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Trackinghandbuch der RK 19 Bielefeld-Mitte

21. Menschliche Fußspuren

Eine bis in die kleinsten Einzelheiten gehende einem Schema folgende Beschreibung eines nackten menschlichen Fußabdrucks ermöglicht dem Tracker ein Maximum an Informationen daraus zu gewinnen. Im nächsten Schritt werden wir sehen, auf welche Weise der Tracker eine Spur untersucht, die ein Zielobjekt mit Fußbekleidung gelegt hat. Außerdem werden wir uns damit beschäftigen, wie eine Reihenfolge einzelner Spuren ein Trail, entsteht. Und zum Schluß lernen wir noch, welche Schlüsse aus all dem gezogen werden können.

Bild 52: Ein menschlicher Fußabdruck.

Für unsere Betrachtungen legen wir einige Bezugspunkte fest:

Unsere Untersuchung erfolgt nach dem Schema

  1. Anzahl der Zehen – es sind nicht immer 5
  2. die Fläche unter den Zehen, die normalerweise den Boden berühren
  3. die Länge der einzelnen Zehen –lang oder kurz
  4. die relative Länge der Zehen – in einigen Fällen ist der zweite Zeh länger als der erste
  5. die Lage der Zehen im Bezug auf die Schrägachse – in einigen Fällen ragt der dritte Zeh über diese Achse hinaus, in anderen der fünfte
  6. Abstände der Zehen – besonders der Zwischenraum zwischen dem 2. und 3. und dem 4. und 5.
  7. die Stellung der Zehen zum vorderen Teil des Fußes
  8. die Form der Umrisse der Zehen
  9. die Form des Innenfußes – weich oder ausgeprägt
  10. Größe und Umriß der Hacke
  11. Größe und Umriß der Fußballen
  12. das Muster auf der Haut zwischen Hacke und Innenfuß
  13. alle Unregelmäßigkeiten – Narben, Wunden, Hornhaut

Aus diesen Merkmalen und ihren Unterschieden kann ein sehr guter Tracker, wohl selten ein Europäer, Personen von einander unterscheiden, nur an ihren Fußabdrücken!

Ein Fuß und ein Fußabdruck müssen nicht notwendigerweise von der selben Person stammen, da Gewicht und Gangart der Person sowie die Bodenbeschaffenheit diese Faktoren beeinflussen. Und wenn das Zielobjekt seinen Verfolger täuschen will, wird er seine Gangart und die Art, wie er seine Füße setzt, verändern. So können z.B. das Aufsetzen der Füße in einem anderen Winkel oder eine leichte Drehung beim Absetzen der Füße völlig andere Informationen liefern.

Fußbekleidung.

Der Abdruck der Fußbekleidung zeigt die Sohle so, wie sie die Fabrik verlassen hat, wie sie seitdem getragen wurde (Dauer des Tragens und Charakteristika des Trägers), und wie sie vom Zielobjekt auf den Boden gesetzt wurde.

Zur Untersuchung der Eigenschaften eines Fußabdrucks mit Bekleidung ist zu beachten:

Mache beim Versuch, einem Fußabdruck eine bestimmte Art der Fußbekleidung zu zuordnen, nicht den Fehler, durch Überlagerung den Abdruck zu zerstören.

Alle Einzelheiten von Fußabdrücken sind es wert, notiert und in einer Skizze festgehalten zu werden zu werden, wobei jede Skizze einen Maßstab haben sollte.

Abdrücke und der Bewegungsablauf beim Gehen.

Um ein besseres Verständnis für die Interpretation von Fußspuren zu bekommen, ist es von Nutzen, sich den Bewegungsablauf einmal in Form einer Zeitlupe vor Augen zu führen wie er in Bild 53 gezeigt wird. Die Muskelbewegungen eines Menschen spiegeln sich in den Spuren wieder, die er hinterläßt.

Bild 53: Bewegungsablauf beim Gehen.

Für den Tracker ist es von Bedeutung zu wissen, wie sich die Füße bei welchem Teil des Bewegungsablaufs in den Boden drücken, vorausgesetzt natürlich, daß es sich um weichen Boden handelt.

Schritt 1: Aus dem Stand wird ein Fuß nach vorne gebracht und mit der Hacke zuerst abgesetzt. Dabei preßt die Hacke den Boden nach vorne und ein kleiner Hügel entsteht vor der Hacke.

Schritt 2: Der Körper wird nach vorne bewegt und im Gleichgewicht gehalten. Dabei wird der abgesetzte Fuß den von der Hacke gemachte Aufwurf festtreten.

Schritt 3: Der nächste Fuß wird nach vorne gebracht, wobei der Körper eine leichte Verschiebung des Standbeines auslöst, die durch leichten Druck nach hinten hinter der Hacke des Standbeines Boden zusammenschiebt.

Schritt 4: Das Standbein wird auf die Spitze gestellt, um das Gleichgewicht zu halten. Seine Zehen graben sich in den Boden ein.

