Diese Techniken sind in erster Linie dazu gedacht, auf ein menschliches Zielobjekt zu tracken.
Es ist nun einmal eine physikalische Tatsache, daß ein jeder Mensch Zeichen seiner Anwesenheit hinterläßt, auch wenn er die größte Sorgfalt darauf verwendet, keine zu hinterlassen. Die Sichtbarkeit der Zeichen hängt von den im Kapitel 4 genannten Faktoren ab, aber der Wert dieser Zeichen für den Tracker wird durch seine Erfahrung bestimmt.
Jede militärische Einheit und jeder Flüchtling, der vermutet, daß er verfolgt wird, ist gut beraten, ihre Verfolger auf jede nur dienliche Art und Weise zu täuschen. Das Ziel ist, Raum und Zeit zu gewinnen und, in einigen militärischen Fällen, die Verfolger in einen Hinterhalt zu lenken.
Ein Blick auf die Grundlagen der Täuschung wird einem Tracker schnell bewußt machen, daß es zahlreiche Möglichkeiten für ein Zielobjekt gibt, die Verfolger zu irritieren, abzulenken oder gar völlig abzuhängen. Einfallsreichtum, List und Phantasie helfen dem Tracker beim Täuschen. Bevor aber der Tracker und seine Gruppe die Täuschungen planen und durchführen, ist es äußerst wichtig, daß sie kein noch so kleines Zeichen ihrer Anwesenheit für die Verfolger zurück lassen.
Sprechen wir also über die wichtigsten Täuschungsmanöver:
Ein kluger Gegner wird immer eine ganze Reihe von Täuschungsmanövern einsetzen, um die Arbeit des Trackers zu verlangsamen. Aber auch das, obwohl es den Tracker behindert, mußt du als Zeichen der Anwesenheit deiner Gegner betrachten – sie sind wachsam, gut ausgebildet und daher gefährlich. In einer solchen Lage muß der militärische Tracker ständig damit rechnen, daß die Spur mit Fallen versehen ist oder daß ein Hinterhalt gelegt wurde.
Sprechen wir also die Einzelheiten der wichtigsten Täuschungsmanöver einmal durch. Dabei werden wir auf die Zeichen eingehen, die dem Tracker Hinweise auf Täuschungsmanöver des Gegners geben. Der Anfänger wird schnell bemerken, daß sich einige Manöver in bestimmten Umgebungen besser anwenden lassen als andere.
Das rückwärts gehen in der eigenen Spur soll dem Verfolger eine um 180° geänderte Marschrichtung vorgaukeln, wenn ein Tracker aber nur wenige Ausprägungen dieses Manövers kennt, wird ihm das aber eine Hilfe sein, die Täuschung zu durchschauen:
Nur wenn ein Tracker sehr gut in seiner Arbeit ist, wird dieses Manöver erfolgreich sein. Durch die Nachahmung und Überlagerung der eigenen Spur mit einer anderen, z.B. der Spur eines Hundes oder Wildschweines, mit einem scharfen Stock in den Boden gedrückt, kann dem im Lesen von Wildspuren ungeübten Verfolger ein X für ein U vorgemacht werden.
Eine Spur völlig zu verwischen, ist fast unmöglich, das schaffen nur Naturvölker, daher ist eine verwischte Spur für einen Tracker ein Bonus. Das Zielobjekt versucht, die eigene Spur durch Verwischen mit Zweigen oder Überlagern mit Sand, Blättern, Bruchholz, Steinen und Erde zu verstecken. Verwischte Zeichen führen dich aus dem behandelten Gelände in unbehandeltes. Untersuche dabei, warum und wie die Zeichen verwischt wurden und wohin sie führen,
Das kannst du nur erfolgreich machen, wenn du dich in einer felsigen Gegend mit großen Steinen aufhältst, die groß und stabil genug sind, um sich beim darauf treten nicht zu bewegen. Der Stein muß schon sehr groß sein, um kein Zeichen zu hinterlassen, weil sich nach einiger Zeit Sand und Schmutz an der Basis ansammeln. Hast du ihn betreten und der Stein bewegt sich, wird die Ablagerung sich verschieben und eine kleine Spalte am Rande des Steines entstehen, die sich durch einen scharfen Schatten oder eine Farbänderung bemerkbar macht. Dieses Manöver ist besonders über eine längere Distanz schwierig zu durchschauen.
