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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

3. Zeichen beim Tracking – definiert und erklärt

Nachdem du dich mit ein paar grundlegenden Begriffen vertraut gemacht hast, kommen wir jetzt langsam „ins Eingemachte“, wie meine Oma so treffend sagte. Es muß dir allerdings klar sein, daß dir hier nur Grundlagen vermittelt werden können: Also geh raus in die Natur und fang an!

Der Begriff Zeichen, wie beim visuellen Tracking erwähnt, wird verwendet für jede beliebige Änderung der natürlichen Umgebung unter allen nur möglichen Umweltbedingungen, verursacht durch das Zielobjekt, sei es nun Mensch, Tier oder Maschine.

Die Zeichen müssen wir in zwei Kategorien unterteilen:

Bodenzeichen

werden hauptsächlich durch die Füße des Zielobjekts verursacht, du findest sie bis in Knöchelhöhe. Das geschieht immer dann, wenn die natürliche Form der Vegetation am Boden durch das Zielobjekt beim Darüber- oder Hindurchgehen gestört wird. Beachte dabei, daß ich „gestört“ und nicht „zerstört“ gesagt habe. Und beachte auch, daß jede Bewegung Spuren hinterlassen wird, jede!

Beispiele für Bodenzeichen:

Oberflächenzeichen

findest du oberhalb der Knöchelhöhe des Zielobjekts bis zur Höhe und Weite der ausgestreckten Arme beim Menschen bzw. der Körperhöhe beim Tier. Bewegt sich das Zielobjekt durch das Unterholz, wird es trotz größter Sorgfalt Teile der Vegetation berühren und damit die natürliche Ordnung stören, Bei Vögeln reichen die Oberflächenzeichen bis in die Gipfel der Bäume. Landende oder im Schwebeflug befindliche Hubschrauber erzeugen charakteristische Oberflächenzeichen.

Beispiele für Oberflächenzeichen:

Weiterhin kannst du die Zeichen einer oder mehreren der folgenden Charakteristika zuordnen:

Regelmäßigkeit.

Das ist ein Effekt, der durch gerade Linien, Kreisbögen oder andere geometrische Umrisse angezeigt wird und durch Abdrücke im Boden, die nicht in der normalen Umgebung zu finden sind, auffällig wirkt.
Merke: Außer bei Kristallen und Felsschichtungen verabscheut die Natur gerade Linien!

Eindrücke

entstehen durch Druck auf den Untergrund und zeigen sich entweder durch Verdichtung oder Einebnung des Bodens in Gras, Sand oder Schnee, z.B. am Rastplatz des Zielobjektes

Eine scharfe Kante liegt dann vor, wenn sich eindeutige Kanten abzeichnen. (Das habe ich doch schon einmal gehört?!!?)

Übertragungen

sind Ablagerungen von Bodenmaterialien, die das Zielobjekt beim Wechsel zwischen verschiedenen Umgebungen überträgt, wie z.B. nasse Erde auf Gras, Wassertropfen auf trockene Vegetation am Ufer eines Baches oder Sand auf Gras.

Farb- und Strukturänderungen

entstehen, wenn Teile der Umgebung durch mechanische Einflüsse aus ihr gelöst werden.

Abfall

jeglicher Art, den das Zielobjekt hinterlassen hat.

Veränderungen

der Lebensgewohnheiten der Tiere in ihrer der natürliche Umgebung. Erinnere dich an das Verhalten von Tauben!

Klassifizierung von Zeichen

Zum Tracking müssen wir vier Klassen von Zeichen unterscheiden.

Zu begründende Zeichen sind Zeichen, die wahrscheinlich vom Zielobjekt gelegt worden sind, aber nicht schlüssig bestimmt werden können, z.B. abgeknickte Zweige oder angefressene Wurzeln. Mit sehr viel Übung können erfahrene Tracker diese Zeichen aber als schlüssige Zeichen deuten.

Können Zeichen direkt dem Zielobjekt zugeordnet werden, bezeichnet man sie als schlüssige Zeichen. Beispiel sind charakteristische Fußabdrücke oder Kot etc.

Und hier drei Beispiele dazu:

Einige Zeichen sind aufgrund von Wetterbedingungen wie Wind, Regen, Schnee oder Sonne nur temporär zu sehen. Sie werden sich in der Regel nach einer gewissen Zeit wieder zurückbilden oder völlig auflösen.

Im Gegensatz dazu halten sich permanente Zeichen auf Dauer. Eigentlich muß man ja sagen: fast auf Dauer; denn auch eine Konservendose wird irgendwann einmal verrostet sein.


 

Jetzt hast du eine Vorstellung von den verschiedenen Kategorien und Klassen von Zeichen, spielen wir mal ein kleines Beispiel durch, wie ein Tracker Zeichen interpretiert.

Lage: Ein Zielobjekt bewegt sich über eine mit Laub bedeckte Fläche:

Das erste Zeichen, welches du finden mußt, um den Eingang der Spur festzulegen, wird in fast allen Fällen ein Bodenzeichen sein.

Danach mußt du feststellen, ob das Zeichen von einem Mensch oder einem Tier verursacht wurde.

Die geschätzten Abmessungen des Zielobjekts kannst du aus der Größe des Oberflächenzeichen ableiten: Erinnere dich: Oberflächenzeichen entstehen über Knöchelhöhe!

Rühre das Zeichen noch nicht an, verändere es auf keinen Fall!

Gerade das erste Zeichen muß besonders sorgfältig untersucht werden; notiere dir seine Eigenschaften und fertige eine Skizze mit folgenden Details an:

Schätze das Gewicht des Zielobjekts, indem du die Tiefe des Eindrucks mit der deiner eigenen oder einer anderen dir bekannten Person mit gleicher Schuhgröße vergleichst. Lege dich aber an dieser Stelle noch nicht fest; mach das erst, wenn du sicher bist, ob das Zielobjekt eine Last getragen hat oder nicht.

Die Schrittlänge, sofern du sie an dieser Stelle schon bestimmen kannst, gibt dir Informationen darüber, ob die Person groß oder klein ist oder eine Last trägt und dabei, ob sie Brustträger, Schulterträger oder Rückenträger ist.

Schau dir jetzt die obere Lage der Blätter an und prüfe alle, die angequetscht oder gebrochen sind, sie sind beim Einpressen des Zeichens in den Untergrund mißhandelt worden. Schau dir jedes Blatt an, ob du eine scharfe Kante erkennen kannst. Merke dir dabei, wo die einzelnen Blätter gelegen haben.

Arbeite dich so durch die verschiedenen Lagen von Blättern durch. Besonders wenn es naß ist, sind die Blätter sehr biegsam. Richte dein Augenmerk auf Anzeichen eines Schuhabdruckes oder Teile eines solchen.

Hast du dich bis zum Erdboden durchgearbeitet, suche nach flach getretenen Auswürfen von Wurmlöchern. Der Auswurf ist sehr weich und nimmt Abdrücke sehr gut auf. Bestimme an der Spur den Umriß, Fußspitze und Hacke, rechten Fuß oder linken Fuß. Bei Tieren mußt du Vorderfuß oder Hinterfuß bestimmen.

Schaue in regelmäßigen Abständer vom Bodenzeichen auf. Auf diese Weise kannst du oft Flaumfedern, Haare oder Fäden aus der Oberbekleidung entdecken, die dir schon einen weiteren Hinweis auf die Richtung geben, in der du nach dem nächsten Zeichen suchen kannst und über die Größe des Zielobjekts.


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