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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

17. Ausbildung von Trackern

Du wirst es sicher schon bemerkt haben, daß viele Abschnitte dieses Leitfadens ganz besonders auf die Personen zugeschnitten sind, die mit der Ausbildung oder der Verantwortung von Trackern befaßt sind. Wo sich das Material einem bestimmten Thema wie Verfolgung oder Überwachung zuordnen läßt, habe ich es in dem entsprechenden Kapitel belassen. Was du in den folgenden Kapiteln finden wirst, sind Hilfen für die Ausbildung von Trackern und die fortgeschrittenen Techniken des Trackings.

Das Layout dieses Leitfadens kann als allgemeine Richtlinie für die Reihenfolge dienen, in der in den einzelnen Themen ausgebildet wird.

Bei einigen Gruppen von Schülern kann es notwendig sein, das Interesse in einer praktischen und spektakulären Weise zu wecken, indem man zu Beginn der Ausbildung der Spur eines lebenden Zielobjektes folgt; auf jeden Fall aber müssen die Grundlagen wie Training der Sinne, Verfolgung usw. so früh wie möglich in einer dem Ausbildungsstand angepaßten Rahmen erfolgen. Wenn die bei der Beobachtung notwendigen Kenntnisse nicht geschult werden, wird sich der angehende Tracker schnell verwirren lassen und die Lust am Thema verlieren.

Man muß dem Schüler klar machen, daß jedes Ausbildungsthema weiter in die Tiefe reicht, als er zunächst annehmen wird. Wird er aber von einem enthusiastischen Ausbilder langsam aber stetig durch das Programm geführt und die Ausbildungsabschnitte mit Pep abgearbeitet werden, wird er das Ganze als Herausforderung und nicht als lästige Pflicht betrachten.

Wenn du einem angehenden Tracker den Auftrag erteilst, der Spur eines Kfz auf einem staubigen Weg über einen halben Kilometer zu folgen, wird er das sehr wahrscheinlich ohne größere Schwierigkeiten bewältigen; soll er aber der Spur eines Menschen auf steinigen Grund verfolgen, wird er garantiert nach 10-15 Minuten das Handtuch werfen. Die Ausbildung muß irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegen.

Kein noch so gut aufgebautes Handbuch kann die Praxis ersetzen, und, wie viele machenswerte Dinge, ist auch Tracking kein leichtes Geschäft und bedarf ständiger Praxis. Tracker denken eben wie Tracker: jede Umgebung ist prall gefüllt mit Zeichen, deren Interpretation eine Herausforderung an deine Sinne darstellen . Es gibt Situationen beim Tracken, die für den Schüler besser geeignet sind als andere – Schnee, Sand, Schlamm sind ideale Tracking-Medien. Oft ist der frühe Morgen die beste Zeit für die praktische Ausbildung

Dieses Kapitel wendet sich an die Personen, die sich mit der Ausbildung generell beschäftigen:

Übungen und Unterricht.

Zunächst einmal will ich dir eine Aufstellung von Übungen geben und dazu ein paar Anmerkungen machen. Danach wird jede Übung detailliert beschrieben.

Die genannten Übungen sind die wichtigsten und haben sich besonders bei der Ausbildung von militärischen Trackern bewährt:

Die Aufstellung zeigt gleichzeitig die Reihenfolge der Ausbildungsabschnitte zum Erreichen eines möglichst hohen Ausbildungsstandes. So sollte der angehende Tracker das Thema Altersbestimmung beherrschen, bevor er sich am Parcours zum schrittweisen Tracken versucht.

Um Ausbildung und Übung zum Erfolg zu führen, muß der Ausbilder sorgfältig planen; die nächsten Einzelheiten sind als Planungshilfe dazu gedacht und bilden ein unverzichtbares Grundgerüst:

Beobachtungs-Stand.

Diese Übung ist ähnlich der im Kapitel 7 beschriebenen Beobachtungsübung. Hier wird die Anlage des Standes und die Übungsdurchführung beschrieben.

