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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

10. Techniken der Verfolgung

Nachdem der Tracker einer Spur über mehrere Kilometer, oder in militärischen Situationen über mehrere Tage, gefolgt ist, kann es für ihn höchst frustierend und auch lebensgefährlich sein, wenn das Zielobjekt seine Anwesenheit bemerkt und u.U. den Spieß umkehrt, bevor er sein Ziel erreicht. Am Ende dieses Kapitels wird die Sachkenntnis demonstriert, die ein Tracker erwerben muß, um sich in der letzen Phase der Verfolgung seinem Zielobjekt unbemerkt zu nähern.

Verfolgen ist für „moderne“ Menschen eine unnatürliche Tätigkeit – seine Ausübung bedarf ständigen Lernens und Anwendung der Techniken. Die Praxis ist oft schwierig und unbequem, wenn du gezwungen bist, auf dem Bauch durch dichtes verfilztes Unterholz oder über felsigen Boden zu gleiten. Aber: Gelobt sei, was hart macht!

Der Tracker/Stalker in Bewegung.

Über die Methoden der Annäherung des Tracker an sein Zielobjekt werden wir später in diesem Kapitel mehr hören.

Die Tarnung, der sich der Tracker bedienen muß, ist manchmal nur geringfügig oder gar nicht möglich, kann aber, eine sorgfältige Planung der Annäherungswege vorausgesetzt, durch Benutzung von Matsch und den kleinsten Geländefalten zu einer erfolgreichen Annäherung führen. Die Annäherung wird selten auf dem direkten Wege sondern unter Ausnutzung der besten Tarnmöglichkeiten erfolgen. Mit etwas Training ist es durchaus möglich, sich mit angemessener Geschwindigkeit und Lautlosigkeit zu bewegen.

Wenn sich ein Tracker bewegt, wird sich seine Aufmerksamkeit auf die nähere und weitere Umgebung richten, nach unten und oben, durch das Unterholz und dahinter: er ignoriert das um ihn liegende natürliche Gesamtbild. Der untrainierte Tracker macht es genau umgekehrt; er schaut sich einen Busch an und übersieht das dahinter verborgene Zielobjekt.

Der Tracker ist sich bewußt, daß sich ständig neue Blickwinkel auftun werden, in denen sein Zielobjekt verborgen sein kann. Das geschieht oft schon nach wenigen Schritten, z.B. aus dem Unterholz heraus auf eine freie Pläne. Um den Boden zu untersuchen hält der Tracker an, kniet nieder und, wenn er ein militärischer Tracker ist, wartet auf seinen Sicherungsmann und erst dann untersucht er den Boden. Gleichgültig ob sich der Tracker bewegt oder regungslos verhält, nur seine Augen sind dem Boden zugewandt, der Kopf bleibt immer gerade. Das hat den Vorteil, daß er ohne sich durch ruckartiges Aufrichten des Kopfes schnell einer neuen Situation anpassen kann. (Bewegung erregt Aufmerksamkeit)

Gelegentlich kriecht oder gleitet er am Boden, da er so einen besseren Durchblick durch das Unterholz bekommt; besonders im Sekundärwald zu empfehlen.

Wenn du dich durch kleine Bäume und Unterholz bewegen muß, brich nicht wie Col. Hathis Elefanten durch die Vegetation, schiebe sie mit der Hand oder dem Körper sanft beiseite und lasse sie nach dem Durchgang ebenso langsam wieder in ihre Position zurück gleiten. Wenn du sie abrupt zurückspringen läßt, werden Blätter und ggf. Rinde angerissen oder gequetscht. DEIN Stalker freut sich!. Diese Technik vermeidet nicht nur Geräusche sondern verhindert auch unnötige Bewegungen der Vegetation. Halte dich nicht an Ästen, Wurzeln oder Grasbüscheln fest, wenn du dein Gleichgewicht verlierst oder ein Hindernis überqueren mußt, beim Aufstehen oder wenn du einen Abhang zu bewältigen hast.; die kleinste Bewegung in Boden verstärkt sich zur Spitze hin. Diese Bewegung verrät deinen Standort, sie signalisiert ihn in alle Richtungen, nicht nur nach vorn! Vermeide es, auf trockne Äste, trockne Blätter oder morsches Holz zu treten. Lege dich nicht mit Schlingpflanzen oder dichten Wurzelwerk an, du wirst dich in ihnen verfangen , und es ist teuflisch schwierig, deren Reste von deiner Bekleidung und aus der Gegend zu entfernen, ohne Spuren zu hinterlassen. Wenn du Pech hast, kostet dich das glatt eine volle Stunde oder mehr.

