Tracker sind auch nur Menschen, auch wenn manche ihrer Fähigkeiten dem Uneingeweihten kurios erscheinen mögen. Und da Menschen Fehler machen, ( na ja, fast alle: es gibt ja solche, die vorgeben, aufgrund ihres Berufes keine zu machen, BSE läßt grüßen) machen auch Tracker ihre Fehler. Gleichgültig wie erfahren ein Tracker auch ist: er wird oft die Spur verlieren! In diesem Fall muß er sich auf die Techniken stützen, die wir in diesem Kapitel beschreiben. Sie werden ihm helfen, verlorenen Spuren wiederzufinden.
Bei der Anwendung dieser Techniken muß sich der Tracker zweier wichtiger Faktoren bewußt sein:
Als Soldaten sind wir gewohnt, uns mit Abkürzungen herumzuschlagen; wir werden also den Begriff des
Lost Track Drill (LTD), das Wiederfinden von verlorenen Spuren, verwenden.
Wie im Kapitel 12 beschrieben, hilft der TPD dem Tracker, einer sichtbaren Spur seines Zielobjektes zu folgen. Die Folge ist, daß er auch in der Lage sein muß, ein verlorenen Spur wieder zu finden, wobei die Betonung auf dem Wiederfinden des letzten definierten Zeichens liegt, unabhängig davon, ob schlüssig oder zu begründend ist. Als Tracker mußt du in der Lage sein, jederzeit das letze untersuchte Zeichen wiederfinden zu können. Dabei mußt du dich oft an bestimmten Merkmalen in deiner Nähe orientieren, wie Bäumen, Steinen, einen bestimmten Busch oder Weidezaun, um den Kontakt mit dem Zielobjekt wiederherzustellen.
Das Wiederfinden des letzten Zeichens ist die Crux des LTD und darum denke ich, das es die Sache wert ist, einen einfachen Trick vorzustellen, welcher dir das Leben erleichtert. Mit der Ausnahme des militärischen Trackings ist es sehr hilfreich, wenn du das letzte Zeichen durch einen kleinen aber sichtbaren Stock markierst, ein kleines hell gefärbtes Tuch erfüllt den gleichen Zweck.
Professionelle Tracker zerlegen den LTD in die folgenden Schritte:

Bild 36 - Einleitendes Finden .

Erweitertes Finden Bild 37.

Einleitendes Suchen Bild 38.
Das einleitende Suchen kann bis zu einer Stunde dauern.
Die Techniken beim erweiterten Suchen sind die gleichen wie beim einleitenden Suchen, nur daß jetzt der Durchmesser des Suchkreises auf 50-100 m mit dem letzten definierten Zeichen als Mittelpunkt ausgeweitet wird.
Alle bisher beschriebenen Techniken gehen davon aus, das dir ein dem Zielobjekt genau zuzuordnendes Zeichen direkt vor deiner Nase liegt. Das Finden und Suchen allein hilft dir aber nicht immer weiter. Du bist oft gezwungen, die Spur des Zielobjektes in einem Gelände zu finden, wo du sie trotz aller deiner Kunst nicht vermutet hast. Also machst du dich auf in der Hoffnung, trotz aller Widrigkeiten doch noch den 6-er im Lotto des Tracking zu ergattern.

Erweitertes Suchen Bild 39.

