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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

16. Verlorene Spuren wiederfinden

Tracker sind auch nur Menschen, auch wenn manche ihrer Fähigkeiten dem Uneingeweihten kurios erscheinen mögen. Und da Menschen Fehler machen, ( na ja, fast alle: es gibt ja solche, die vorgeben, aufgrund ihres Berufes keine zu machen, BSE läßt grüßen) machen auch Tracker ihre Fehler. Gleichgültig wie erfahren ein Tracker auch ist: er wird oft die Spur verlieren! In diesem Fall muß er sich auf die Techniken stützen, die wir in diesem Kapitel beschreiben. Sie werden ihm helfen, verlorenen Spuren wiederzufinden.

Bei der Anwendung dieser Techniken muß sich der Tracker zweier wichtiger Faktoren bewußt sein:

Als Soldaten sind wir gewohnt, uns mit Abkürzungen herumzuschlagen; wir werden also den Begriff des

Lost Track Drill (LTD), das Wiederfinden von verlorenen Spuren, verwenden.

 

Das letzte einwandfrei definierte Zeichen.

Wie im Kapitel 12 beschrieben, hilft der TPD dem Tracker, einer sichtbaren Spur seines Zielobjektes zu folgen. Die Folge ist, daß er auch in der Lage sein muß, ein verlorenen Spur wieder zu finden, wobei die Betonung auf dem Wiederfinden des letzten definierten Zeichens liegt, unabhängig davon, ob schlüssig oder zu begründend ist. Als Tracker mußt du in der Lage sein, jederzeit das letze untersuchte Zeichen wiederfinden zu können. Dabei mußt du dich oft an bestimmten Merkmalen in deiner Nähe orientieren, wie Bäumen, Steinen, einen bestimmten Busch oder Weidezaun, um den Kontakt mit dem Zielobjekt wiederherzustellen.

Das Wiederfinden des letzten Zeichens ist die Crux des LTD und darum denke ich, das es die Sache wert ist, einen einfachen Trick vorzustellen, welcher dir das Leben erleichtert. Mit der Ausnahme des militärischen Trackings ist es sehr hilfreich, wenn du das letzte Zeichen durch einen kleinen aber sichtbaren Stock markierst, ein kleines hell gefärbtes Tuch erfüllt den gleichen Zweck.

Professionelle Tracker zerlegen den LTD in die folgenden Schritte:

Einleitendes Finden.

  1. Lege vom letzten definierten Zeichen aus die Hauptbewegungsrichtung deines Zielobjektes fest.
  2. Ziehe in Gedanken einen Halbkreis von 1 m Durchmesser um dieses Zeichen. Untersuche den Halbkreis von links nach rechts und von rechts nach links. Überprüfe Hintergrund, Mittelgrund und Vordergrund im Stehen, Knien und auf dem Bauch liegend. Benutze nach Möglichkeit ein DF, um Zeichen zu erkennen, die du sonst mit dem bloßen Auge übersehen wirst.
  3. Wenn du während des einleitenden Suchens ein Zeichen oder eine Spur findest, die vom Zielobjekt verursacht sein könnten, folge ihnen ein paar Meter. Wenn du Glück und einen Treffer gelandet hast, befolge die Techniken des TPD.
  4. Hast du aber Pech und kein Zeichen gefunden, mache mit dem erweiterten Finden weiter.

Bild 36 - Einleitendes Finden .

Erweitertes Finden.

  1. Teile deinen Suchbereich in zwei weitere kleinere Bereiche auf. Überprüfe jeden Bereich mindestens 2x, beginnend von links nach rechts und wieder zurück, aber nicht mehr als auf eine Distanz von 4-5 m.
  2. Ziehe dich jedesmal auf das letzte Zeichen zurück, wenn du kein Zeichen gefunden hast, und versuche es in einem anderen Bereich.
  3. Verwende die Techniken wie beim einleitenden Suchen.
  4. Wenn du während des einleitenden Suchens ein Zeichen oder eine Spur findest, die vom Zielobjekt verursacht sein könnten, folge ihnen ein paar Meter. Wenn du Glück und einen Treffer gelandet hast, befolge die Techniken des TPD.
  5. Hast du aber Pech und kein Zeichen gefunden, mache mit dem Einleitenden Suchen weiter.

