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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

4. Einflüsse auf Zeichen

„Aber leider, ach wie bald, schwinden Schönheit und Gestalt!“

Dieses Zitat von Wilhelm Busch trifft leider auch auf das Tracking zu. Es hängt von so vielen Faktoren, wie Untergrund oder Wetter ab, daß es ausgesprochen schwierig ist, einer Spur unter allen nur denkbaren Umständen zu folgen. Der Unterschied zwischen einer tierischen Spur und einem Menschen auf felsigen oder morastigen Untergrund ist groß, und doch werden beide Zeichen u.U. so aussehen, als ob es dein Zielobjekt. wäre.

Der beste (und einzige) Weg, mit diesen Schwierigkeiten umzugehen und einer Spur unter wechselnden Bedingungen und auf unterschiedlichen Untergrund zu folgen, ist Übung. Mach es dir beim Spazierengehen zur Gewohnheit, einfach mal herauszufinden, welche Art von Spur ein Mensch oder ein Tier hinterläßt.

Zeichen sind die Crux eines Trackers! Zeichen, und damit die visuellen Fähigkeiten eines Trackers, sind daher durch vier Faktoren beeinflußt:

Alle Faktoren sind eng miteinander verbunden und beeinflussen Erfolg und Mißerfolg des Trackers. Es ist daher wichtig, daß du diese Faktoren und ihre Auswirkungen aufeinander genau kennst.

Zeichen und Spuren kannst du immer in drei Gruppen einteilen:

Während einer Verfolgung sind die Zeichen des Zielobjektes als wichtigste in deine Überlegungen einzubeziehen. Erst in zweiter Linie folgen die anderen Zeichen und Spuren.

Du als Tracker kannst immer dein Verhalten und das deiner Gruppe so steuern, daß die Spuren des Zielobjektes nicht von den deinen überlagert werden. Keinen Einfluß hast du allerdings auf das Verhalten einer dritten Partei, die vor euch im Gelände war und bereits Zeichen verändert oder überlagert hat.

Du mußt die Tiere in deine Überlegungen mit einbeziehen und wissen, wie du menschliche und tierische Spuren von einander unterscheiden kannst. So hinterlassen z.B. Huftiere einen charakteristischen Fußabdruck, erzeugt durch die Form des Hufes und das Gewicht des Tieres. Dabei wirkt die Form des Hufes wie ein Stanzmesser, welches den Umriß aufgrund des Gewichtes mehr oder weniger stark ausprägt. Im Gegensatz dazu neigen Menschen dazu, nur Ferse und Zehen beim Gehen auszuprägen, was sich im Bild der Spur durch ein eingeprägtes Abbild der Ferse und ein flaches Abbild der Zehenpartie abzeichnet.

Die Anwesenheit einer dritten Partei, wie z.B. einer Schafherde kann alle deine Überlegungen zu Nichte machen.

Das Gelände und seine Eigenschaften könne dir sowohl nützlich als auch hemmend sein. Die folgende kleine Auflistung der wichtigsten Geländearten soll dir eine Übersicht der unterschiedlichen Anforderungen an den Tracker geben:

Grasland und kultivierte Flächen

Obwohl es sehr schwierig ist, Einzelheiten eines Zeichens im Gras ausfindig zu machen, zeichnet sich eine Spur aber sehr deutlich ab, wenn man sie aus einiger Entfernung betrachtet. Geknicktes und niedergetretenes Gas machen es leicht, die Richtung einer Spur auszumachen. Wenn du z.B. auf ein Feld schaust und die Spur in etwas helleren Farben als die Umgebung sehen kannst, kannst du sicher sein, daß das Zielobjekt auf dich zugekommen ist. Erinnere dich mal daran, wie sich die Farben beim Rasenmähen von Sportplätzen in unterschiedlichem Richtungen verhalten.

Einer Spur im Gras ist bei Feuchtigkeit durch Tau, leichten Regen oder bei Rauhreif leichter zu verfolgen. Häufig wirst du auf diese Weise auch Plätze finden, wo Grasfresser geäst haben oder das Schuhprofil eines Menschen ein oder zwei Blätter verschoben oder umgedreht hat.

Ist das Gras über Knöchelhöhe hoch, ist eine Verfolgung leicht, da das Gras herunter getreten ist und eine Zeitlang in dieser Stellung abhängig vom Wetter verbleiben wird. Je kürzer das Gras um so schneller wird es sich wieder aufrichten und seine normale Stellung einnehmen.

Die nachfolgend genannten Punkte helfen dir beim Tracken im Grasland:

Felsiger Untergrund

Auf den ersten Blick scheint es aussichtslos zu sein, auf felsigen Untergrund eine Spur zu finden, aber es gibt eine Anzahl von Hilfen. Erwarte aber niemals, daß du einen deutlichen Fußabdruck finden wirst.