Suche an Flußläufen und Bächen Bild 40.
1. Dies ist wohl die am häufigsten angewendete Suchmethode. Angewendet wird sie aus zwei Gründen
- Tiere brauchen Trinkwasser
- Die Ufer sind ein hervorragendes Medium für Spuren aller Art.
2. Lege die bisher bekannte Hauptmarschrichtung deines Zielobjektes fest. Hast du eine Karte, überprüfe sie auf Wasserläufe in der Achsrichtung, bestehend aus deiner eigenen Spur und der vermuteten Hauptmarschrichtung deines Zielobjektes.
3. Die vorhandene Wassermenge und ihre Distanz zu deinem Standort bestimmen in Abhängigkeit von der Art des Zielobjektes ihr Verhalten und ihre Wanderwege am und zum Wasser. Für große Tiere – Menschen, Rotwild, Wildschweine, Füchse usw. mußt du deine Karte auf eine Entfernung bis zu 5 Km auf das Vorhandensein von Wasser überprüfen. Bei kleineren Tieren kannst du die Suchentfernung verringern, aber bedenke, daß es auch Wasserstellen geben wird, die nicht in deiner Karte eingezeichnet sind aber vom Zielobjekt genutzt werden, wie Gräben oder Kuhtränken.
4. Wenn du auf deiner Karte eine Wasserstelle gefunden hast, wende die im Kapitel 20 beschriebenen Techniken des Kartenlesens an – stelle deinen eigenen Standort fest, richte deinen Kompaß aus und arbeite dich zu der gesuchten Position vor.
5. Bei der Suche nach einem Kurs entlang eines Gewässers hat sich die folgende Prozedur als sehr erfolgreich bewährt:
- Wenn du das Ufer erreicht hast, stelle anhand deiner Karte sicher, daß du auch an der richtigen Stelle gelandet bist - denke daran, daß nicht alle Gewässer in der Karte eingezeichnet sein können.
- Entscheide dich, in welcher Richtung du dem Gewässer folgen willst und wie lange. Du mußt es strikt vermeiden, eigene Spuren zu hinterlassen. Plane deine Bewegungen in voraus und halte dich daran.
- Überprüfe zuerst, ob dein Zielobjekt das Gewässer überquert hat.
- Bevor du ins Wasser gehst, überprüfe den Grund des Gewässers auf Zeichen, aus denen du schließen kannst, daß dein Zielobjekt nicht an deinem Eingang das Wasser verlassen hat.
- Teile deine Suche in kurze Strecken auf – 20-30 m an jedem Ufer und in jeder Richtung, um einen Ausgang zu finden.
6. Jetzt mußt du auf deine, hoffentlich umfangreichen, Kenntnisse der Zeichen zurückgreifen, die in Verbindung mit Wasser stehen.
7. An schmalen Fluß- oder Bacharmen gehst du zuerst 50-100 m in der einen Richtung, überquerst das Gewässer und geht’s die gleiche Strecke wieder zurück, solange, bis du den Hauptstrom wieder erreicht hast.
- Halte nach Verfärbungen des Wassers Ausschau. Wenn dein Zielobjekt im Wasser stromaufwärts gegangen ist, können Abfälle, Sand, Erde, Blätter und kleine Äste mit der Strömung treiben.
- Überhängende Zweige haben in der Regel einen hohen Wassergehalt, daher sind sie weich und machen es einem Zielobjekt leicht, unbemerkt Rinde, Blätter oder kleine Zweige abzustreifen – halte nach diesen Zeichen Ausschau.
- Ist das Wasser klar und der Grund sichtbar, ist es möglicherweise ein Weg. Bewege dich langsam vorwärts, halte Ausschau nach Fußabdrücken, Steinen (aus deiner Praxis als Tracker kannst du ja feststellen, wie Steine in ihrem natürlichen Umfeld aussehen), angetriebenes Holz oder andere von den Steine eingefangene Vegetationsteile und Geröll im Flußbett
- Gestörte überhängende Vegetation und Spinnennetze zeigen dir den Durchgang eines Tieres an – das ist kein zu begründendes Zeichen!
- Fast alle Ufer haben weichen Untergrund und werden unter der Last eines Zielobjektes zerbröckeln oder andere Zeichen hinterlassen, wenn er das Wasser verläßt, oft unter Hinterlassung von Fußabdrücken, Rutsch- oder Schleuderspuren.
- Jedes Zielobjekt, welches ein Gewässer verläßt, wird zwei verräterische Spuren hinterlassen:
· Wassertropfen in der unmittelbaren Umgebung seines Ausgangs (das Alter der Spuren und das Wetter beeinflussen die Zeichen)
· Abhängig von der Beschaffenheit des Grundes wird Material übertragen werden – Sand, Schlamm und kleine Steinchen.- Gleichgültig ob du stromab oder stromauf trackst, achte auf überhängende Äste. Nahe am Wasser bilden sie Hindernisse und alles, was sich unter ihnen hindurch bewegt, hinterläßt Zeichen.
Bei dieser Strategie versuchen wir, uns in die Situation des Zielobjektes hinein zu denken und vorherzusagen, was es wohl als Nächstes unternehmen wird. Hier kannst du sehen, wie wichtig es für dich ist, das Bild aller Zeichen und Spuren ständig im Gedächnis zu haben.
Die folgenden Faktoren mußt du berücksichtigen:
Die besten Ergebnissen erhältst du
Alle anderen Geländeformen kannst du außer acht lassen.
Das Ziel des LTD ist, dem Tracker bei der Suche nach einer verlorenen Spur zu unterstützen. Du mußt genau wissen, wo das letzte definierte Zeichen ist und den beschriebenen Prozeduren genau folgen, um nicht deinen eigenen aber unbestätigten Vermutungen zu unterliegen. Hast du beim erweiterten Finden kein Zeichen gefunden, ist es ziemlich sicher, daß das letzte Zeichen des Zielobjektes weiter hinten zu finden ist. Das ist auch der Grund, daß das einleitende Finden die besten Ergebnisse erzielt.
Vermeide es bei der Verfolgung, daß du mit deiner eigenen Spur die des Zielobjektes überlagerst. Gehe bei Kleintieren neben der Spur; bei Menschen und größeren Tieren kannst du zwischen den Spuren gehen. Das Allerletzte, was du dir wünschen kannst, ist, nachdem du stundenlang versucht hast, die Spur des Zielobjektes zu finden, wenn du plötzlich deiner eigene Fährte folgst, und das ggf. über Stunden.
Frage dich immer: Was würde ich tun, wenn ich in der Situation des Zielobjektes wäre? Aber um das zu erreichen, mußt du ein klares Bild des Zielobjektes, seiner Kondition und seiner Einstellung machen. Das trifft immer dann zu, wenn du auf Tiere oder Menschen trackst. Bei Tieren ist es etwas einfacher, da Tiere ein ganz bestimmtes artspezifisches Verhalten an den Tag legen, was man von Menschen nun wirklich nicht behaupten kann!
Du kannst eine Spur durch Mangel an Konzentration als auch durch einen Mangel an Informationen verlieren, denke also immer daran:
Tracking ist ermüdend!
Laß dich nicht verwirren!
Denke wie dein Zielobjekt!
In den nächsten Kapitel werden wir uns mit fortgeschritten Techniken beschäftigen: