Die Entscheidung, das Lager oder das Versteck zu verlassen, hängt von vielen Faktoren ab.
Nur wenn kurzfristig örtliche Gefahren oder der Mangel an Wasser oder Nahrung es unumgänglich machen, das Lager aufzugeben, sollte man sich zum Marsch entschließen, sonst ist es besser, auf Hilfe zu warten. Sind Verwundete oder Kranke zu betreuen und nur wenig Nahrungsmittel verfügbar, ist es besser, ein kleines Team auszuschicken, welches Hilfe holt. Der Rest der Truppe verbleibt im Lager.
Kommt keine Rettung, die Ressourcen werden knapp oder die Gefahr von Seuchen oder weiteren Krankheiten droht, ist es wirklich Zeit, das Lager zu verlassen. Entferne alle Anzeichen deiner Anwesenheit, aber hinterlasse genug Informationen für die Retter.
Das Ziel des Marsches hängt außer vom Gesundheitszustand und der Ausdauer der Gruppe vom Gelände und seiner Kenntnis ab. Aber denke daran: der direkte Weg ist nicht immer der leichteste!
Kennst du deinen Standort genau, versuche auf jeden Fall, die nächste Siedlung zu erreichen. Wenn nicht, folge den Bächen und Flüssen stromabwärts, das führt dich mit Sicherheit in bewohnte Gegenden.
Zur Vorbereitung des Marsches musst du deine Vorräte an Wasser und Nahrung auffüllen und Transportbehälter und -geräte, wie Hudson-Bay-Pack, Schlitten, Travois oder Tragegestelle, bauen. Nimm alles mit, was du hast, besonders Geräte zur Signalgebung; dann hast du mehr Zeit zu Sammeln von Brennstoff und Nahrung. Und vergiss nicht die Wettervorhersage: Frag den Hühneraugen-Mann!
Die Routenplanung ist oft schwierig, besonders wenn du keine Karte hast. Eingeschränkte Sichtverhälnisse lassen dich oft nur raten, was auf dich zukommt. Was wie ein kleiner Hang aussieht, kann sich zu einer Steilstufe entwickeln usw. Manchmal hilft es, einen Baum zu erklettern. Aber Vorsicht: Prüfe jeden Ast sorgfältig, ob er auch dein Gewicht aushält!
Wichtig ist ein gründliches Kartenstudium vor dem Einsatz. Karten sind immer an den Außenkanten zu falten, Einträge auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, um bei Gefangennahme dem Gegner keine oder nur geringe Informationen zu Verfügung zu stellen.
Sofern nicht durch den Gruppen- oder Zugführer befohlen, sind grundsätzlich innerhalb der Teileinheit Rendezvouspunkte (RV) festzulegen und zu melden. Jeder RV bleibt 24 Stunden besetzt; danach wird der davor liegende RV aufgesucht usw. Ergänzt werden die RV durch kurzfristig festgelegte Sammelpunkte, die je nach Gelände und Lage bis zu max. 6 Stunden verfügbar sind. So kann zumindest versucht werden, durch gute Planung Versprengte wieder zusammenzuführen und die Vollzähligkeit der Gruppe sicherzustellen.
Das Einhalten der Marschrichtung wird oft schwierig sein. Suche einen markanten Punkt und marschiere geradewegs auf ihn zu. Vermeide nach Möglichkeit dichte Vegetation, umgehe sie. In einer Gruppe von zwei oder mehr Kameraden bleibt einer stehen und weist die anderen in einer Geraden ein. Erst wenn die Richtung stimmt, geht der letzte an die Spitze usw. Bist du alleine, musst du die Marschrichtung mit eigenen Markierungen festlegen.
Gruppen marschieren immer zusammenhängend; das macht den Vollzähligkeitscheck einfacher. Vor dem Marsch wird ein „Chinesisches Parlament“ einberufen, wobei Rendezvouspunkte und Sammelpunkte genau festgelegt werden. Zwei Kundschafter suchen die beste Route; sie müssen regelmäßig abgelöst werden, da sie die schwierigste Arbeit machen. In einer größeren Gruppe können mehrere Kundschafter eingesetzt werden, die den Weg markieren und das neue Lager vorbereiten. Geht langsam, aber zügig und dem Gelände angepasst, rastet jede Stunde mindestens 10 Minuten. Verteilt in dieser Zeit die Verantwortlichkeiten neu, damit sich keiner in der Gruppe überfordert sieht.