Wie im Bild zu sehen ist, sind die Flächen des Fußes, die den größten Druck auf den Boden ausüben

  1. Außenseite der Hacke
  2. Innenseite der Zehen
  3. Fußballen
  4. Außenseite des Fußes hinter dem kleinen Zeh

Gerade die Innenseite der Zehen werden oft Material vom Boden zur Seite drücken, ohne daß sie festgetreten werden. Das Gleiche gilt für die Außenseite der Hacken.

Zwei wichtige Punkte sind anzumerken.

Geschwindigkeit.

Bild 54: Spuren des gleiches Zielobjektes unter verschiedenen Bedingungen.

Je langsamer man geht, um so mehr muß der Körper ausbalanciert werden, das ist genau wie beim Fahrradfahren, und um so weiter werden die Hacken rechts und links von der Mittellinie entfernt aufgesetzt. Die Fußspitzen bilden dabei einen größeren Schrittwinkel – Position 1: Gehen.

Bewegt sich ein Mensch im Laufschritt, Position 2: Laufschritt, benötigt er eine kleine Balance, und der Schrittwinkel verringert sich bis hin zu einer zur Mittellinie fast parallelen Richtung. Die Schrittlänge wird größer und die Abdrücke der Zehen werden tiefer als beim Gehen. Entsprechend werden die Abdrücke der Hacken flacher ausfallen, sind daher auf weichen Boden immer noch zu erkennen

Steigungen/Gefälle.

Beim Bewältigen von Steigungen werden die Hacken weniger belastet, da die Knie weniger gebeugt werden. Wenn der Fuß den Boden berührt. Die Füße werden stärker nach vorn in den Boden gepreßt und damit der Abdruck der Zehen stärker ausgeprägt sein.

Bergab werden die Füße beim Gehen flacher auf den Boden gesetzt, die Abdrücke werden etwas länger talwärts verschoben. Läuft ein Mensch talwärts, sind die Abdrücke der Hacken tiefer eingepreßt, während die Abdrücke der Zehen in den meisten Fällen nur sehr flach ausfallen, und die Schrittlänge wird länger.

Training oder panische Flucht.

Es besteht ein großer Unterschied zwischen den Fußspuren eines trainierten Läufers und denen eines untrainierten.

Wer schon einmal in der peinlichen Lage war, vor einem Dutzend ärgerlicher Jungbullen fliehen zu müssen, weiß, wovon die Rede ist.

Wir könnten es bei der Einteilung der menschlichen Gangarten beim

belassen, aber zur Klassifizierung menschlicher Gangarten möchte ich noch vier andere Arten von Spuren hinzufügen:

Ein rückwärts gehender Mensch.

Die von einem sich vorwärts bewegenden Menschen verursachten Spuren und ihre Ausprägungen haben wir schon besprochen. Bei einem Wechsel der Bewegungsrichtung ist zu erwarten, daß sich die Ausprägungen der Spur um 180° ändern werden. Und genau das wird geschehen:

Tragen einer Last.

Trägt ein Mensch eine Last, muß er zusätzlich zu seinem Körpergewicht das Gewicht seine Tragelast nach vorne bringen – Position 4: mittlere Belastung. Dadurch sehen wir an der Spur folgende Ausprägungen:

Als Tracker stehst du jetzt vor der Frage, ob du ein schweres Zielobjekt ohne Last oder ein leichtes mit Last vor dir hast. Die einige Hilfe ist, nach Abdrücken einer an Rastplätzen oder Bäumen abgesetzten Last zu suchen.

Erschöpfung.

Ein erschöpfter Mensch wird langsam aber sicher die Kontrolle über seine Beine verlieren, wir alle kennen das von unseren eigenen Märschen. Äußerlich ist dieser Zustand keinem anzusehen, aber seine Spur gibt uns Auskunft über das Maß der Erschöpfung:

Erholung.

Je mehr sich ein Mensch von körperlichen Anstrengungen erholt, desto präziser werden die von ihm hinterlassenen Spuren werden. Der Wechsel von ungenauen Spuren zu genauen zeigt an, daß sich dein Zielobjekt erholt. Über die Altersbestimmung von Zeichen kannst du aber nicht auf den Grad der Erholung schließen, da das ein ganz individueller Vorgang ist.

Andere Schlüsse aus Fußspuren.

Diese Angaben müssen im Zusammenhang mit Kapitel 15 gesehen werden, um eine vollständige Beschreibung der Informationen der aus den Fußabdrücken gewonnene Informationen zu erhalten. Auch wenn man die Wichtigkeit der aus Fußabdrücken gewonnenen Informationen nicht überbewerten sollte, so kann aber eine Skizze des Fußabdruckes für den Tracker zu einem späteren Zeitpunkt wichtig werden.

Aus den Fußspuren können abgeleitet werden auf:


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