Mach in deinem eigenen Interesse nicht den Fehler, Spurenlesen a´la Karl May in das Reich dichterischer Freiheit zu verweisen; denn all das, was der Gute im stillen Kämmerlein zu diesem Thema geschrieben hat, hat er schlicht und ergreifend abgekupfert!! Aber recht hatte er, der Charly, mit seinen Spuren!
Menschen hinterlassen Spuren, und ganz besonders Menschen unserer Zeit. Den Spurenleger, es sei denn, er ist ein Zivilist, kümmert es in der Regel nicht, was er hinterlässt. Anders der Soldat, dem man (hoffentlich) lange genug eingebläut hat, möglichst wenig Spuren zu hinterlassen. Aber da auch er diese Forderung oft übersieht, hast du gute Karten!
Nun ist es leider eine Tatsache, dass wir „modernen“ Menschen kein Auge für die Hinterlassenschaft unserer Mitmenschen in Form von Spuren haben, es sei denn, sie sind so gross wie die Zugspitze und stinken kilometerweit gegen den Wind. Für einem Survivalfall ist es geradezu überlebenswichtig, dass du zumindest grundlegende Kenntnisse erworben hast.
Als im Spurenlesen und - Auswerten geübter Soldat oder Zivilist kannst du oft wesentliche Aufschlüsse über den Gegner oder wirklich liebe Mitmenschen und ihr Verhalten gewinnen.
Richte dein Augenmerk auf:
· Fussabdrücke
· abgeknickte Zweige und Blätter,
· welke Blätter,
· Reste von Feuerstellen,
· herumliegendes Papier,
· zur Seite gescharrtes Laub,
· Steine, deren feuchte Unterseite nach oben zeigt,
· Essensreste,
· weggeworfene und leere Packungen, Dosen oder Zeitungen,
· Blutspuren,
· Grabespuren,
· Schlag- oder Schnittspuren
· Fahrspuren,
· Gleitspuren im Schnee,
· feuchte oder erdige Trittstellen auf Steinen usw,
nur um dir eine kleine Auswahl zu präsentieren.
Wenn Spuren schwer erkennbar sind, betrachte sie gegen den Sonnenstand, da sich dabei auch kleinste Unregelmässigkeiten durch ihren Schatten deutlich abzeichnen.
Hast du eine Spur verloren, gehst du zu Ort des letzten erkannten Eindrucks zurück und umkreist diesen in immer grösseren Spiralen so lange, bis du wieder einen Anhaltspunkt gefunden hast.
Jede Spur altert (du auch!)!
Umweltbedingungen geben dir Hinweise auf das Alter einer Spur. Eine Spur in nassem Lehm trocknet an heissen Sommertagen vom oberen Rand aus. Ihr Feuchtigkeitsgehalt an den Rändern lässt gewisse Rückschlüsse auf die Entstehungszeit zu. Eine gute Zeitbestimmung lassen Spuren im Schnee zu, wenn es dir gelingt, Spur und Schneefall mit der Zeit der Entdeckung der Spur zu verbinden.
Niedergetretene Halme richten sich in der Nacht wieder auf. Liegt die Spur am Morgen noch sichtbar an, bedeutet es, dass der Spurenleger in der zweiten Nachthälfte diese Spur gelegt hat.
Nur wer mit wachen Augen durch die Natur geht, wird Veränderungen in ihr bemerken, wer kämpfen, sich behaupten und überleben will, interessiert sich grundsätzlich für alle Spuren, die auf und an seinen Weg liegen, wer sie hinterlassen hat, welche Absicht der Spurenleger wohl hat, ob infolge von sich häufenden Spuren mit einer plötzlichen Begegnung zu rechnen ist usw.
Dein Ziel muss es sein, je nach Lage menschliche Nähe zu suchen oder zu meiden. Auch Freunde hinterlassen Spuren. Grundsätzlich musst du versuchen, dich in die Lage des Spurenlegers zu versetzen.
Eine schlechte Nachricht:
Es dauert sehr, sehr lange, bis du einigermassen fit im Lesen und Auswerten von Spuren bist.
Die gute Nachricht :
Kannst du es aber, liest du Spuren wie ein Buch.
Die folgenden Fragen sollen dir einen kleinen Einstig in dieses Thema geben; einen Anspruch auf Vollzähligkeit kann ich dir aber nicht geben.
¨ Wer hinterliess die Spuren?