Als erstes mußt du eine Liste der Gegenstände aufstellen, welche du im Beobachtungs-Stand verwenden willst. Auf einem geeigneten Gelände markierst du nun mit Trassierband oder Sägemehl die Begrenzungen wie in Bild 41 gezeigt und fertige dir eine Skizze an.

01 - Rucksack 09 – Zielscheibe - Kopf 17 – Armbanduhr
02 – Jacke 10 – Koppel 18 – Paket Cornflakes
03 – Angel 11 – Schuh 19 – Handschuh
04 – Hut oder Mütze 12 – Ball 20 – Bleistift
05 – Schulranzen 13 – Zeltplane 21 – Mais- oder Reiskörner
06 - Plastikbeutel 14 – Notizbuch
22 – Zu begründendes Zeichen:z.B. Tabakrauch bei entsprechender Windrichtung
07 – Fahrradpumpe 15 – Pullover
08 – Person 16 – Radio

Bitte beachten:

Bild 41: Beobachtungs-Stand.

Stell dich auf den Platz der Schüler und weise einen Funktioner an, die ausgewählten Gegenstände auszulegen und deren Lage ggf. zu verändern. Beginne mit den größten Gegenständen im Hintergrund und arbeite dich langsam zu Vordergrund vor. Markiere die Positionen der Gegenstände in deiner Skizze.

Je nachdem ob die Gegenstände im Stehen, Knien oder Liegen erkannt werden sollen, muß deren Lage verändert werden. Außerdem ist es recht nützlich, wenn du die 6 Faktoren aus Kapitel 7 (Was erregt Aufmerksamkeit?) in deine Skizze oder ein getrenntes Blatt aufnimmst.

Die Schüler werden nun umfassend über ihre Aufgabe informiert:

Die Schüler erhalten eine Skizze des Standes, natürlich ohne die zu suchenden Gegenstände zu nennen, oder fertigen ihre eigene an, je nach verfügbarer Zeit oder Ausbildungsstand. Die Schüler dürfen sich innerhalb der Grenzen ihres Bereiches frei bewegen und jede beliebige Position zum beobachten einnehmen, um alle Gegenstände zu finden.

Ihre Aufgabe ist einfach:

Sprechen und Abschreiben sind nicht erlaubt. Die Schüler bekommen 15 Minuten, um sich an die Aufgabe zu gewöhnen und durchzuführen. Fünf Minuten vor Ablauf der Zeit werden sie vorgewarnt.

Nach dem Einsammeln der Skizzen wird, beginnend mit dem Hintergrund, der vom Ausbilder notierte Ablauf durchgesprochen: welche Gegenstände liegen wo und in welcher Entfernung. Die Schüler müssen sich an ihre eigenen Aufzeichnungen erinnern und mit denen des Ausbilders vergleichen. Dies ist eine wichtige Phase der Ausbildung, daher keinen Zeitdruck ausüben! Während der Ausbilder die Gegenstände abruft, steht der Funktioner direkt hinter dem Gegenstand und zeigt mit einem möglichtst hellen Stab auf ihn.

Zuletzt wird ein Rundgang zu allen Gegenständen gemacht, um den Schülern, die nicht alle oder keine Gegenstände erkannt haben Gelegenheit zu geben, diese aus der Nähe und in ihrer Umgebung zu sehen.

Die Anforderungen an den Stand können mit fortschreitender Ausbildung gesteigert werden. Dazu ist es sinnvoll, den Stand regelmäßig zu verlegen.

Der Ausbilder wird dann im stillen Kämmerlein eine Analyse der Ergebnisse vornehmen, um Stärken und Schwächen seiner Schüler heraus zu filtern. So werden z.B. einige die Gegenstände aufgrund ihres Umrisses, andere wiederum aufgrund der Helligkeit und andere aufgrund ihres Schattens finden. Manche haben Schwierigkeiten, Entfernungen zu schätzen oder Gegenstände zu finden, die von Ästen herabhängen.

Beobachtungs-Parcours.