Wenn du denkst, daß du entdeckt wurdest, verhalte dich totenstill, friere ein und warte, bis dein Zielobjekt den Kopf abwendet. Dann setze dich langsam und leise bis zur nächsten Deckung ab. Auch wenn du im offenen Gelände überrascht wirst, besteht noch kein Grund zur Panik, vorausgesetzt, der Hintergrund harmonisiert mit deiner Bekleidung und du dich völlig regungslos verhältst. Du wirst auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregen oder sogar Alarm auslösen, wenn du plötzlich und schnell deinen Standort verläßt.

Die einzige Gelegenheit, bei der du die Beine in die Hand nehmen mußt, ist, wenn du von einen Menschen entdeckt oder bedroht wirst (oder in einen Schwarm wütender Hornissen gerätst). Die Entscheidung, einzufrieren oder zu laufen, hängt von der Situation ab.

Ganz allgemein gesprochen, vermeide es, mit der Sonne im Gesicht zu tracken, besonders wenn die Sonne am Abend und Morgen niedrig über dem Horizont steht. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Zu einen ist es schwierig, ein weit entfernte Objekt gegen die Sonne zu identifizieren. Andererseits ist es für dein Zielobjekt leichter, mit der Sonne deine Kleidung zu erkennen, da nutzt auch die beste Tarnung nicht viel. Unglücklicherweise, und das ist geradezu paradox, ist es leichter, eine Spur zu verfolgen, wenn du gegen die Sonne trackst, die Schatten der Zeichen sind intensiver.

Lauschen.

Wenn du dich dem Zielobjekt näherst und die Techniken der Verfolgung ins Spiel kommen, ist es überlebenswichtig, häufigere Lausch-Pausen einzulegen. Ich verwende den Begriff „Lauschen“ anstelle von „Hören“, da das Hören eine unbewußte Tätigkeit ist, der man ohne Nachdenken nachkommt. Du (und deine Gruppe) müssen sich absolut geräuschlos verhalten, auch für leiseste Geräusche, die nicht über deine Sichtweite hinaus tragen – oder dein Zielobjekt erwischt dich, bevor du es erwischt!

Lauschpausen sollten regelmäßig eingelegt werden. Der Tracker und seine Gruppe verhalten sich völlig ruhig, halten sich am Boden liegend im Schatten und gegen einen entsprechende Hintergrund auf, sonst wird die kleinste Bewegung zu Verräter.

Um so erfolgreich wie möglich zu lauschen, wendest du den Kopf mit leicht geöffneten Mund in die Richtung, in der du lauschen willst, diese Haltung unterstützt den Mechanismus deines Ohres.

Techniken der Verfolgung

Wenn der Stalker sich an ein bestimmtes Wort erinnern sollte, ist es das Wort „unsichtbar“. Diese Wort beschreibt genau, wie die Techniken angewendet werden müssen. Die normalen Techniken wie Gehen, Kriechen oder Gleiten ändern sich je nach der Entfernung zum Zielobjekt und dem Gelände, aber immer mußt du gerissen sein und dich unsichtbar bewegen.

Wir wollen uns nun mit den Einzelheiten der verschiedenen Techniken beschäftigen, die der Tracker in der letzten Phase der Verfolgung anwenden kann.

Die vorsichtige Annäherung.

Sie besteht hauptsächlich darin, sich langsam und konzentriert in Richtung des Zielobjektes zu bewegen, wobei alle Aspekte der Umgebung einschließlich des Geländes, der Hindernisse und des Windes berücksichtigt werden. Man hat in der Regel noch keinen direkten Kontakt mit dem Zielobjekt noch weiß man, wann ein solcher erfolgen wird., du bist daher gezwungen, dich an alle Einzelheiten deiner Suche zu erinnern und ein Bild zu malen, das der Realität möglichst nahe kommt. Das erfordert selbstverständlich lange Praxis und ein geschultes Auge für Zeichen und Spuren, damit dich deine Verfolgung nicht an einen Punkt führt, an dem du von allen Seiten gesehen werden kannst.