Jeder Mensch hinterlässt Spuren, z.B. Fussspuren, Blutspuren, Finger- und Handabdrücke, Schnittspuren, glatte Schlagspuren usw. Grösse, Form und Abdruck der Fussbekleidung, besondere Merkmale wie Beschädigungen zeichnen sich ab. Sie lassen bis zu einem gewissen Grade auf das Wesen des Verursachers schliessen. Spuren eines nackten Fusses werden nach der Stellung der Zehen unterschieden.
¨ Was sagen die Spuren über die Tätigkeit des Verursachers aus?
Bewegt er sich oder verharrt er? In welche Richtung bewegt er sich? Geht er vorwärts, rückwärts, langsam, schnell? War er betrunken, unentschlossen oder irrend, weil hin- und hergetretene Spuren oder ein geschlängelt verlaufendes Spurenbild vorliegt?
¨ Wo wurden die Spuren hinterlassen?
An welchem Ort tauchen die Spuren auf: Im Walde, auf einem Fussweg, in der Nähe einer Ortschaft, einer Strasse oder eines Lagers? Liegen Scheunen, Viehweiden oder Verstecke in der Nähe?
¨ Womit wurden besondere begleitende Spurenmerkmale verursacht?
Wurde ein Wanderstock getragen? Sind es verlorene Gegenstände? Schwere Traglasten? Wurden Gegenstände am Boden geschleift, aus deren Spuren sich Absicht oder Tätigkeit ableiten lassen? Hinkt der Spurenverursacher? Ist er in Begleitung eines Hundes und/oder anderer Personen?
· Warum sind die Spuren gerade hier und in dieser Art entstanden?
Aus welchem Grund hat der Spurenverursacher an diesem Ort, mit diesen Gegenständen diese Spuren in der vorgefundenen Form verursacht? War er ein Soldat, ein Landsmann, Jäger, Verfolgter oder Flüchtiger?
· Wie kann sich der Vorgang, der zu dieser Spur führte, abgespielt haben?
Hier bist du einzig und allein auf deine Kombinationsgabe angewiesen, aber versuch´s einmal.
· Wann sind die Spuren entstanden?
Bodenbeschaffenheit, Konturen und Tiefe der Spuren geben dir in Abhängigkeit von den Wetterbedingungen einen ersten Anhalt. Als Faustregel gilt: Je älter die Spur, um so flacher und verwischter wird sie sein.
Die Tiefe der Spuren im Boden und die Stellung der Füsse zeigen ganz grob an, ob ein Mensch gar keine, eine schwere oder leichte Last, ob er die Last auf der Brust, auf der Schulter oder auf dem Rücken getragen hat. Der Schrittwinkel ist der aus rechter und linker Trittspur gebildete Winkel, die Gangrichtungs-Linie ist die Winkelhalbierende des Schrittwinkels.
· Brustträger
Trägt ein Mensch eine Last auf der Brust , ist er bestrebt, dieses zusätzliche Gewicht durch Veränderung seiner Körperhaltung in eine Rückenlage auszugleichen. Dabei werden die Füsse weiter nach aussen gestellt, um den Körper in dieser Lage einen besseren Halt zu geben. Das bedeutet für die Spurenauswertung, dass der Schrittwinkel, d.h. der Winkel zwischen der Gangrichtungslinie und den Fussmittellinien über das sonst übliche Mass hinaus vergrössert ist.
· Schulterträger.
Ist eine Last mit grösseren Abmessungen oder Gewicht zu tragen, versucht man in der Regel, den Schwerpunkt festzustellen und die Schultern darunter zu bringen. Als bequemste Körperhaltung zeigt sich hier der aufrechte Gang; dabei werden zum Festhalten meistens beide Arme eingesetzt. Die Füsse unterstützen den Körper dabei am wirkungsvollsten in einer Parallelstellung bis zu einer leichten Drehung einwärts.
· Rückenträger.
Eine Rückentragelast erfordert zur besseren Lagerung und als Gewichtsausgleich vom Träger ein Vorbeugen des Oberkörpers. Die beste Gewichtsunterstützung geben die Füsse dabei durch starkes Einwärtsdrehen. Je weiter der Oberkörper unter der Last nach vorne gebeugt wird, desto stärker werden die Füsse einwärts gedreht.
Unser Tracking-Kursus hilft dir bei diesem Thema weiter