Diese Übung ist eine Weiterführung des Beobachtungs-Standes, nur daß wir uns jetzt im Gelände auf einer Strecke bewegen, die entweder wie vorher mit Trassierband oder Sägemehl markiert oder genau beschrieben ist. Es ist den Schülern verboten, den vorgeschriebene Weg zu verlassen. Ob die Schüler einzeln oder in der Gruppe gehen, ist hier unerheblich, allerdings muß sichergestellt sein, daß keine Rückmeldungen von Schülern erfolgen, die den Parcours bereits hinter sich haben.

Die Abschlußbesprechung- und Auswertung wird hier in der gleichen Weise wie vorher vorgenommen. Sie ist für die weitere Ausbildung von besonderer Bedeutung. Auch hier erhalten die Schüler in einem geschlossenen Durchgang die Gelegenheit, nicht gefundene Gegenstände zu finden.

Um das ganze zu variieren, können Einlagen wie Rauch, offenes Feuer oder sich unterhaltende Personen mit eingebaut werden.

Auf der nächsten Seite findest du ein Beispiel für einen Beobachtungs-Parcours.

Bild 42: Beoabachtungs-Parcours.

01 – Notizbuch 11 – Person
02 – Wanderweg-Markierung 12 – Zelt
03 – ein Paar Schuhe 13 – Kompaß
04 – Armbanduhr 14 – eingeschaltetes Radio
05 – Kerze 15 - Wanderweg-Markierung
06 – Schanzender Schütze 16 - Wanderweg-Markierung
07 – Hut 17 – Landkarte
08 – Pullover 18 – Taschenlampe
09 – Schlafsack 19 – Fotoapparat
10 – offenes Feuer 20 - Rucksack

Altersbestimmungs-Stand.

Lies noch einmal das Kapitel 15.

Stand: schrittweises Tracking ( Bild 43).

Im Kapitel 2 haben wir schon darüber gesprochen, daß das schrittweise Tracking immer dann erforderlich ist, wenn eine Spur schwierig zu verfolgen ist (oder in regelmäßigen Abständen). wenn eine Spur schwierig zu verfolgen ist (oder in regelmäßigen Abständen). Der Ausbilder muß zunächst einmal, wenn er mit Anfängern arbeitet, das geeignete Tracking-Medium auswählen; bei fortgeschrittenen Schülern mit Tau benetztes Gras in den frühen Morgenstunden, feste Erde und steinigen Untergrund.

Es werden hauptsächlich Bodenzeichen sein, denen die Schüler beim schrittweisen Tracken folgen müssen und sie werden immer mit einem dem Zielobjekt fest zugeordneten Zeichen aus beginnen. Beginne mit einer umfassenden Sammlung von Informationen über das Zielobjekt

nur um einige zu nennen.

Hast du das alles in deine Überlegungen einbezogen, mußt du erst einmal das nächste Zeichen finden!

Laß uns also am Beispiel vom Bild 43 einmal die Prozedur durchlaufen.

Rechne beim schrittweisen Tracking immer damit, daß dein Zielobjekt plötzlich die Richtung ändert – achte auf Richtungsanzeiger. Bewege dich beim schrittweisen Tracking immer ohne Hast und vermeide auf jeden Fall ungleichmäßige Schritte. Ein weiterer beachtenswerter Punkt ist die Geschwindigkeit des Zielobjektes. Beim Menschen ist es relativ einfach festzustellen, ob er marschiert, geht, jogged oder läuft, bei Tieren ist es schon wesentlich schwieriger, für den Anfänger unmöglich.

Die gleichen Prinzipien gelten auch beim Tracken auf Tiere, nur solltest du die Schrittlänge beim Hoppeln oder Springen mit einem Stock ausmessen und diesen zum Vergleich mit dir tragen. Bei Tieren hast du ein anderes Problem am Hals: Während ein Mensch einen bestimmten Grund hat, in einer möglichst geraden Linie von A nach B zu gehen, ist das Verhalten von Tieren schwer vorhersehbar. In den meisten Fällen aber werden dir 3-4 Abdrücke oder Paare von Abdrücken genügen, die allgemeine Bewegungsrichtung festzustellen. (Und dann lauert der Bär hinter dem nächsten Baum und haut dich in die Pfanne!)

Das Problem bei der Ausbildung im schrittweisen Tracken liegt bei einer Gruppe darin, daß die Spuren der Gruppe die zu suchenden Zeichen überlagern. Der Ausweg aus dieser Misere ist, zwei Gruppen zu bilden, sagen wir mal die Blauen und die Roten, von denen eine die neue Spur legt, während die andere die Spur verfolgt. Danach wird gewechselt. Ein Vorteil ist, daß eigentlich zu jeder beliebigen Zeit und Ort geübt werden kann, ohne jedesmal einen neuen Kurs aufzubauen.

Die Gruppe, welche die Spur legt, macht ein zu begründendes Zeichen und markiert es mit einem Stock für ihre Partner in der anderen Gruppe. Dann bewegen sie sich in einer vom Ausbilder vorgegebenen Richtung (der Ausbilder sorgt dafür, daß beide Kurse parallel verlaufen) etwa 50-100 m, setzen sich außerhalb der Sicht der trackenden Gruppe auf den Boden, denen jetzt das zu begründende Zeichen gezeigt und der Auftrag zum schrittweisen tracken erteilt wird.

Nach einem Durchgang wird Manöverkritik geübt und die Rollen werden gewechselt. Wichtig ist, daß der Ausbilder seine Schüler nicht unter Druck setzt und sie langsam aber sorgfältig arbeiten läßt. Wir sind im Moment nicht in einem Wettkampf! Die Schüler sollen die Grundbegriffe lernen und anwenden, aus ihren Fehlern lernen und ihre Fähigkeiten verbessern können.

Als kleine Abwechslung kann die Spuren legende Gruppe noch Täuschungen, wechselnde Geschwindigkeiten, gehen mit einem Wanderstock oder das sich vereinigen zweier Gruppen mit einbauen. Auch zu zweit kann man diese Ausbildung betreiben; in unbekannten Gelände sollten sich die beiden aber nicht aus den Augen verlieren, regelmäßige Treffen vereinbaren und wenn sie den Kontakt untereinander verloren haben, sofort den nächsten RV aufsuchen.

Parcours: schrittweises Tracking.

Das ist der nächste Schritt bei der Ausbildung. Der Ausbilder bestimmt ein unberührtes Gelände, möglichst ein offenes Waldgelände. Mit Trassierband o. Ä. wird eine 1 m breite Gasse markiert, in welcher der Ausbilder oder sein Funktioner die Spuren legt. Anfang und Ende der Spurengasse müssen klar gekennzeichnet sein.

Entweder bewegen sich die Schüler innerhalb der Gasse, was allerdings bei mehreren Schülern wegen der Überlagerung von Zeichen zur Verwirrung führt, oder aber, sie gehen rechts und links der Gasse und bezeichnen die gefundenen Zeichen mit einem Stock. Dabei führen sie genau Buch über die Art der Zeichen usw. Außerdem benennen sie schlüssige oder zu begründende Zeichen, die sich der Ausbilder notiert.

Die Spurengasse kann wiederum durch einfache Fußspuren oder Spuren unter Belastung durch Ausrüstung oder Störung der Vegetation verändert werden.

Stand: Auswerten von Ereignissen.

Um das Interesse am Thema anzuregen, besonders bei Schülern, die schon gewohnt sind, über vieles nachzudenken, sollte man frühzeitig die Ausbildung an realistischen Situationen ausrichten. Das Auswerten von Ereignissen ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung.

Jeder Ausbilder von Tracker kann hier seiner Fantasie freien Lauf lassen, so kann er nicht nur realistische Situationen einspielen, sondern aus ihnen heraus auch die Sinne trainieren, das Ziehen von Schlüssen üben lassen und die Vorstellungskraft seiner Schüler weiter entwickeln.

Hier ein paar Beispiele:

Parcours: Auswerten von Ereignissen.

Als logische Fortsetzung des Standes: Auswerten von Ereignissen setzt der Parcours die Schüler einem wesentlich höheren Druck aus und stellt erheblich mehr Anforderungen an die deduktiven Fähigkeiten.

Der Parcours sollte, wie in Bild 44 gezeigt, ein Gelände von ca. 150 m x 50 m umfassen und mindestens 6-7 verschiedenen Szenarien Raum bieten. An jedem Platz muß eine bestimmte Aktivität aus den vorhandenen Zeichen ermittelt werden. Sie liegen auf beiden Seiten des Kurses und sind so anzuordnen, daß sie aus jeder Richtung vom Schüler einzusehen sind, ohne daß die Zeichen von ihnen überlagert werden. Die nächste Gruppe wird es ihnen danken.

Parcours: Auswerten von Ereignissen (Bild 44).

1 – Rastplatz

5 – Wasservorrat ergänzen

2 – Überqueren eines Hindernisses

6 – Verpflegungshalt

3 – Erste Hilfe nach einem Hinterhalt

7 - Rastplatz

4 – Übernachtungshalt

 

Rastplätze

Verpflegungshalt

Wasservorrat ergänzen

Übernachtungshalt

Erste Hilfe

An diesem Parcours ist die Altersbestimmung von Zeichen vorrangig zu üben; der Ausbilder benötigt also eine etwas längere Vorlaufzeit. Das Alter der Zeichen und der Ergebnisse müssen also übereinstimmen.

Tracking-Wettkampf (Bild 45).

Der Wettkampf findet nach den genannten Ausbildungsabschnitten, aber vor der Abschlußübung statt. Hier erhalten die Schüler noch einmal die Gelegenheit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Rahmen der Gruppe oder einzeln zu erproben und in einer Abschlußbesprechung mit dem Ausbilder offene Fragen zu klären.

Er sollte in einem den Schülern unbekannten Gelände über eine Distanz von max. 3 km stattfinden. Wichtig ist der Wechsel zwischen Stand und Parcours, die Wege zwischen den Stationen können, müssen aber nicht in die Wertung einbezogen werden, das hängt vom Ausbildungsstand ab. Sicherlich wird hier der militärische Tracker einen gewissen Vorteil haben, da er sich bewußt ist, daß von der Genauigkeit seiner Arbeit u.U. sein Leben abhängt.

Als Layout hat sich ein Rundkurs wie in Bild 45 bewährt.

Tracking-Wettkampf (Bild 45).

1 – Kim-Spiel

4 – Altersbestimmung

2 – Beobachtungs-Stand

5 – Auswerten von Ereignissen

3 – Beobachtungs-Parcours

6 – Schrittweises Tracken

 

Abschlußübung.

Krönender Abschluß der Ausbildung gleich welcher Dauer sollte eine Abschlußübung sein, in der einer dem Ausbildungsstand der Schüler angepaßten Dauer und Distanz alles bisher Gelernte wiederholt wird. Der Ausbilder kann bei der Anlage seiner Fantasie völlig freien Lauf lassen, muß aber immer das Ausbildungsziel im Auge behalten.

Beginnen sollte man bei blutigen Anfängern mit einer nicht sehr anspruchsvollen Übung von nicht mehr als 8 Stunden Dauer. Dabei haben die Schüler einer vom Ausbilder festgelegten Route zu folgen, damit dieser immer den Überblick behält.

Bei der militärischen Ausbildung dauern Abschlußübungen schon einmal eine Woche, wobei das Tracking-Team das ganze Spektrum der Ausbildung unter Einsatzbedingungen bis hin zur Vernichtung des Gegners durchläuft. (So werden Planstellen frei gesetzt!) Ständige Verbindung zwischen Ausbilder und Schülern sowie Ausbilder und Zielobjekt ist unverzichtbar. Besonders bei unerfahrenen Schülern muß ein Ausbilder diese als Beobachter begleiten und nur bei einem wirklichen Notfall eingreifen.

Nun noch einige praktische Hinweise zur Ausbildung von Trackern.

1. Sicherheit.

Du als Ausbilder zeichnest für die Sicherheit deiner Schüler voll verantwortlich! Während der gesamten Ausbildung im Gelände und der Übungen mußt du für die Sicherheit deiner Schüler sorgen und, wenn notwendig mit Zwang, die Gefahren für die Gesundheit deiner Männer auf ein Minimum beschränken.

Dazu dient dir die Einrichtung eines sog. „Emergency Ralley Points´s“ (ERP), der zu Beginn jeder Aktivität von der Leitung festgelegt und allen Schülern bekannt gegeben wird. Nur die Leitung ist befugt, den ERP zu ändern und hat bei Änderungen die persönliche Pflicht, diese sofort allen Teilnehmern mitzuteilen.

Es muß ein Punkt im Ausbildungsgelände sein, der ohne Schwierigkeiten von allen gefunden werden kann: der Absetztpunkt der Gruppe, ein bestimmtes Tor in einer Weide, ein Zelt oder eine Hütte. Der ERP muß auch wirklich vorhanden sein, daher darf er nicht der Karte entnommen sondern muß von der Leitung auf Vorhandensein überprüft werden.

Der ERP muß ständig besetzt sein!

2. Gruppenstärke.

Währen die Gruppenstärke bei den Unterrichten im Klassenzimmer eigentlich nicht begrenzt ist, sollte die Gruppenstärke in Gelände für eine sinnvolle Ausbildung auf 5 Personen beschränkt werden. Bei mehr Teilnehmern ist die Anzahl der Ausbilder zu erhöhen (leider haperts damit in der Praxis).

Mehr als 5 Personen in einer Gruppe lenken sich nur gegenseitig ab und können die Zeichen zerstören.

2. Stress/Druck.

Es ist eine Tatsache, daß die am Ende der Gruppe laufenden Schüler mehr Zeichen bemerken als die an der Spitze. Der Grund dafür ist, das die Personen am Ende der Gruppe nicht dem unmittelbaren Druck ausgesetzt sind, unter den Augen des Ausbilders tätig zu werden und sich daher als Ergebnis entspannter verhalten.

Der Ausbilder tut also gut daran, die Reihenfolge in der Gruppe regelmäßig zu wechseln.

3. Spannung bei Anfängern erhalten.

Um bei Anfängern die Spannung auf die Ausbildung zu erhalten, wird folgender Vorschlag unterbreitet.

4. Ausbildungs-Techniken.

Hervor zu heben ist die Tatsache, daß auch Tracker eines ständigen Trainings bedürfen – Tracker werden nicht geboren, sie werden trainiert! Oft dauert ihr Training Jahre und ist äußerst anspruchsvoll. Es besteht völlige Übereinstimmung darüber, daß nur lange Beschäftigung mit einem Objekt die Gewähr dafür bietet, daß dieses Objekt Teil des Trackers wird und nicht nach kurzer Zeit in der Versenkung verschwindet.

Training muß progressiv sein, mit schrittweisen Fortschreiten von Ausbildungsthema zu Ausbildungsthema und mit ständiger Wiederholung des Gelernten. Die einzelnen Schritte müssen dann zu einem Ganzen zusammen gefaßt werde; eine schwere Aufgabe für den Ausbilder! Die Ergebnisse müssen unter realen aber kontrollierbaren Bedingungen überprüft werden, ohne die Ausbildung langweilig zu gestalten. Das Geheimnis des Erfolges ist, das Interesse unter allen Umständen wachzuhalten.

5. Trail und Track.

Wie schon bei den Grundlagen beschrieben, ist ein Trail eine Folge von künstlich gelegten Zeichen, während ein Track die Spuren von Menschen oder Tieren bezeichnet. Es ist zwar nicht die korrekte Übersetzung, wir müssen aber eine begriffliche Unterscheidung zwischen den Spuren eines Zielobjektes und den bewußt gelegten eigenen Spuren machen. Das trifft in erster Linie auf den Survival-Fall zu, wo es darum geht, schnell von Suchtrupps gefunden zu werden. Wirst du allerdings von einem militärischen Verfolger ins Visier genommen, ist das für dich tödlich.

Bei der Anlage von Trails können wir zunächst einmal die aus unseren Kinderzeiten bekannte „Schnitzeljagd“ zurückgreifen, bei der wir unseren Trail mit Papierschnitzel oder Sägemehl bezeichnet haben. Leider waren danach die Papierschnitzel überall verteilt und wir haben zuerst Mais-, danach Weizenkörner benutzt, die sofort von Tieren verzehrt wurden.