Der gebückte Gang.

Wenn du dich einer (möglichen) Gefahrenzone näherst, solltest du dich sorgfältiger als sonst bewegen. Die beste Haltung ist dann immer noch der gebückte Gang – siehe Bild 15. Der erfordert einige Praxis beim Heben und Senken der Füße und der Balance. Die Füße werden nur leicht vorwärts bewegt, um evtl. Hindernisse ertasten zu können. Das klappt übrigens auch im Kampfstiefel! Die Zehen müssen sich beim Niedersetzen des Fußes fest in den Boden drücken. Die Knie sind leicht gebeugt und entspannt, jede Anspannung führt nach kurzer Zeit zu Krämpfen. Die Füße werden beim Bewegen immer soweit angehoben, daß sie nicht schleifen.

Geh langsam und sieht genau hin, wo du deine Füße niedersetzt. Tritt zuerst mit der Außenkante der Schuhe zu und rolle den Fuß nach innen, wobei du jederzeit damit rechnen mußt, daß sich gerade dort, wo du deinen Fuß niedersetzen willst, ein Geräusch erzeugender Gegenstand befindet. Belaste zuerst deine Fußballen, erst danach die Hacken. Dein Gewicht mußt du senkrecht von oben gleichmäßig einsetzen, damit unter dem Fuß liegende Gegenstände festgehalten werden. Erst wenn du sicher auf einem Fuß stehen und die Balance halten kannst, darfst du den anderen niedersetzen; du mußt in der Lage sein, in jeder Position einfrieren zu können . Daß du deine Arme ruhig halten mußt, versteht sich ja wohl von selbst.

Jede Bewegung sollte möglichst unsichtbar leise und unauffällig sein. Sagen wir es einmal so: Verlege dein Gehirn in deine Füße und deine Augen in deine Zehen. Der beste Platz, diese Fähigkeit zu üben, ist ein Wald oder Buschgelände mit viel trockenen Laub und Zweigen. Trage dabei Schuhe mit dünner Sohle oder dicke Socken, ganz harte Männer laufen sogar barfuß, um ihren Tastsinn zu üben.

Kriechen wie eine Katze.

Wenn der Abstand zwischen deinem Zielobjekt und die Deckungsmöglichkeiten geringer werden, ist es notwendig in den Katzengang überzugehen. Jede Hauskatze wird dir diese Gangart demonstrieren. Beobachte einmal eine Katze und ahme ihre Bewegungen nach – die Katzen sind auf Erden wohl die besten Stalker. Die Hinterläufe werden automatisch an den Stellen niedergesetzt wo sich kurz vorher noch die Vorderläufe befunden haben. Du mußt auf Händen und Füßen kriechen. Die Hände tasten den Boden ab, um den sichersten Platz für den nächsten Halt zu finden, und die Knie werden an den gleichen Stellen abgesetzt. Dabei mußt du Knie und Füße bei der Bewegung anheben und nicht nachschleifen, die gleiche Mühe mußt du darauf verwenden, die Füße nicht in die Luft zu strecken. Auch darfst du den Rücken nicht krumm wie einen Kamelrücken machen und halte deinen Hintern unten. Der Kopf ist der höchste Punkt und sollte trotzdem so niedrig wie möglich gehalten werden, ohne die Beobachtung einzuschränken. Übrigens, das Schütteln des Kopfes beim Nachdenken hilft nur deinem Zielobjekt.

Gleiten.

Zu guter Letzt noch das Gleiten wie in Bild 17 gezeigt. Gleiten wirst du immer bei der allerletzten Annäherung an die Zielobjekt. Es ist frustierend langsam und äußerst ermüdend. Leg dich flach auf den Bauch, sogar dein Kopf muß unten sein. Oberkörper und Beine werden steif gehalten, die Beine eng zusammen. Die Innenseite der Füße zeigt zum Boden, so daß der ganze Fuß flach liegt. Du mußt allerdings wissen, daß du diese Prozedur bewußt durchziehen mußt, da diese Haltung keine natürliche Haltung ist; deine Füße werden sich sehr bald selbständig machen und sich auf den Zehen aufrichten.