Sandwüsten

Weicher tiefer Sand und Staub geben keine klaren Abdrücke oder Spuren wieder, da alle Eindrücke sehr schnell wieder aufgefüllt werden und ein Tracking äußerst schwer machen. Eine besondere Rolle spielt dabei der Wind, besonders in großen Wüsten wie der Sahara.

Aber: Sogar die kleinsten Abdrücke können für Tage sichtbar bleiben, wohingegen Reifenspuren schon nach Minuten wieder verschwunden sein können.

Tracker in diesen Regionen müssen ein ausgesprochen gutes Gespür für die lokalen klimatischen Bedingungen haben, da der Einfluß der Hitze auf die Festigkeit der Oberfläche groß ist. Daher können für das Tracking in Sandwüsten keine klaren Regeln aufgestellt werden.

Die einzige Möglichkeit ist, bei den dort lebenden Bewohnern in die Lehre zu gehen, und auch jahrelanges Training wird niemals zu dem Ausbildungsstand führen, den die dortigen Bewohner haben.

Primärwald

Mit diesem Begriff bezeichnet man die Wälder, vornehmlich Dschungel, bis zu einer Höhe von ca. 6 Metern. Sie sind die ideale Umgebung zum tracken, da sie wenig Unterholz und viele einzeln stehende Bäume, lebende und tote Vegetation, Flüsse und Bäche mit morastigen und sandigen Ufern, Moose und Flechten und Felsen einschließen. In der Regel zeichnen sie sich durch eine geringe Tierpopulation aus. Zu vergleichen sind sie mit den Buchenwäldern hier in Deutschland, deren Kronen nur wenig Licht durchlassen und am Boden kaum Bewuchs aufweisen.

Seltsamerweise hat das Tracken in diesem Umfeld während der post-kolonialen Kriege in Süd-Ost-Asien keine besondere Aufmerksamkeit von Seiten der militärischen Führung erfahren. Beispiele dazu findest du im Kapitel 18: Militärisches Tracking.

Hier eine kleine Zusammenstellung der für den Tracker wichtigen Punkte:

Gewöhne es dir an, durch den Wald und die Vegetation hindurch zu sehen und nicht auf sie, sonst bildet gerade der Dschungel einen grünen Vorgang. Durch sorgfältige Beobachtung, Analyse und Schlüsse wird sich dieser Vorhang heben.

Sekundärwald und dichtes Unterholz

Während der bis zu 6 Meter hohe Primärwald mit seinen typischen Einzelbäumen ein Dach bildet, welches das Sonnenlicht nur gefiltert auf den Boden scheinen läßt, ist der Sekundärwald mit dichten Unterholz und Lianen oder Ranken bewachsen, da das Sonnenlicht nahezu ungehindert einfallen kann.

Für den Tracker bedeutet das, daß jedes Zielobjekt in dieser Umgebung deutlich sichtbare Zeichen und Spuren hinterlassen wird.

Achte daher auf diese wichtigen Punkte:

Trotz größter Sorgfalt beim Vermeiden von Zeichen wird ein Zielobjekt in dieser Umgebung immer welche hinterlassen.

Flüsse und Bäche im Binnenland und Marschland

Unter diesen Begriff fallen Ströme, Flüsse, Bäche, Seen, Tümpel, Kanäle, Marschen und Sümpfe. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist hier das Tracken durchaus möglich. Die nassen Gelände sind schwer zu tracken mit Ausnahme der Tümpel und kleineren Seen, wo sich Fußabdrücke im Morast gut abdrücken oder bei einer frischen Spur, wo Materialien von einer Umgebung in eine andere übertragen werden.

Beachte daher diese Zeichen:

Wie du siehst, ist das Tracken in diesem Umfeld durchaus möglich. Bedenke aber, daß Marschen und Sümpfe für Menschen gefährlich sind. Dort, wo kleinere Tiere sich problemlos auf der Oberfläche bewegen können, kommt der Mensch durch sein hohes Gewicht in Schwierigkeiten

Küsten

Tracken an Küsten ähnelt in vielen Bereichen dem Tracken in Marschen oder Sümpfen; es wird in erster Linie durch den Einfluß der Gezeiten beeinflußt. Auch wenn die Wellen viele Spuren verfälschen, so kann doch der Tracker mit einer guten Kenntnis der Einflüsse der Gezeiten innerhalb des 6-Stunden-Fensters einige Erfolge haben.

Schneebedecktes Gelände

Auf frisch gefallenen Schnee wird jedes Zielobjekt eine deutliche Spur hinterlassen – ideal auch für den unerfahrenen Tracker.

Bei nicht zu hoch gefallenen Neuschnee kann man unter günstigen Bedingungen den Schatten einer unter dem Neuschnee liegenden Spur erkennen.

Schwere Zielobjekte wie Säugetiere und Menschen brechen im Harsch tief ein.

