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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

8. Beobachtung von Einzelpersonen

Ein vom Beobachten im Gelände völlig unterschiedliches Gebiet ist für den Tracker das Beobachten von Einzelpersonen.

Das ist aus drei Gründen wichtig.

Mentale Fähigkeiten.

Beim Reisen oder im täglichen Leben kann der Tracker seine Fähigkeiten, Gegenstände vollständig und richtig zu beschreiben, an seine Mitreisenden und anderen Personen üben – ihre Gesichter, ihre Kleidung, der Weg, den sie gehen und andere Einzelheiten die ihm helfen, Informationen über bestimmte Personen an andere weiterzuleiten.

Wir haben viele Möglichkeiten zur praktischen Übung, auch wenn wir auf die Prüfung auf deren Richtigkeit oft verzichten müssen, besonders was das Ziehen von Schlüssen anbelangt, aber die Anwendung dieser Tätigkeiten wird unser Interesse an der Beobachtung und Beurteilung von Personen wachhalten.

Die Beschreibung von Charakteren ist sagenhaft schwierig und meistens ungenau, aber unsere mentalen Fähigkeiten, die dabei geschult werden, bringen uns größere Fähigkeiten. Durch ständiges wiederholen, sich erinnern, auswählen, analysieren, begreifen und Schlüsse ziehen wird der Tracker in seiner Arbeit besser.

Abgesehen von der realen Schulung seines Gedächnisses wird der Tracker vor allem seine Vorstellungskraft üben müssen. Das ermöglicht ihm, sich an die Stelle seiner Zielperson zu versetzen, ihr Leben zu leben und ihre Gedanke zu denken. Wir werden später noch darauf kommen, daß das einen beachtlichen Stellenwert beim Tracking hat.

Ein anderer Aspekt unserer Fähigkeit Personen zu beschreiben ist die Tatsache, daß Personen Individuen sind und natürlich in ihren Handlungen und Betrachtungsweisen unterschiedlich sind und daß diese einfache Tatsache ihre Ansichten und Schlußfolgerungen beeinflussen.

Die Beschreibung von Einzelpersonen.

Die Erfassung von Größe, Gewicht und Körperform sind bei der Beobachtung von Einzelpersonen wichtig und besonderer Beachtung wert. Jeder der Anfänger ausbildet wird feststellen, daß dieser Personenkreis in erster Linie die Kleidung beschreibt und erst danach die Person selbst, obgleich es für eine Person einfacher ist, die Kleidung zu wechseln als Gewicht und Körperbau. Ebenso wie eine leichte Veränderung des Aussehens wie z.B. ein fehlender Bart zu einer wiederholten genaueren Prüfung der Person führt, wird eine Veränderung im Verhalten oder Gangart Aufmerksamkeit erregen, auch wenn diese Faktoren die Zeichen beeinflussen.

Um eine Einzelperson genau zu beschreiben, ist es hilfreich, nach einem Schema vorzugehen, welches die Vielzahl von Einzelinformationen ordnet. Auch bei Anwendung eines Schemas müssen wir uns darüber im Klaren sein, daß wir längst nicht alle Bereiche der Beobachtung abdecken können. Die folgende kleine Liste ist eine Form, in der wir eine Beschreibung in kleiner logische Segmente unterteilen. Für den Ausbilder ist es sehr interessant, einen Vergleich vor und nach Anwendung diese Schemas durchzuführen

Wohl der schwerste Teil einer Personenbeschreibung aber gleichzeitig der wichtigste ist die Beschreibung des Gesichtes. Die in den Bildern 13-1 und 13-2 aufgeführten Merkmale sollen dir eine Hilfe sein.

Anwendung der Sprache.

Um ein Zielobjekt kurz und genau beschreiben zu können, ist eine gewisse Kenntnis der deutschen Sprache unbedingt notwendig. Leider verfügen besonders junge Leute über einen Sprachschatz, der sich an Comic-Geräuschen und der gerade aktuellen Sprache von Teenagern orientiert. Für einen Tracker ist das selbstverständlich völlig undiskutabel!

Keiner redet hier einer systematisierten Sprache oder Kunstsprache das Wort, aber jeder Tracker muß sich darüber im klaren sein, daß Details nur durch entsprechende Wörter und nicht durch Umschreibungen korrekt weiter gegeben werden können. Daher möchte ich noch einmal deine Aufmerksamkeit auf das Bild 13 lenken, welches eine Übersicht geordneter Beschreibungen eines Gesichtes enthält.

Beobachtungsübungen.

Bekleidung beschreiben.

Die Schüler teilen sich in zwei Gruppen auf, wobei eine Gruppe den Raum verläßt. Aus der verbleibenden Gruppe wird einer ausgewählt, der sich verkleidet, an seiner Kleidung mehr oder weniger auffällige Gegenstände trägt und eine bestimmte Pose einnimmt.

Danach betritt die andere Gruppe den Raum und hat zwei Minuten Zeit, sich die Einzelheiten an der verkleideten Person zu merken. Sie verlassen den Raum und der „Dressman“ zieht wieder seine normale Bekleidung an.

Danach wird die zweite Gruppe wieder in den Raum gerufen und bekommt 5 Minuten Zeit, den „Dressman“ wieder mit allen Einzelheiten zu bekleiden.

Der ungeprobte Unfall.

Während einer beliebigen Aktivität wird ein simuliertet Unfall eingespielt. Er sollte kurz aber dramatisch sein. Die Beobachter werden danach gefragt, was sich im Einzelnen abgespielt hat. Es wird sie sicherlich erstaunen, wie verschieden das gleiche Vorkommnis geschildert werden kann.

Von „Start“ zu „Stopp“.

Bei dieser Übung werden die Teilnehmer aufgefordert, alle Tätigkeiten einer Person zu nennen, beginnen mit „Start“ und endend mit „Stopp“. Die zur Beobachtung ausgewählte Person braucht nur ganz normale Tätigkeiten wie das Anzünden einer Zigarette auszuführen oder ein paar Schritte zu gehen.

Übungen zur Schulung der Schlußfähigkeit und Vorstellungskraft.

Taschen ausleeren.

Eine größere Anzahl von Gegenständen, die ein Mann normalerweise in der Tasche trägt, wird auf einem Tisch ausgebreitet. Danach wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der ohne Erinnerungen oder tot aufgefunden wurde. Anhand der Gegenstände auf dem Tisch müssen die angehenden Tracker versuchen, seine Identität zu rekonstruieren. Selbstverständlich muß der Ausbilder dafür Sorge tragen, daß die Gegenstände mit der Geschichte übereinstimmen.

Rollenspiel.

Der schwierige Teil einer Verkleidung ist nicht das Verkleiden selbst sondern das Spielen der Rolle, die sich hinter der Verkleidung verbirgt. Durch das Rollenspiel, d.h. das Erkennen der gespielten Rolle durch den Tracker, wird die Fähigkeit geschult, sich in die Haut anderer Personen zu versetzen.


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