Nachtmärsche stellen zusätzliche hohe Anforderungen an alle. In einem Survivalfall sollten Nachtmärsche nur im Notfall durchgeführt werden. Wegen der eingeschränkten Sicht wird man schnell orientierungslos. Unter Bäumen ist es immer dunkler als in ihrer Umgebung, vermeide sie nach Möglichkeit. Wenn du ein Objekt in der Nacht beobachten musst, sieh nicht direkt auf das Objekt, schau lieber an dessen Kannten; sie sind besser zu sehen. Es dauert mindesten 30 - 45 Minuten, um die volle Nachtsichtfähigkeit zu erlangen. Hast du sie erreicht, schütze die Augen vor jeglichem Lichteinfall! Ist der Gebrauch eines Lichtes nicht zu vermeiden, decke ein Auge mit der Hand ab, um dessen Nachtsichtfähigkeit zu erhalten. Benutze bei Taschenlampen immer das Rotfilter oder falls vorhanden, das Blaufilter. Verlasse dich auf deine Ohren! Du wirst schnell feststellen, dass du schon nach wenigen Tagen besser hören kannst als in der Zivilisation.
Gebirgsmärsche sind eine Sache für sich. Ohne intensive Ausbildung und Training sollte man sie nicht unternehmen. Denk einmal darüber nach, warum jedes Jahr so viele Touristen und auch Bergsteiger weltweit ums Leben kommen. Die Vorbereitungen dazu sind nicht Gegenstand dieses Handbuches!
Auch Dschungelmärsche können mangels Dschungel in unseren Breiten nicht durchgeführt werden. Dschungeltraining bedeutet, dass du die meiste Zeit im Dreck bei hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze leben musst! Allerlei süße kleine und große Tiere erschweren dir die Freude am Dasein. In nur 12 Stunden musst du marschieren, das Lager aufbauen, Nahrung und Wasser beschaffen, essen und schlafen: danach wird’s wirklich zappenduster! Da u.U. auch noch Wache und Streife angesagt ist, kommst rein netto auf 4 Stunden Schlaf. Gute Nacht!
Fast alle Wasser fließen zum Meer und damit in bewohnte Regionen. Bau ein starkes Floß, das nicht bei jeder Welle auseinander bricht, oder ein Boot aus einem Baumstamm oder deinem Poncho oder einer Plastikplane. Teste das Wasserfahrzeug zuerst in ruhigen Gewässern auf Seetauglichkeit.
Wasserfälle und Stromschnellen kündigen sich durch ihre Geräusche und auf steigenden Wassernebel an, sie werden umgangen oder erkundet und befahren. Befahre Gewässer niemals bei Nacht!
Eiskaltes Wasser ist ein Killer! Schwimme oder wate unter keinen Umständen bei Temperaturen unter 10°, baue lieber ein Floß! Und falls du doch einmal hinüber musst, gehe nie tiefer als in Knöchelhöhe und trockne die Fußbekleidung so schnell wie möglich.
Prüfe vor den Überqueren von Flüssen die Wellen an der Oberfläche, ihre Form kann Auskunft über die am Boden liegenden Hindernisse geben. Benutze eine starke Stange zu Abstützen gegen die Strömung. Roll die Hosen hoch oder ziehe sie aus, aber behalte die Schuhe an. Löse die Befestigungen des Gepäcks, so dass du es beim Umfallen sofort ablegen kannst: Lieber am Leben ohne Gepäck, als tot mit! Habt ihr in der Gruppe Seile, benutzt diese.
Halte beim Überqueren von Flüssen ständig Ausschau nach Treibgut. Ein treibender Baum holt dich schneller von den Füßen als du denkst. Treibende Äste, vor allem, wenn sie noch viele Zweige haben, ziehen dich gnadenlos unter Wasser
Flüsse sind gefährlich! Geh darum nur dann ins Wasser, wenn du keine andere Möglichkeit hast und wähle den Übergang sorgfältig aus. Vermeide steile Ufer, an denen du nicht emporklettern kannst, oft sind sie unterspült und begraben dich. Halte dich von im Wasser liegenden Hindernissen fern. Die Stromgeschwindigkeit ist an der Außenseite von Biegungen größer als an der Innenseite. Benutze nach Möglichkeit nur flache Stellen zum Überqueren.
Falls du nicht schwimmen kannst, versuche es erst gar nicht, baue Schwimmhilfen. Leere Flaschen und Kanister, ein Holzbündel, mit Gras fest ausgestopfte Bekleidungsstücke oder Plastiktüten, im Prinzip alles was schwimmt. Schwimm nach Möglichkeit nicht in den Kleidern, sondern packe sie in einen mit Stroh oder Zweigen gefüllten Sack. Hast du dazu keine Möglichkeit, baue ein kleines Floß mit mindestens zwei Lagen, um die Bekleidung trocken zu halten.