Größte Aufmerksamkeit erfordert das Tracken auf kleine Tiere im Neuschnee oder Neuschnee auf Harsch. Wechseln Tiere die Umgebung, so sind besonders im Neuschnee die Spuren verwischt, da kleinere Tiere oft zur Orientierung aufspringen und bei Zurückfallen ihre eigene Spur verwischen.

Das Tracking auf Eis ähnelt dem des Tracking auf Fels, jahrzehnte langes Training ist hier allerdings erforderlich.

Siedlungsgebiete

Dem Zielobjekt, und das ist hier immer ein Mensch, durch Siedlungsgebiete zu folgen, ist nahezu unmöglich. Eine winzige Möglichkeit besteht allerdings in Parkanlagen oder auf Grasflächen.

Das Klima und das Wetter werden immer einen großen Einfluß auf das Tracken haben, daher sollte sich jeder Tracker, und gerade der Anfänger, intensiv mit den Einflüssen von Wetter und Klima auf Spuren und Zeichen befassen.

Die drei klimatischen Faktoren, die das Tracking beeinflussen sind

In welchem Maße sie die Zeichen und Spuren beeinflussen, hängt ab

Generell kann man sagen, daß Spuren und Zeichen, die nicht den klimatischen Faktoren ausgesetzt sind, sich für Tage und sogar Wochen halten.

Direkte Sonneneinstrahlung

führt dazu, daß sich Zeichen und Spuren schnell ihrer normalen Umgebung anpassen. Wir haben allerdings schon gesehen, daß Sonnenlicht bei der Richtungsbestimmung einer Spur eine Hilfe sein kann:

Starker Wind

Wind veranlaßt gestörte Vegetation, in ihre Originalposition zurückzukehren. Das trifft ganz besonders auf lange Gräser und lange Ähren wie Weizen oder Roggen zu. Du mußt daher deine Aufmerksamkeit auf die Bodenzeichen konzentrieren und dir den unteren bodennahen Teil der Pflanzen genauer ansehen. Dort wirst du einzelne gebrochene Stengel finden, die dir die Richtung deines Zielobjektes anzeigen.

Starker Wind kann außerdem eine Spur verwischen, indem Abfälle wie z.B. Staub, trocknes Gras, Strohreste, trockne Blätter o. dergl. darüber geweht werden. Der Zeitvergleich mit dem Beginn des Windes gibt dir die Zeit an, wann diese Spur gelegt wurde. Dieses Detail ist wichtig, denn es zeigt, daß der Tracker ständig eine Fülle von Beobachtungen machen und diese zur Lagebeurteilung parat haben muß.

Dieses ständige sich bewußt sein der Umgebung und ihrer Einzelheiten ist der Grund, warum ein Tracker, der im Wald, ob einheimischer Wald oder Dschungel, arbeitet, ständiges Augenmerk auf das Fallen verrotteter Bäume haben muß. Alte verrottete Bäume neigen dazu, bei starkem Wind ohne die geringste Vorwarnung umzufallen. Oft bleibt da keine Zeit mehr, um zu reagieren.

Starker Niederschlag

Dein größter Feind beim Tracken; denn er zerstört in kürzester Zeit alle Zeichen, besonders die Bodenzeichen.

Andererseits, wenn es nur ein leichter Regenschauer war, werden kleinste Tropfen in die Spur spritzen und dir so eine Zeitangabe machen.

Zeit

Um die Zeit zwischen dem Entstehen einer Spur und der aktuellen Zeit zu bestimmen, bedarf es ein hohes Maß an Erfahrung und Können, das nur durch jahrelanges Training und Erfahrung gewonnen werden kann. Unabhängig von den anderen Faktoren ist „Zeit“ wohl die höchste Anforderung, die an einen Tracker gestellt wird.

Die folgende kleine Geschichte soll das demonstrieren:

Der Eigentümer einer Schaffarm in Australien war mit einem seiner eingeborenen Männer im Outback (für nicht englisch sprechende Kameraden: Arsch der Welt) unterwegs, Sie suchte eine Schafherde, die, wie sie wußten, vor über einer Woche in dieser Gegend gewesen war. Der Besitzer fand eine Reihe von Spuren, denen er in der Annahme, es sei die gesuchte Herde, folgen wollte. Allerdings mußte er sich von seinem eingeborenen Helfer sagen lassen, daß diese Spur erst zwei Tage alt sei. Die vom Besitzer gesehenen Spuren haben ihn nur verwirrt, wohingegen sein Helfer alle nur denkbaren Fakten beobachte, gesammelt und ausgewertet hatte.

Einige Indikatoren zum Timing:

Die genannten Faktoren beeinflussen das Altern einer Spur nicht gleichmäßig!

Siehe dazu Kapitel 14: Altersbestimmung von Zeichen.


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