Nun kannst du dich vorwärts bewegen, oft nur um Zentimeter, nur durch den Einsatz deiner Hände und der Innenseite deiner Füße. Lege deine Unterarme vor deinem Kopf flach auf den Boden und ziehe den Körper unter Ausnutzung der Reibung deiner Unterarme nach vorn, deine nach außen gerichteten Zehen unterstützen durch gleichzeitigen Druck diese Bewegung. Anstelle der Unterarme kannst du auch deine Hände einsetzen, aber nicht vor deinem Kopf, sondern unter deiner Brust. Die Ellbogen sind dabei eng an den Körper gepreßt und liegen flach am Boden.

Wenn es die Lage erlaubt, darfst du den Kopf langsam aus der Deckung aufrichten. Dann kommst du schneller vorwärts, indem du dich mehr auf die Seite als auf den Bauch legst und die Knie seitwärts drehst und die Vorwärtsbewegung unterstützt. Deine Bewegungsart ist dann ein Mix von Katzengang und Gleiten.

Bei all diesen Gangarten muß der Tracker die ihn umgebende Vegetation beachten. Ist er in seinen Bewegungen nicht vorsichtig genug, werden die sich bewegenden Büsche oder Äste den Buschtelegraf einschalten: HIER ist der Lümmel!

Einfrieren.

Regelmäßig wirst du bei einer Verfolgung, sogar wenn du dich nur zentimeterweise vorarbeitest, in die Lage kommen, das du aus der Deckung heraustrittst und gesehen werden kannst, oder das dein Zielobjekt in deine Richtung blickt. In einem solchen Fall kannst du wirklich nur Eines machen. Du mußt sofort und ohne die geringste Verzögerung einfrieren, oder, wenn es die Situation zuläßt, dich langsam und sorgfältig in die nächste Deckung zurückziehen.

Unter solchen Umständen ist es am Besten, dich kriechend rückwärts zu bewegen, Körper und Beine steif halten und den Körper nur mit Zehen und Fingern bewegen. Kopf und Hände liegen dabei eng am Boden. Sogar wenn du endlich, und das kann lange dauern, in der Deckung bist, halte deinen Kopf ruhig, bewege nur deine Augen und benutze deine Ohren.

Über das Einfrieren hast du in den anderen Kapiteln schon etwas gelesen. Es ist nicht unbedingt notwendig, daß du dich hinter oder in einer Deckung verbirgst. Einen entsprechenden Hintergrund vorausgesetzt, ist es durchaus möglich, ungesehen an einer Stelle zu verharren ohne bemerkt zu werden. Dazu mußt du deinen Rumpf, die Gliedmaßen und besonders deinen Kopf ruhig halten. Das Erlernen dieser Technik setzt wie alles in diesem Geschäft eine gehörige Portion Praxis voraus, aber gleichgültig, welche andere Technik du anwendest, sie wird dich in die Lage versetzen, jederzeit und unter allen nur denkbaren Umständen für einen längeren Zeitraum einzufrieren.

Auch wenn diese Technik besonders bei Tieren höchst effektiv ist, wurde sie in dieses Handbuch mit aufgenommen, wenn es darum geht, Menschen zu verfolgen, auch wenn dabei Hintergrund, Entfernung und Beleuchtung einen wesentlich größeren Einfluß auf das Gelingen haben.

Kanadische Jäger legen großen Wert darauf, die für eine Verfolgung beste Position einzunehmen. Sie verharren nicht nur regungslos, sondern versuchen auch, eine Position einzunehmen, die in Übereinstimmung mit der Umgebung wie Büschen, Bäumen und Felsen ist. In Wäldern mit überwiegend gerade wachsenden Bäumen bewegen sie sich aufrecht, während sie im Unterholz oder Wäldern mit kreuz und quer durcheinander wachsenden Bäumen eine unnatürliche Haltung einnehmen und Körper und Arme verbiegen. Natürlich werden diese Bewegungen langsam ausgeführt, um sich nicht durch wechselnde Schatten zu verraten.

Stilles Liegen.