Durch die Übertragung anderer Materialien vom Boden auf den Stein wird dir das Tracken aber erleichtert.
Ein sehr besonders in der Nacht ermüdendes Manöver. Einen erfahrenen Tracker ist es leicht, eine solche Spur zu verfolgen, da sich die sehr tief eindrücken und die Schrittlänge kürzer wird.
Wenn sich die Anzahl der Zeichen in der Spur plötzlich vermindert (du hast ja gelernt, sie zu zählen), mußt du davon ausgehen, daß eine oder mehrere Personen die gemeinsame Spur für dich zunächst einmal unbemerkt verlassen haben. Durch überprüfen des Geländes rechts und links der Spur kannst du aber diese Absprungpunkte wiederfinden. Das gibt dir eine weitere wichtige Information: nimmt das Zielobjekt nämlich an, daß seine Täuschung gewirkt hat, wird es entspannter und damit unaufmerksamer werden.
So ein Absprungpunkt kann ein Anzeichen dafür sein, daß der Gegner seinen routinemäßigen tägliche Beobachtungspunkt bezieht oder einen Hinterhalt legt. Es ist also hier besondere Vorsicht und Alarmbereitschaft angebracht.
Das funktioniert ähnlich wie beim Verlassen der Spur, nur daß du sicher sein kannst, die verfolgte Gruppe wird sich irgendwo und irgendwann wieder zusammenfinden. Auch hier ist die Anzahl der Zeichen ein wichtiger Hinweis für dich. Hier gilt, folge der Spur mit den meisten oder deutlichsten Zeichen.
Das wird in der vergeblichen Hoffnung gemacht, daß Zeichen und Spuren im Wasser schwerer zu entdecken sind als an Land. In Wirklichkeit erleichtert es dem Tracker seine Arbeit, da sich die kleinen und mittelgroßen Steine im Flußbett schnell verschieben, umdrehen und so durch ihre Farbveränderungen auffallen. Bewegt sich das Zielobjekt durch tieferes Wasser, sind die Ausgänge in der Regel feucht durch das Übertragen von Wasser vom Fluß auf das Ufer, schlammige Ufer zeigen Spuren oder Abrieb an Büschen oder Gras zeigen an, wo sich das Zielobjekt aus den Wasser gezogen hat.
Auch wenn das kein reines Täuschungsmanöver ist, muß es doch angesprochen werden, um deutlich zu machen, was militärische Tracken bedeutet. Wenn die Richtung der Spur sich gleichmäßig und stetig ändert und einen Bogen beschreibt, sollte man annehmen, daß der Gegner sich so gelegt hat, daß die eigene Gruppe direkt vor seiner Stellung vorbeigehen muß. Bei frischen Zeichen und Spuren wird es gefährlich, aber bei alten Spuren sollte man die Gelegenheit nutzen, gegnerische Stellungen oder Beobachtungspunkte zu suchen, um dort Informationen zu sammeln.
Kenntnis und Anwendung von Täuschungsmanövern sind für den Tracker überlebenswichtig und sollten spätestens in der Mitte der Ausbildung geübt werde. Nur wenn ein Tracker darüber genauestens informiert ist, kann er den Manövern des Gegners begegnen. Bei Täuschungsmanövern geht es Mann gegen Mann und der Verfolgte ist ein sehr gefährliches Tier. Er wendet Täuschungsmanövern gegen den Verfolger aus drei Gründen an:
Um Zeit zu gewinnen.
Den Verfolger abzuschütteln.
Den Verfolger zu töten.