Erweitertes Finden Bild 37.

Einleitendes Suchen.

  1. Bewege dich vom letzten definierten Zeichen in deiner eigenen Spur bis max. 20 m zurück.
  2. Bewege dich dann in einem Kreis von 20 m Durchmesser um das letzte definierte Zeichen.
  3. Es ist dir überlassen, ob du dich in oder gegen den Uhrzeigersinn bewegst. Du wirst schnell feststellen. daß deine Bewegungen von der Hauptmarschrichtung deines Zielobjektes, der Bodenbeschaffenheit und deiner eigenen Vorstellung darüber, was das Zielobjekt am wahrscheinlichsten machen wird, beeinflußt werden.
  4. Die Ziel ist es, die Spur des Zielobjektes zu überqueren. Überquerst du dann eine Spur, mußt du zuerst sicherstellen, daß es auch die von dir verlorene Spur ist, indem du das Alter der Spur bestimmst. Überprüfe dann durch Zurückschauen auf die eigene Spur, daß das erste der gefundenen Zeichen auch mit dem letzten definierten Zeichen verbunden ist. Schau auch ein paar Schritte nach vorne um sicherzustellen, daß du nicht in einer Sackgasse gelandet bist (Täuschungsmanöver!)
  5. Hast du ein oder mehrere Zeichen deines Zielobjektes gefunden, schließe unter weiterer Beachtung dieser Techniken den Kreis. Der Grund dafür ist, daß sich andere Zielobjekte als das gesuchte ohne dein Wissen durch den Kreis bewegt haben können. Falls das der Fall ist, mußt du alle ein Zeichen beeinflussenden Faktoren wie Alter, Größe, Schrittlänge und Tiefe der Eindrücke in deine Rechnung einbeziehen.
  6. Hast du aber Pech und kein Zeichen gefunden, mache mit dem Erweiterten Suchen weiter.

Einleitendes Suchen Bild 38.

Das einleitende Suchen kann bis zu einer Stunde dauern.

Erweitertes Suchen.

Die Techniken beim erweiterten Suchen sind die gleichen wie beim einleitenden Suchen, nur daß jetzt der Durchmesser des Suchkreises auf 50-100 m mit dem letzten definierten Zeichen als Mittelpunkt ausgeweitet wird.

Alle bisher beschriebenen Techniken gehen davon aus, das dir ein dem Zielobjekt genau zuzuordnendes Zeichen direkt vor deiner Nase liegt. Das Finden und Suchen allein hilft dir aber nicht immer weiter. Du bist oft gezwungen, die Spur des Zielobjektes in einem Gelände zu finden, wo du sie trotz aller deiner Kunst nicht vermutet hast. Also machst du dich auf in der Hoffnung, trotz aller Widrigkeiten doch noch den 6-er im Lotto des Tracking zu ergattern.

Erweitertes Suchen Bild 39.

Suche an Flußläufen und Bächen.

Suche an Flußläufen und Bächen Bild 40.

1. Dies ist wohl die am häufigsten angewendete Suchmethode. Angewendet wird sie aus zwei Gründen

2. Lege die bisher bekannte Hauptmarschrichtung deines Zielobjektes fest. Hast du eine Karte, überprüfe sie auf Wasserläufe in der Achsrichtung, bestehend aus deiner eigenen Spur und der vermuteten Hauptmarschrichtung deines Zielobjektes.