„Kleinigkeit“, wirst du sagen, machen wir doch mit Links! „Denkste!“ kann ich dir darauf nur antworten. Die Fähigkeit, wirklich still und unbeweglich für Stunden oder gar Tage zu sitzen oder zu liegen und dabei dein Zielobjekt nicht aus den Augen zu verlieren oder von ihm bemerkt zu werden, oder das Wild in deiner Nähe von deiner Anwesenheit abzulenken, versetzt dich in die Lage, unendlich viel zu lernen und Geduld zu üben. Mit der Geduld ist das auch so eine Sache: Die bringt der heutige zivilisierte Mensch gar nicht mehr auf, da sein Leben von Stress und Hektik geprägt ist. Beobachte doch einmal im überfüllten Wartezimmer eines Arztes die Anwesenden!

Gerade der Anfänger im Tracken wird immer wieder erstaunt darüber sein, wie sich Tiere schon bei kleinsten Bewegungen absetzen, während sie dich völlig ignorieren, wenn du dich für lange Zeit ruhig verhältst. Das geht soweit, und ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen, daß sich dir Tiere bis auf Greifnähe nähern.

Eine hochentwickelte Technik wenden Ornithologen beim Bau eines Versteckes an, welches zum Beobachten von Vögeln dient. Einzelheiten dazu sprengen den Rahmen diese Buches. Ein ernsthafter Tracker sollte aber verstehen, daß ein gutes Versteck gleichzeitig auch ein guter Beobachtungspunkt ist . Beim Baumbeobachter ist das schon schwieriger, es reicht nicht, sich auf einem Ast gemütlich niederzulassen. Auch hier mußt du mit der Form des Baumes verschmelzen.

Routenplanung.

Neben der Fähigkeit, sich still und in Deckung fortzubewegen, wird eine andere gerade vom Anfänger meistens außer acht gelassen, und das ist die Planung und Auswahl des Annäherungsweges, wie in Bild 18 gezeigt.

Scharfschützen, die auf ein militärisches Ziel angesetzt werden, werden oft mit Luftaufnahmen oder stereoskopischen Bildern ausgestattet, damit sie sich ihrem Ziel mit akribischer Genauigkeit nähern können.

Die Route wird selten direkt zum Zielobjekt führen, aber der Tracker wird die folgenden Punkte in seine Überlegungen einbeziehen, bevor er die letzte Phase der Verfolgung beginnt

Windrichtung und Stärke.

Wie du weißt, überträgt der Wind nicht nur Gerüche sondern auch Geräusche. Tracke daher nach Möglichkeit gegen den Wind.

Vegetation.

Bei Änderungen von Farbe und Form der Vegetation mußt du dich mit deiner Tarnung anpassen.

Bewegungen.

Jede Bewegung bei der Verfolgung wird dir möglicherweise unterschiedliche Bewegungsarten abverlangen. Wenn du dich z.B. hinter einer Hecke aufhältst und sicher bist, von deinem Zielobjekt nicht bemerkt zu werden, kannst du dich in gebückter Haltung bewegen, während du bei Queren eines Kornfeldes oder einer Wiese mit hohem Gran den Katzengang einlegen mußt.

Landmarken.

Zur Orientierung währen der Verfolgung mußt du dir auffallende Punkte im Gelände unbedingt merken. Diese müssen für dich sichtbar sein, ohne daß du dich zu sehr exponierst, wie z.B. Masten, Türme, hohe Einzelbäume, auffallende Hügel und natürlich der Stand von Sonn, Mond und Sterne.

Deckungen.

Überprüfe, ob die Geländemerkmale wie Gräben, Wälle, Hecken, Gebäude oder Fluß- und Bachufer deine Bewegungen zum Zielobjekt verbergen können. Viele Hecken haben Lücken und mancher Graben endet plötzlich in einer Sackgasse von Drainagen.

Blinde Punkte.

Dieses aus dem britischen militärischen Sprachgebrauch stammende Wort bezeichnet ein Gelände, das, obwohl es von einem Beobachter überblickt werden kann, aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit für ihn einen blinden Fleck bildet. Es ist für den Stalker wichtig zu wissen, daß er solche Geländeformen ohne die Gefahr der Entdeckung queren kann. ER fühlt sich zwar allen Blicken ausgesetzt, aber unter Ausnutzung der Geländeform ist es möglich, sich unbemerkt zu bewegen. Es ist auf jeden Fall sicherer, als einer lückenhaften Hecke in Sichtweite des Zielobjektes zu folgen. Natürlich mußt du dabei Wind und Geruch beachten.

