Obwohl das Thema „Fallen“ nicht unbedingt zu diesem Leitfaden gehört, haben wir es doch in einigen Kapiteln kurz erwähnt. Es scheint dem Autor wichtig, gerade für den militärischen Tracker hier noch etwas Anschauungsmaterial zu liefern, denn vom Gegner gestellte Fallen können einem Tracker und seinen Kameraden wirklich das Frühstück etwas unangenehm gestalten. Die Rede ist hier nicht von den Fallen, die aus dienstlich gelieferten Material bestehen, sondern von Fallen aus allen möglichen lokal vorkommenden Materialien. Es ist leider Tatsache, daß der Mensch, wenn es darum geht, anderen seiner Art Unannehmlichkeiten zu bereiten, eine schmutzige Fantasie entwickelt, die ihresgleichen sucht.
An dieser Tatsache kommen wir nun einmal nicht vorbei, wir können nur versuchen, auf der einen Seite durch noch schlimmere Tricks den Kameraden mit der anderen Feldpostnummer die Suppe zu versalzen oder andererseits durch Kenntnisse ihrer Fallen diese zu umgehen oder auszuschalten. Eine Alternative dazu ist leider nicht in Sicht.
Ebenso wie beim Survival-Training buchstäblich Hunderte von Fallen nur darauf warten, zur Nahrungsbeschaffung eingesetzt zu werden, gibt es eine wahrscheinlich genau so große Anzahl von Fallen für das „Gefährlichste Jagdwild“, den Menschen, wie es ein besonders in den USA sehr populärer Autor einmal bezeichnet hat. Dieser Autor vertritt den Standpunkt, nur wer weiß, welche Fallen überhaupt möglich sind und wie und wo sie eingesetzt werden können, ist auch in der Lage, sie zu erkennen, ihnen auszuweichen und sie unschädlich zu machen. Dem ist nichts mehr hinzu zu setzen!
Benutze die Resourcen der Umgebung deiner Falle. Ortsfremdes Material fällt irgendwann auf. Denke an den Alterungsprozeß von Materialien.
Sei kein Erbsenzähler. Dein Ziel muß sein, dem Gegner zu schaden, und nicht, dir selbst zu beweisen, daß du eine perfekte Falle ohne Nägel bauen kannst. Hast du aber Nägel, Draht oder eine Säge dabei, benutze sie. Mach deine Arbeit und laß dich nicht auf endlose Diskussionen ein, warum du gerade diese Falle an dieser Stelle bauen willst.
Such dir einen Platz aus, der vom Zielobjekt bereits benutzt wurde oder benutzt werden wird. Na ja, und hier liegt der Hase im Pfeffer!
Erfolgreiche Fallensteller (und Tracker) haben eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Beobachtung und Erinnerung. Bevor sie damit beginnen, eine Falle zu setzen, werden sie alle Einzelheiten der Landschaft und der Umgebung der geplanten Falle beachten. Und wenn die Falle erst einmal gesetzt ist, entfernen sie alle verräterischen Spuren, aber wirklich alle!
Machen wir uns also eine Checkliste
Sorge dafür, daß die Spuren, die vorher nicht am Platz der Falle waren, sauber gelöscht werden, und daß bereits vorhandenen Spuren wiederhergestellt werden. Die Spuren von Rindvieh und Fahrzeugen sind dafür ein gutes Beispiel: Waren sie schon da, als du gekommen bist, dann sorge auch wieder dafür, daß sie nach deinem Abrücken auch wieder sind.
Alles, was nur im geringsten auf deine Gegenwart hindeutet, muß „antiquiert“ aussehen, wie Sägemehl und Holzspäne.
Das Hinterlassen von frischer Erde ist eine Todsünde, hat doch der Boden in der Regel eine andere Farbe als die Oberfläche. Jeder örtliche Bauer, der die Stelle deiner Falle passiert, wird sofort sehen, daß du hier gegraben hast.
Diese mußt du so verstecken, daß sie vom „Otto Normalverbraucher“ auch auf den zweiten Blick nicht gesehen werden.
Erfahrene eingeborene Tracker können durch einen Blick auf verschobenes Moos feststellen, ob die Spur von einem Tier oder einem Menschen stammt. Sei also vorsichtig. Ein umgedrehter Stein ist schnell wieder in seine Originallage gebracht und Moos mit den Fingern wieder aufgerichtet worden.
Leute, die im Busch leben, riechen und sehen diese Gegenstände auf große Distanzen.
Ansammlungen von trocknen Ästen, trockenes Gras, verschobene trockne Blätter und beiseite geräumtes Triebholz deuten auf die Anwesenheit von Menschen hin. Diese müssen aber nicht zwangsläufig in der Nähe sein.
Oft setzen die Personen, die Fallen gesetzt haben, kleinste Warnsignale aus, um ihre eigenen Leute vor den Fallen zu warnen, wie z.B. kleinste Zweige, Plastikschnitzel oder Haselnußzweige an einer Buche. Leider können diese Zeichen u. U. auch vom Gegner verstanden werden. Auf jeden Fall bilden sie ein Hindernis für den Gegner, da er ja nicht weiß, ob hier tatsächlich eine Falle gesetzt ist.
Sieht die Umgebung einer Falle zu aufgeräumt und zu sauber aus, darf der Erbsenzähler, der sie gesetzt hat, sicher sein, daß sein Zielobjekt nicht hinein laufen wird.
Räume daher den am Platz der zu stellenden Falle vorhandenen Abfall sorgfältig zu Seite und nach dem Setzen der Falle wieder zurück. Richte niedergedrücktes Gras nicht in eine Richtung auf. Laß die Steine auf dem Weg liegen. Eine Falle kann nur wirken, wenn sie auch glaubwürdig versteckt ist.
Verstecke oder vergrabe alle beim Setzen der Falle verwendeten Materialien, die du nicht mehr brauchst, oder entsorge sie weit entfernt. Nicht nur du kannst 2 und 2 zusammenzählen!
Bau deine Fallen so einfach wie möglich! Superfallen neigen dazu, genau dann den Geist aufzugeben, wenn sie ihre Arbeit machen sollen.
Merkwort: KISS =
(K)eep
(I)t
(S)imple
(S)tupid
Um die Baustelle deiner Falle vor Störungen des natürlichen Umfeldes zu schützen, ist es hilfreich, besonders die Blätter der Büsche mit darüber liegenden Kleidungsstücken, dem Poncho oder der Zeltplane vor Störung oder Zerstörung zu schützen.
Einer der größten Fehler, den du bei Setzen einer Falle machen kannst, ist, deiner eigenen Faulheit (oder Bequemlichkeit) nach zu geben. Handel niemals nach dem Motto: Es wird schon irgendwie klappen! Sonst klapperst du selbst bald mit den Zähnen.
Besorge das Material für deine Fallen immer in der näheren Umgebung. Irgend etwas Verwendbares wirst du immer finden. Lasse deiner Fantasie freien Lauf.