3. Die vorhandene Wassermenge und ihre Distanz zu deinem Standort bestimmen in Abhängigkeit von der Art des Zielobjektes ihr Verhalten und ihre Wanderwege am und zum Wasser. Für große Tiere – Menschen, Rotwild, Wildschweine, Füchse usw. mußt du deine Karte auf eine Entfernung bis zu 5 Km auf das Vorhandensein von Wasser überprüfen. Bei kleineren Tieren kannst du die Suchentfernung verringern, aber bedenke, daß es auch Wasserstellen geben wird, die nicht in deiner Karte eingezeichnet sind aber vom Zielobjekt genutzt werden, wie Gräben oder Kuhtränken.

4. Wenn du auf deiner Karte eine Wasserstelle gefunden hast, wende die im Kapitel 20 beschriebenen Techniken des Kartenlesens an – stelle deinen eigenen Standort fest, richte deinen Kompaß aus und arbeite dich zu der gesuchten Position vor.

5. Bei der Suche nach einem Kurs entlang eines Gewässers hat sich die folgende Prozedur als sehr erfolgreich bewährt:

6. Jetzt mußt du auf deine, hoffentlich umfangreichen, Kenntnisse der Zeichen zurückgreifen, die in Verbindung mit Wasser stehen.

7. An schmalen Fluß- oder Bacharmen gehst du zuerst 50-100 m in der einen Richtung, überquerst das Gewässer und geht’s die gleiche Strecke wieder zurück, solange, bis du den Hauptstrom wieder erreicht hast.

Durchsuchen ähnlicher Flächen.

Bei dieser Strategie versuchen wir, uns in die Situation des Zielobjektes hinein zu denken und vorherzusagen, was es wohl als Nächstes unternehmen wird. Hier kannst du sehen, wie wichtig es für dich ist, das Bild aller Zeichen und Spuren ständig im Gedächnis zu haben.

Die folgenden Faktoren mußt du berücksichtigen:

Die besten Ergebnissen erhältst du

Alle anderen Geländeformen kannst du außer acht lassen.

Abschlußbetrachtungen.

Das Ziel des LTD ist, dem Tracker bei der Suche nach einer verlorenen Spur zu unterstützen. Du mußt genau wissen, wo das letzte definierte Zeichen ist und den beschriebenen Prozeduren genau folgen, um nicht deinen eigenen aber unbestätigten Vermutungen zu unterliegen. Hast du beim erweiterten Finden kein Zeichen gefunden, ist es ziemlich sicher, daß das letzte Zeichen des Zielobjektes weiter hinten zu finden ist. Das ist auch der Grund, daß das einleitende Finden die besten Ergebnisse erzielt.

Vermeide es bei der Verfolgung, daß du mit deiner eigenen Spur die des Zielobjektes überlagerst. Gehe bei Kleintieren neben der Spur; bei Menschen und größeren Tieren kannst du zwischen den Spuren gehen. Das Allerletzte, was du dir wünschen kannst, ist, nachdem du stundenlang versucht hast, die Spur des Zielobjektes zu finden, wenn du plötzlich deiner eigene Fährte folgst, und das ggf. über Stunden.

Frage dich immer: Was würde ich tun, wenn ich in der Situation des Zielobjektes wäre? Aber um das zu erreichen, mußt du ein klares Bild des Zielobjektes, seiner Kondition und seiner Einstellung machen. Das trifft immer dann zu, wenn du auf Tiere oder Menschen trackst. Bei Tieren ist es etwas einfacher, da Tiere ein ganz bestimmtes artspezifisches Verhalten an den Tag legen, was man von Menschen nun wirklich nicht behaupten kann!

Du kannst eine Spur durch Mangel an Konzentration als auch durch einen Mangel an Informationen verlieren, denke also immer daran:

Tracking ist ermüdend!

Laß dich nicht verwirren!

Denke wie dein Zielobjekt!

In den nächsten Kapitel werden wir uns mit fortgeschritten Techniken beschäftigen:


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