Hindernisse.

Bei der Routenplanung mußt du auch die im Wege liegenden Hindernisse in deine Überlegungen einbeziehen. Du mußt in der Lage sein, wirklich jedes Hindernis zu bewältigen. Wichtig ist vor allem, daß du ein Hindernis unter keinen Umständen an der oberen Seite überwindest, dein Umriß zeichnet sich dabei immer ab. Kommst du aber nicht darum herum, tu es schnell und halte dich so nahe am Boden wie möglich, rolle dich z.B. über den Kamm eines Hügels.

Straßen.

Versuche, sie an Abzweigungen und Kreuzungen zu überqueren, evtl. Beobachter müssen ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Punkte richten.

Gepflügte Äcker.

Benutze die Furchen als Deckung.

Langes Gras und Korn.

Ändere bei Queren ständig deine Bewegungsrichtung, damit keine gleichmäßige Bewegung an den Spitzen der Pflanzen entsteht.

Beobachtungpunkte.

Du mußt deine Beobachtungspunkte und –Halte in voraus planen und dein Zielobjekt beobachten. Das ist notwendig, falls ein Tier sich bewegt hat oder ein Mensch irgendeine Aktion ausführt, die dich betreffen könnte. „Sehen ohne gesehen werden!“. Schau durch die Tarnung oder Deckung und nicht darauf.

Geräusche.

Du mußt alle Geräusche in deiner Umgebung wie von Wasser, Wind, Regen, Fahrzeuge, Meeresrauschen oder den Lärm von Luftfahrzeugen ausnutzen, um deine eigenen zu tarnen. Sorge dafür, daß deine Ausrüstung nicht klappert; am einfachsten überprüfst du das, indem du ein paar mal auf und abspringst. Überprüfe auch, ob das Material deiner Bekleidung keine Geräusche macht, besonders moderne Materialien wie Goretex o. Ä. neigen dazu, beim Berühren der Vegetation zu rascheln. Glänzende Uhren oder solche mit Piepton (ausschalten) solltest zu tief in den Taschen verstecken, ebenso wie Kasettenrecorder und Handy´s . Da die Sichtbedingungen im dicht bewachsenen Gelände stark eingeschränkt sind, mußt du deine Geräusche so reduzieren, daß sie auf keinen Fall über die Sichtweite hinaus hörbar sind. Stille ist immer wichtig. Jede unnötige Geräuschentwicklung ist zu vermeiden, sowohl mit der Stimme als auch mit der Bewegung. Da der Tracker alle Geräusche vermeiden muß, haben militärische Tracker eine Reihe von Handzeichen entwickelt.

Sei aber vorsichtig, wenn du über eine längere Zeit gleichförmige Geräusche hörst, sie könnten von deinem Zielobjekt zu Tarnungs- und Verschleierungszwecken erzeugt worden sein.

Das gleichförmige Rauschen oder Rieseln von Wasserläufen hat eine einschläfernde Wirkung!

Abhänge.

Führt dich die Verfolgung in hügeliges oder bergiges Gelände, versuche soweit wie möglich eine Position oberhalb deines Zielobjektes zu finden, ohne daß du aber gegen den Horizont oder Himmel abzeichnest. Tiere neigen dazu, zuerst nach von unten kommenden Gefahren Ausschau zu halten. Im bergigen Gelände mußt du lose liegende Steine immer meiden.

Verfolgen von Tieren.

Äsende Tiere heben ihre Köpfe in relativ gleichmäßigen Intervallen. Du mußt jede schnelle oder schwunghafte Bewegung vermeiden, um die Tiere nicht zur in der Regel schnellen Flucht zu bringen.

Ausweichrouten.

Nachdem du die Hauptannäherungsroute zu Zielobjekt bestimmt hast, solltest du immer auch Ausweichrouten mit einplanen, um bei wechselnden Bedingungen wie Änderungen der Windrichtung, Bewegungen des Zielobjektes oder plötzliches Erscheinen einer dritten Partei eine Alternative zu haben.

