Dieses Kapitel soll allen am Leben in der Wildnis und ganz besonders dem Tracker Hintergrundinformationen für ein besseres Verständnis der anzuwendenden Tracking-Techniken geben. Wir werden uns ein wenig mit der Anatomie von Tieren und ihren Bewegungsarten beschäftigen und wie diese die Zeichen und Spuren beeinflussen. Die Zeichen der in unseren Breiten vorkommenden Säugetiere werden wir uns ebenso interessieren wie die der großen Vögel.
Alle die, die sich für das Leben der Tiere in außereuropäischen Ländern interessieren, werden auf die Fachliteratur dazu verwiesen.
Bild 55 gibt uns ein Beispiel für solche Spuren.
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Bild 55: Vier afrikanische Säugetiere
Im Laufe der Evolution hat sich die Stellung der Füße bei Säugetieren so geändert, daß wir heute drei Klassen von Füßen kennen, nach denen sich Säugetiere unterscheiden lassen.
1. Tiere, die ihre Füße mit der ganzen Sohle aufsetzen, werden als Sohlengänger bezeichnet. Ihre Klasse ist am weitesten verbreitet. Wir Menschen sind ebenfalls Sohlengänger und haben unsere tierischen Kollegen wie
2. Als Zehengänger bezeichnen wir die Tiere, die ihr Gewicht auf den Zehen und Zehenballen absetzen
1. Die Huftiere sind alle die Tiere, bei denen die Zehen, in der Regel vier, zusammen gewachsen sind, bis sie einen Huf bildeten, auf denen die Tiere balancieren. Der Huf wiederum ist in gespaltene (Paarhufer) und geschlossene (Einhufer) Formen unterteilt.
Aus der Sicht des Trackers unterscheiden wir noch vier weitere Unterteilungen nach der Länge der Beine.
1. Die Beine sind von gleicher Länge:
2. Die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine:
3. Tiere mit kurzen Beinen und langen Körper:
4. Tiere mit kurzen Beinen und mit großen Körpern:
Es ist nicht einfach, die Tiere nur einer der Klassen und Kategorien zu zuordnen, aber eine gewisse Gruppierung ist beim Tracken auf Tiere von Nutzen. Manche Tiere haben Gangarten, die ohne weiteres einer oder mehreren Klassen zugeordnet werden können. So wird sich ein Eichhörnchen manchmal gehend und manchmal hoppelnd wie ein Hase bewegen.
Alle Vergleiche von Spuren basieren auf der normalen Gangart, sowohl bei Tieren als auch beim Menschen. Genau so, wie wir uns mit den Gangarten des Menschen im vorherigen Kapitel beschäftigt haben, müssen wir das auch mit den Gangarten der Tiere machen, um die deren Zeichen besser identifizieren zu können.
1. Kategorie – Tiere mit Beinen gleicher Länge.
Am besten kann man in einer Zeitlupenstudie sehe, wie ein Tier seine Beine bewegt und die Füße absetzt. Wenn ein Pferd läuft, setzt es seine Füße diagonal ab , wie hier in Bild 56: Gehendes Pferd gezeigt wird.

Wenn der rechte Vorderhuf den Boden berührt, wird der linke Hinterhuf als nächster angehoben und abgesetzt, danach der rechte Vorderhuf gefolgt vom linken Hinterhuf. D.h. die Beine werden nacheinander bewegt, so daß vier einzelne Tritte zu hören sind, das Pferd wird aber nicht die beine der gleichen Seite nacheinander bewegen.
Die Spur in Bild 59/5 zeigt die bezeichnenden Merkmale dieser Gangart, Außer dem Kamel bewegen sich alle Tiere dieser Klasse in der gleichen Weise. Das Kamel bewegt sich nicht diagonal sondern in der Reihenfolge
Diese Bewegungsart wird vor allem von blutigen Anfängern geschätzt, denn Seekrankheit ist nicht nur auf dem Wasser ein Übel.
Genau wie beim Mensch sind die Hufabdrücke individuell verschieden. So liegen bei einem schweren Pferd die Abdrücke der Hinterhufe hinter denen der Vorderhufe, wohingegen bei einem leichten Reitpferd die Abdrücke der Hinterhufe vor denen der Vorderhufe liegen können.
