5° mit einer Kerze eine Innentemperatur von +6° während der ganzen Nacht halten.