Handzeichen.

Handzeichen, hier in Bild 19 gezeigt, sind ein vor jeder Verfolgung in der Gruppe abzusprechendes Muß! Selbstverständlich ist es der Gruppe unbenommen, ihre eigenen zusätzliche Handzeichen zu vereinbaren. Allerdings sollte man nicht zu viele Zeichen verwenden, das führt nur zur Konfusion. Denke daran, daß Handzeichen u.U. lebenswichtig sein können, besonders wenn sich die Gruppe in Sicht- und Hörweite des Zielobjektes befindet.

Die Tracker- und Stalkergruppe.

Der Tracker und nicht der Gruppenführer hat bei einer Verfolgung in einer Gruppe das Kommando. Die Gruppe unterstützt den Tracker/Stalker bei seiner Arbeit und hält ihn den Rücken frei. Erst wenn das Zielobjekt erreicht wurde, übernimmt der Gruppenführer wieder das Kommando. Das mag den militärischen Gepflogenheiten widersprechen, hat sich aber in der Praxis durchaus bewährt.

Übungen und Praktiken für den Ausbilder.

Verfolgen wird normalerweise mit der Jagd auf Großwild in Verbindung gebracht, es ist aber für die Ausbildung unerheblich, wie groß das Tier ist. Auch mit kleineren Tieren wie Hase, Katze, Hund usw. kann man die Ausbildung betreiben.

Bevor die Schüler zum ersten Mal in die Praxis einsteigen, sollte der Ausbilder sicherstellen, daß sie sich mit den bisher beschriebenen Grundlagen auskennen, besonders den einzelnen Gangarten und wie man sich im Gelände bewegt. Diese Vorbereitungen müssen immer wieder durch die Einlage „Einfrieren“ unterbrochen werden.

Wir sind jetzt in der Lage, eine volle Verfolgungsübung durchzuführen. Um den Schülern die Spannung zu erhalten, wird ihnen gesagt, daß diese Übung auf dem Auswahllehrgang für Scharfschützen basiert.

Alles was der Ausbilder benötigt, sind zwei mit DF ausgestattete Beobachter, welche die Schüler begleiten, ein entsprechendes Gelände und eine Kommunikationsmöglichkeit zwischen Ausbilder und seinen Helfern. Wie gut, daß es Handy´s gibt!

Die Schüler werden kurz eingewiesen:

Die Schüler arbeiten zunächst einmal die Einzelheiten ihres Vorgehens aus. Die Beobachter befinden sich in Sichtweite der Schüler, aber soweit entfernt wie möglich. Am Besten ist natürlich ein Beobachter für jeden Schüler, da sich diese zwangsläufig verschiedene Wege zum Zielobjekt wählen werden. Wenn der Beobachter der Meinung ist, er habe einen der Schüler gesehen, wird er den Ausbilder zum Schüler schicken, um dessen Verhalten zu überprüfen. Der Ausbilder hilft allerdings weder den Schülern noch den Beobachtern. Hat ein Schüler seine letzte Position vor Erreichen des Zielobjektes erreicht, meldet er sich beim nächsten Beobachter. Dieser nähert sich dem Schüler auf 10 Meter und informiert den Ausbilder, daß er drei Minuten Zeit hat, den Schüler zu entdecken. Schafft der Ausbilder das nicht, nähert sich der Beobachter bis auf 5 Meter und dann auf Armeslänge.

Die Beobachter sollten auch von den Schülern gestellt werde, um so die beide Seiten der Medaille kennen zu lernen.

Die Wahl des geeigneten Geländes ist von großer Wichtigkeit. Um die Schüler nicht zu entmutigen, sollte man mit einfachen Aufgaben beginnen und mit fortschreitender Erfahrung die Schwierigkeiten erhöhen.

Bei der Abschlußbesprechung muß der Ausbilder die Goldenen Regeln der Verfolgung heraus arbeiten:

Das Risiko beginnt immer beim Beginn einer Verfolgung!

Dieses kleine Ausbildungsbeispiel bereitet den Schüler darauf vor, Geduld zu üben, genau zu planen und sich alle Techniken für eine erfolgreiche Verfolgung anzueignen.


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