Der Trab (Bild 57) ist eigentlich schnelles Gehen, die Gangart ist gleich bei höherer Geschwindigkeit. Die Hufe berühren den Boden in der gleichen umlaufenden Reihenfolge, aber zwei Hufe berühren den Boden fast gleichzeitig, so daß ein doppelter Hufschlag gehört werden kann. Die Bewegungsrichtung ist gestreckter, da das Pferd durch seine Geschwindigkeit eine bessere Balance hat; es setzt die Hufe auch mehr unter den Körper. Die Hinterhufe werden vor die Vorderhufe gesetzt und die Schrittlänge ist größer als beim Gehen.
Der Galopp (Bild 58) ist eine Folge schneller kurzer Schritte, wobei die Hinterbeine den Körper nach vorne bringen während die Vorderbeine den Körper ausbalancieren und stützen. Aus diesem Grund sind die Abdrücke der Hinterbeine mehr oder weniger seitlich der Bewegungsrichtung abgesetzt, während die Vorderbeine hinter einander stehen. Das Bild der Spur ähnelt dem eines Kaninchens, wobei wegen der großen Geschwindigkeit die Hinterhufe Erde bis vor die Spuren der Vorderhufe schleudern.
2. Kategorie – Tiere, bei denen die Hinterbeine länger sind als die Vorderbeine.
Die Gangart ähnelt denen eines Laubfrosches – die Hinterbeine werde um die Vorderbeine herum geführt und abgesetzt. Diese Kategorie kann leicht erkannt werden.
3. Kategorie – Tiere mit kurzen Beinen und langen Körper.
Die Spuren der Tiere dieser Kategorie verlaufen in Schlangenlinien – siehe Bild 59/1 und 59/1. Die beiden Vorderfüße werden gleichzeitig angehoben und nebeneinander abgesetzt. Der Körper krümmt sich und zieht die Hinterbeine mit, die fast immer an der gleichen Stelle wie die Vorderbeine und gleichzeitig abgesetzt werden. Dadurch wirkt die Spur so, als wenn ein Tier mit nur zwei Beinen die Spur mit regelmäßiger Schrittlänge verursacht hätte. Gelegentlich springen Tiere dieser Kategorie auch mit allen Vieren gleichzeitig. Bei höheren Geschwindigkeiten können die Hinterbeine auch vor den Vorderbeinen abgesetzt werden.
4. Kategorie – Tiere mit kurzen Beinen und großen Körper.
Die Tiere dieser Kategorie drehen beim Gehen die Füße nach innen, wie in Bild 59/3 zu sehen ist, spreizen die Füße aber vom Körper ab. Die Spuren der hinteren Füße überlagern oft die der Vorderen – Hacken nach außen, Zehen nach innen. Alarmierte Tiere bewegen sich in kurzen schnellen Schritten, daher ist die Schrittlänge auch sehr kurz.

Bild 59: Spuren verschiedener Kategorien von Tieren.
Tiere und Menschen hinterlassen ihre ganz individuellen Spuren und Markierungen. Wie schon im vorherigen Kapitel über ein menschliches Zielobjekt gesagt wurde, ist es eine Frage von Geduld und konzentrierter Beobachtung der Spuren, die den Tracker in die Lage versetzen, Spuren eines Zielobjektes von denen der gleichen Art zu unterscheiden.
Sogar bei Huftieren ist es möglich, einzelne Tiere zu unterscheiden – denke einmal an den Hufbeschlag von Pferden. Wenn wir also eine Spur als Ganzes betrachten, werden wir Unterschiede in der Schrittlänge und der Stellung der Füße zu einander erkennen. Im Falle von Huftieren mit gespaltenen Hufen sind die Außenform des Abdrucks und die Tiefe der Spaltung ein guter Hinweis auf die Art des Tieres. Die Tiefe der Spaltung ändert sich mit dem Alter und den Geschlecht des Tieres. Auch können Beschädigungen der Hufe durch Unfall oder Krankheit verwendet werde, einzelne Tiere zu identifizieren.
Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine hinterlassen ihre Spuren in zwei parallelen Linien zur Bewegungsrichtung. Der Abdruck aller vier Füße ist deutlich zu sehen. Bei älteren Rindern öffnen sich die Zehen mehr als der hintere Teil. Das Schaf hat einen schmalen spitzen Huf, während ein Schwein besonders in weichen Boden die Abdrücke der Klauen am Hinterfuß sehen läßt. Ziegen setzen ihre Hinterbeine meist vor die Vorderbeine, daher ist ihre Spur ungerade.
In Bild 60 sehen wir die Abdrücke und Spuren der weltweit am häufigsten vorkommenden Haustiere. Diese Beispiel soll dem Anfänger einen Einstieg darin geben, wie die Unterschiede zwischen den Arten zu identifizieren sind.

Bei den meisten Rotwildspuren wird man feststellen, daß die Abdrücke der Vorderfüße von denen der Hinterfüße überlagert werden. Eine Rotwildspur zeigt die Kondition des Tieres mit ziemlicher Genauigkeit. Das Weibchen setzt fast immer die Hinterbeine neben die Vorderbeine. Die Spuren des Bocks ändern sich mit den Jahreszeiten. Im Frühling, wenn der Bock seine volle Stärke entwickelt hat, überlagern die Spuren der Hinterbeine die der Vorderbeine. Mit fortschreitender Brunft werden die Schritte der Hinterbeine immer kürzer, und wenn er ausgebrannt und kraftlos ist, wird der Abstand der Abdrücke sehr groß sein, oft bis zur Gesamtlänge des Tieres .
Der Fuchs hinterläßt eine Spur, die der eines kleinen Hundes ähnlich ist, es gibt aber ein paar Unterschiede. Die Abdrücke sind enger im Vergleich mit der Schrittlänge. Die hinteren Abdrücke sind kleiner im Verhältnis zu den Zehen. Eine sehr genaue Beobachtung der Spur besonders auf weichen Grund wird die Abdrücke der Haare zwischen den Zehen und an den Außenseiten des Fußes zeigen, während der Hund einen klaren Abdruck hinterläßt.
Die Spur eines Fuchses ist mehr mit der einer Katze als eines Hundes verwandt. Hunde lieben es, durch Pfützen und Morast zu laufen: der Fuchs ist da etwas sauberer und vermeidet solche Stellen, er verhält sich da wie eine Katze. Normalerweise überlagert der Fuchs genau so wie eine Katze die Abdrücke seiner Vorderfüße mit denen seiner Hinterfüße.
Diese Zehengänger umfassen große Familien mit zahlreichen Arten, und eine genaue Untersuchung ihrer Spuren zeigt große Unterschiede auf, die sich aus den unterschiedlichen Lebensweisen und Anpassungen an ihre Umwelt ergeben.
Der Hund hinterläßt eine Zick-Zack-Spur wie ein Pferd, die Abdrücke aller vier Füße entlang zweier paralleler Linien.
Die Katzen legen eine vergleichsweise gerade Spur mit nur einer einzelnen Spurlinie mehr oder weniger entlang der Bewegungslinie. Wie ihre wilden Verwandten Leopard oder Tiger leben sie im Urwald und schlagen ihre Beute aus der Deckung heraus. Dabei ist ihnen Geschwindigkeit nicht so wichtig wie Geduld und das Vermeiden von Geräuschen. Sie bewegen sich so, daß die Hinterfüße genau an die Stelle der Vorderfüße gesetzt werden, so daß nur die Spuren der hinteren Füße zu sehen sind. Das erklärt den ausgesprochen leisen Gang der Katzen; eine jagende Katze wird ihre Vorderfüße niemals auf einen trocknen und daher brechenden Zweig setzen, also auch nicht ihre Hinterfüße. Katzen zeichnen sich durch eine vollkommene Körperbeherrschung aus.
Eine interessante Anmerkung ist in Zusammenhang mit den Zehengängern noch zu machen: Die Form der hinteren Seite der Vorderfüße ist konkav, die der hinteren Füße konvex. Vergleiche das einmal mit der Form deiner Hände und Hacken.
Der einfachste Weg, Tiere zu unterscheiden, bei denen die Hinterbeine länger sind als die Vorderbeine, ist die Größe der Spur und der Abstand zwischen den einzelnen Abdrücken. Sicher ist es einfach, die Spuren eine Känguruhs von denen eines Hasen zu unterscheiden, aber nicht die eines Hasen von einen Kaninchen. Betrachter man aber die Spur als Ganzes, die Fährte also, wird es etwas leichter werden, auch wenn die Unterschiede sehr gering sind.
Bei der dritten Kategorie der Tiere, die mit kurzen Beinen und langen Körpern, gibt es besondere Unterschiede zwischen den einzelnen Kategorien, auch wenn die meisten Sohlengänger sind. Die Unterschiede zeigen sich mehr in der Länge als in der Größe der individuellen Abdrücke.. Einige fallen durch die Spur des Schwanzes auf, der zwischen den rechten und linken Fußabdrücken als Schleifspur zu sehen ist. Besonders Ratten neigen im Gegensatz zu Mäusen dazu, ihren Schwanz schleifen zu lassen; die Unterschiede in den Spuren sind minimal. Wasserratten und an Land lebende Ratten sind aufgrund ihrer Spuren schwer zu unterscheiden, der Tracker muß also auch die Umgebung der Spur in seine Überlegungen einbeziehen.
Leicht an der breiten Schleifspur seines Schwanzes zu erkennen.
In der Kategorie der Tiere mit kurzen Beinen und großen Körpern wird der Dachs seine Hinterbeine vor die Vorderbeine setzen.
Wegen der großen Ähnlichkeit der Fußspuren von Vögeln muß der Tracker das Umfeld der Vögel beachten!
Die großen Unterschiede liegen dabei zwischen baumbewohnenden Vögeln, am Boden lebenden Vögeln und Wasservögeln. Die baumbewohnenden Vögel wie Sperling, Buchfink und Drossel hüpfen am Boden mit geschlossenen Füßen, so daß deren Fußspuren direkt neben einander stehen. Am Boden lebende Vögel wie Fasan und Rebhuhn bewegen sich einen Fuß nach dem anderen aber hintereinander setzend. Wasservögel wie Ente, Gans und Schwan watscheln. oft mit einwärts gedrehten Füßen.

Bild 61: Spuren der verschiedenen Kategorien von Vögeln.
Bei den baumbewohnenden Vögeln, siehe Bild 61/1, können die Arten nach der Größe der Fußspuren und den Spuren, die Schwanz und Schwungfedern hinterlassen, unterschieden werden. So hinterläßt der Buchfink sehr schmale Markierungen, oft mit dem Eindruck der hinteren Schwanzfedern am Boden. Der Sperling hingegen hinterläßt schmalere aber ähnliche Markierungen. Bei Drosseln sind die Abstände zwischen den Spuren aber größer.
Die bodenbewohnenden Vögel, Bild 61/2, sind zum großen Teil Jagdwild, und man kann sagen, daß die Zehen dieser Vögel weiter auseinander stehen als die der Krähen z.B. Der Winkel, den die äußeren Zehenspitzen bilden, beträgt in der Regel 90°, während der Winkel der inneren Zehen wesentlich kleiner ist. Auch sind die vorderen Teile der Zehen dicker als die hinteren Teile. Fasanen und Rebhühner haben eigentümlich weiche Zehen, die einen klaren Abdruck hinterlassen, während Vögel wie die Taube gröbere Füße haben, was sich auch in unschärferen Abdrücken niederschlägt. Die Spur eines Fasan ist größer als die eines Rebhuhnes und die mittlere Zehe steht in einer Linie mit dem Schwanz. Das Fasanenmännchen schleppt den Schwanz am Boden. Die Schnepfe macht zierliche Spuren, die mit denen anderer Vögel leicht verwechselt werden können, wären da nicht die kleinen Löcher, welche die Schnepfe bei der Nahrungssuche in den Boden gepickt hat.
Die Spuren der Wasservögel sind sich so ähnlich, daß nur ein Vergleich nach der Größe eine Unterscheidung der Arten möglich macht. Allein die Schwimmhäute unterscheiden sie deutlich von den baum- und bodenbewohnenden Vögeln. – Bild 61/3.
Die Füße der Watvögel haben oft leichte Ausprägungen von Schwimmhäuten, aber normalerweise haben sie lange auseinander stehende Zehe, die ihnen eine größere Oberfläche beim Laufen auf Morast bieten.
Der Tracker wird sich allerdings weniger auf die Spuren von Vögeln denn auf andere Hinweise ihrer Gegenwart konzentrieren, wie z.B. Federn an Sandbadeplätzen oder schmale Pfade im Gras zu den Futterplätzen und Futterreste. Ganz besonders schneebedeckte glatte Flächen geben gute Plätze für Spuren ab – Bild 62.