Ausweichmaterialien für unsere Ausbildung sind verschiedenfarbige kleine Stoffstreifen, man kann damit mehrere Gruppe gleichzeitig auf die Reise schicken. Die Streifen müssen nicht notwendigerweise auf den Boden liegen, auch als Oberflächenzeichen sind sie zu verwenden. Der Tracker, der sich nur auf Bodenzeichen verläßt, ist bald völlig verlassen!

Das bisher genannte ist eine Sache für Anfänger, in einem weiteren Schritt kann die Anzahl der Markierungen und ihre Größe und ihre Abstände von einander geändert werden. Dabei sollte man auch ein paar ortsunübliche Gegenstände, wie z.B. eine Blume im Winter, mit einbauen.

Der nächste Schritt in der Ausbildung ist das Legen eines „natürlichen Trail´s“, d.h., der Trail wird mit Richtungsanzeigern aus lokal vorkommenden natürliche Materialien markiert.

Für alle, die unser Survival-Handbuch nicht kennen, hier eine kleine Auswahl in Bild 46:

In der ersten Ausbildungsphase sind die Zeichen groß und werden in Abständen von nicht mehr als 20-30 m in regelmäßigen Abständen gelegt, später werden sie kleiner und die Abstände unregelmäßiger, das Tracking-Medium wechselt dann von weichen, nassen Sand, Schlamm o. Ä. auf Waldboden, Gras und steinigen Grund.

In der letzten Ausbildungphase wird ein Schüler den Trail legen, wobei allerdings ein Ausbilder diesen Trail überprüfen aber nicht berichtigen sollte, bevor die angehenden Tracker auf den Trail losgelassen werden. Wenn du selbst den Trail legst, wird es dir kinderleicht vorkommen, diesen zu folgen, deine Männer aber sind garantiert anderer Meinung. Besonders wenn du mit Jugendlichen arbeitest, steht der Sicherheitsaspekt an erster Stelle: Ich habe schon germanische Eingeborene erlebt, die sich in der Senne hoffnungslos verirrt haben.

Altersbestimmungs-Stand und –Parcours.

Eine genaue Beschreibung findest du im Kapitel 15. Der Stand ist Bestandteil eines über Monate laufenden Trainings und daher für Schnupperkurse nicht geeignet, aber ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung.

Sandkasten.

Wenn vorhanden, ist er eine gute Hilfe bei der Erklärung von Spuren. Leider bei Zivilisten wenig verbreitet.

Der Jugendliche.

Diese Hinweise gelten für alle Ausbilder und Personen, die sich mit Jugendlichen in die Materie stürzen wollen, es soll allerdings auch Erwachsene geben, die daraus ihren Nutzen ziehen können:

Ausrüstung.

Für alle die Kameraden, die unser Survival-Handbuch kennen, sind Survival-Kit und Survival-Gürtel ein fester Begriff, die ihnen in einem Survival-Fall das Leben erleichtern oder gar retten. Für den Anfänger sieht das etwas anders aus: man muß ihm das Leben so komfortabel wie möglich gestalten, damit er nicht von der Ausbildung abgelenkt wird, weil er müde und hungrig ist oder sich total verirrt hat.

Generell kann man sagen: „Wenn dir etwas von Nutzen ist, nimm es mit“! Das darf aber nicht dazu führen, das die Schüler wie wandelnde Supermärkte bestückt durch die Gegend laufen. Es gibt Tracker, die niemals etwas von der hier vorgestellten Liste gehört haben und trotzdem Profis sind, andere kennen sie zwar, benutzen sie aber nicht. Es gibt keinen Ersatz für Erfahrung!

Bevor du unnötig Geld für Ausrüstung ausgibst, besonders bei Versandhäusern für Outdoor und Ausrüstung, schau dir erst einmal das Gelände an, in dem du arbeiten willst und stell dir deine eigene Liste der Ausrüstungsgegenstände zusammen. Frage den Ausbilder, es ist sein Job, dir weiter zu helfen.

Gundausstattung.

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